Manchmal beginnt ein ganz normaler Tag mit einer völlig harmlosen Aufgabe. In meinem Fall sollte es lediglich ein Anruf bei einer Firma sein, weil meine Kühlkammer kaputt ist. Eigentlich keine große Sache. Anrufen, Problem schildern, Termin bekommen, fertig.
Für meine Angst ist das natürlich viel zu einfach gedacht. Bevor ich anrufen konnte, musste erst noch die eine Seite zu Ende gelesen werden. Ein Anruf – und sei er noch so banal – muss gut durchdacht sein.
Im Badezimmer fiel mir die dreckige Wäsche auf. Ich habe sie die Treppe runtergeschmissen. Unten angekommen, bin ich aber statt in die Waschküche erst einmal in mein Schlafzimmer. Das Bett wollte ich machen. ‚Hat noch Zeit.‘ dachte ich, erst die Wäsche in die Maschine und dann zurück zum Bett. Dort habe ich festgestellt, dass das Kopfkissen beschmutzt war. Ein Kopfkissen kann ich nicht alleine waschen, ich habe also das ganze Bett abgezogen und noch in die Waschmaschine gestopft, die ich vergessen hatte zu starten.
Wieder oben im Wohnbereich angekommen lag ein einzelner Socken im Weg, der sollte auch mitgewaschen werden. Also, wieder zurück zur Waschmaschine. Diese stoppen. Socken rein und los ging der erste Waschgang.
Dann habe ich tatsächlich die Telefonnummer der Firma eingespeichert. Theoretisch war der Anruf nun nur noch ein Klacks. Aber dann setzte die Panik ein. Herzklopfen, Unruhe und dieses Gefühl, als müsste ich gleich beim jüngsten Gericht anrufen. Dabei ging es nur um ein Leck in der Kühlkammer. Angst kennt keine Logik.
Irgendwann musste ich anrufen. „Liebe Frau, wir warten schon lange keine Kühlkammern mehr!“ Aber, weil ich eine treue Kundin bin, wollen sie sich darum kümmern und sich bei mir melden. Gemeldet haben sie sich natürlich heute nicht mehr. Warten ist nicht die größte Stärke von mir, Ungeduld kommt gleich nach der Angst. Während ich also jetzt auf den Rückruf warte, (geht nun erst wieder morgen früh) kann meine Panik in aller Ruhe sämtliche möglichen Szenarien durchspielen.
∙∙∙∙∙
Die Kühlkammer ist kaputt. Die Waschmaschine längst fertig, mein Bett noch nicht gemacht und ich bin fix und fertig. Ich kann aus einem völlig harmlosen Telefonanruf ein mehrstufiges Großprojekt machen. – Mein Gehirn behandelt die Sache wie eine mündliche Abschlussprüfung ohne Vorbereitung.