„Du Mama“, sagt Carsten: „Ich möchte eigentlich nicht besonders sein! Irgendwie nervt es, immer der Außenseiter zu sein.“ „Genau“, kontert Wiebke: „Ich möchte so wie die anderen sein.“ „Und jetzt finden wir bestimmt erst recht nicht jemanden, der die gleiche Behinderung hat wie wir!“ Der Kerle ist enttäuscht. Einerseits erleichtert, aber andererseits auch traurig, weil er, wie wir alle, im Stillen auf einen Austausch gehofft hat.
„Mama, hätten uns die Leute früher auf dem Jahrmarkt ausgestellt?“ Des Kerles Gedankengänge möchte ich manchmal lesen können.
15. Juni 2026 10:04 — 10:04
Auf den Jahrmarkt gehören wir doch bald alle. So erinnere ich mich, dass in Buden Leute mit Tätowierungen am ganzen Körper oder mit starkem Übergewicht als Attraktion gezeigt wurden. Und die Lösung: Man hat die Schaubuden abgeschafft.
Und glaub mir: Du möchtest nicht wirklich Gedanken lesen können. DIE VON NIEMANDEM! Wenn man eine dritte Meinung hören will, genügt es, mit jemandem zu reden.
15. Juni 2026 20:28 — 20:28
Tatsächlich will ich wirklich keine Gedanken lesen können – manchmal erschrecken mich sogar meine eigenen!
16. Juni 2026 12:58 — 12:58
Geht mir genauso.
15. Juni 2026 10:23 — 10:23
Allein die Frage zeigt, wie besonders deine Kinder sind. Und auch wie schwierig die Situation für sie ist. Und auch wie reflektierend sie sind.
Ich habe mich mein Leben lang als Außenseiter gefühlt, zumindest das kann ich nachempfinden, wenn es auch viel einfacher für mich war, weil ich es mir selbst ausgesucht habe.
15. Juni 2026 20:30 — 20:30
Dazugehören, irgendwo dazugehören und sich mit Menschen austauschen, die ähnlich ticken – das wollen wir doch alle!
15. Juni 2026 23:43 — 23:43
Irgendwie hatte ich auch gedacht, jetzt mit einem Namen steigen eure Chancen für einen Kontakt. Nicht im Nahfeld, aber doch im deutschsprachigen Raum, Europa, der Welt …
Bei näherer Überlegung, es gibt nun natürlich keine globale Datenbank „Menschen mit SOPH“. Ach blöd.
16. Juni 2026 12:20 — 12:20
Es muss sehr schwer sein, zu Carstens und Wiebkes absolut nachvollziehbaren Ansichten überhaupt etwas sagen zu können.
Bleibt nur die Hoffnung, dass diese Erkenntnisse und Ergebnisse und auch die, die noch im August hinzu kommen, irgendwie etwas weiterhelfen können.
16. Juni 2026 15:55 — 15:55
Hallo liebe piri!
Die Worte von Carsten und Wiebke gehen mir sehr ans Herz. Kinder möchten dazugehören, Freunde haben, nicht ständig auf das aufmerksam gemacht werden, was sie von anderen unterscheidet. Das ist ein ganz natürlicher Wunsch.
Aber anders zu sein ist nichts Schlechtes. Im Gegenteil!!! Die Welt wäre furchtbar langweilig, wenn alle Menschen gleich wären. Jeder Mensch bringt etwas mit, das ihn einzigartig macht – seine Art zu denken, zu fühlen, zu lachen, die Welt zu sehen.
Carsten und Wiebke sind nicht weniger wert, weil sie anders sind. Sie sind auch nicht trotz ihrer Behinderung etwas Besonderes, sondern mit allem, was zu ihnen gehört. Mit ihrer Stärke, ihrem Mut, ihrer Lebensfreude, ihren Sorgen und ihren Träumen.
Vielleicht fühlt sich Anderssein manchmal einsam an. Aber es kann auch bedeuten, Dinge zu sehen, die andere übersehen.
Ich wünsche den beiden, dass sie erkennen, dass sie sich nicht verbiegen müssen, um dazuzugehören. Dass sie nicht sein müssen wie alle anderen. Denn die Welt braucht nicht mehr Menschen, die gleich sind. Sie braucht Menschen wie Carsten und Wiebke – genau so, wie sie sind!
Herzlichst
Anne