Überschriften

Es kommt vor, dass ich Überschriften sammle. Mehr als das schaffe ich nicht, denn nach den Überschriften folgt ein leeres Blatt Papier, das mich anzugrinsen scheint und mir dabei zu verstehen gibt, dass ich es niemals füllen werde – weder mit Worten, noch mit Bleistiftstrichen, und schon gar nicht mit Farbe.

Dieses leere Blatt Papier höhnt mich: „Auch wenn du mich füllst, wird es niemand sehen wollen! Du hast es doch schon so oft ausprobiert, was ist dabei herausgekommen? Kaum jemand hat reagiert. Diejenigen, für die du es gemacht hast, tun sogar so, als hätten sie es nie gesehen!“

Trotzdem werde ich weiterhin Überschriften sammeln und mich bemühen, leere Seiten nicht leer zu lassen. Ich hoffe immer noch, dass die richtige Person kommt, sich verstanden fühlt und mit mir ein sinnvolles Gespräch führt.

der Tag ruft

Schwebend im Bett
der Tag ruft die Schwerhörenden
viel zu früh
selbst aufstehen fällt
schon nicht leicht
für andere sich sorgen
diese anziehen
ihnen Nahrung geben
– geistige und ganz reale –
aufs Klo setzen
sich selbst und die anderen
nebenbei Betten waschen
Kaffee machen
Kakao
Müsli, das nicht gegessen wird
Pumuckl zum hunderttausendsten
Autorenngeräusche
Koffer packen für‘s schwimmen
Hab ich auch an die Ersatzhosen gedacht?
Kaffee ist kalt
kalter Kaffee macht schön
wie viel kalten Kaffee habe ich schon getrunken?
Will ich davon noch schöner werden?
Die Beine zurück aus den Wolken holen
fest stehen
auf dem Boden der Tatsachen
einzementiert sein
im Gefüge
der Unabdingbarkeiten

© petra ulbrich

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