noch etwas – überfluten

Hast du deinen Haushalt nicht in Schuss? Na, wenn deine Wohnung so aussieht, wie draußen auf dem Gehweg, dann möchte ich nicht reinkommen. 

Was glaubt ihr denn, was glaubt die Frau, die mir das unverblümt ins Gesicht gesagt hat, wie es bei uns aussieht! Wie bei Hempels unterm Sofa? Und meint sie, dass sich Wäscheberge stapeln. Okay, manchmal schon – besonders dann, wenn mal wieder beide Betten nass waren. Die Dame sollte bedenken: ich mache das ganz alleine. Von ihr weiß ich, dass sie oft Langeweile hat!

Sie predigt Mitmenschlichkeit und rennt jeden Sonntag in die Kirche, erzählt, dass man keine Vorurteile haben sollte, grüßt aber mich und die Junioren nie. Das stört mich nicht, ich mag sie auch nicht. Aber hintenrum zerreißt sie sich das Maul und redet mit anderen Leuten über uns. 

Sie hat keine Ahnung wie charmant der Kerle sein kann und wie verschmitzt das Töchting jemanden auf die Schippe nimmt. Sie weiß auch nichts von den Essschwierigkeiten und den autistischen Eigenschaften. Sie tönt nur, dass ein bisschen Ordnung (von Zucht spricht sie zum Glück nicht) uns besser zu Gesicht ständen.

∙∙∙∙∙

16:15 Uhr – um nichts noch einen Beitrag zu schreiben, sage ich hier im Nachklapp, dass ich einmal wieder Angst habe. Angst, nicht zu genügen. Angst, den Leser*innen auf den Keks zu gehen. Angst, diese Einsamkeit nicht auszuhalten. Angst, vor Ausgrenzung. Angst, total missverstanden zu werden, weil ich vermutlich eure Sprache nicht spreche!

kotzen

Nein, ich tue es nicht. Obwohl mir sehr danach ist. Das Pflegeneuordnungsgesetz dürfte euch auch inzwischen in irgendeiner Weise untergekommen sein. Entlastung bringt das für pflegende Angehörige nicht – es ist eine Backpfeife. Pflege ist nicht nur Hand anlegen. Pflege ist oft eine wahnsinnige psychische Belastung. Diese Belastung sieht man nicht. Stattdessen kommen weise Ratschläge: Achte auf dich, etc pp. 

Wie oft wiederholen Angehörige immer und immer wieder manche Sätze. Wie oft hören sie bestimmte Sätze, Worte und sehen Handlungen, die sie triggern und worauf sie tunlichst nicht reagieren sollten, weil sonst die Situation eskaliert. Im Außen ist man dann oft der/die Böse, weil die zu Pflegenden das ja nicht mit Absicht machen und man doch die Contenance bewahren sollte. 

Die Nerven liegen blank. Wenn man dann etwas unwirsch reagiert, wird man als kapriziös, arrogant, unsensibel und mehr gesehen. Die Anspannung, das Zusammenreißen und die große Liebe dahinter ist so selbstverständlich. Als ob wir Maschinen wären! 

Sorry, ich möchte doch kotzen!

keine Möglichkeit

  Ich hab gar nicht die Möglichkeit zu streiken. Jedenfalls nicht bei den Junioren. Als pflegende Angehörigen muss ich immer präsent sein. Die einzige Möglichkeit ist, mich abzugrenzen, nicht immer jede Nachricht auf dem Handy sofort anzugucken und zu beantworten. Auch mal das Telefon klingeln zu lassen, wenn eine bestimmte Person das dritte Mal am Tag anruft. 

Ein großes Problem, das mit der Vergesslichkeit und der vermuteten beginnenden Demenz einer Freundin habe ich ganz ad Acta gelegt. Einmal (öfter) angesprochen und als Hirngespinst abgetan, habe ich beschlossen, dass das nicht auch noch mein Thema ist. Ich mag sie – die Frau – und ich werde immer für sie da sein, aber mein Trouble ist es nicht. 

Ansonsten haben mir Menschen – die mich nur aus der Ferne kennen – nachgesagt, dass ich kapriziös bin, launisch und eigensinnig. Meine Ehrlichkeit, die mich im realen Leben immer voll da sein lässt, fällt mir gerade auf die Füße. Ich mache mir Gedanken um eine ältere Bloggerin, die sich seit Tagen nicht gezeigt hat. Ist die Welt so schnelllebig, dass man so rasch vergessen wird? Sind wir alle Egoisten? Mich erschreckt das. Aus dem Auge, aus dem Sinn!

Kaum bist du nicht mehr in der Norm, wirst du negiert. Schade! Ich streike, wo ich kann – aber nicht bei der Menschlichkeit. 

Copyright © 2026 voller worte

Theme von Anders Norén — ↑ ↑

Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.