Lass die Schweinehunde heulen

Lass die Schweinehunde heulen,
Lehn’ Dich trunken aus dem Fenster
Schrei’ den Menschen auf der Straße
Deinen Namen in die Fresse
Tanz’ noch drei / vier letzte Tänze
Wälz’ Dich heulend auf dem Boden
Bind aus Zigaretten Kränze
Rauch’ als gebe es kein Morgen
Lass’ die Nase richtig bluten
Taumel’ durch den Morgennebel
Leg Dich einfach auf die Straße
Und Du weißt
Du bist am Leben!

Treib’ die Kühe durch die Dörfer
Jag’ die Katze aus dem Haus
Gib dem Affen noch mehr Zucker
Lass’ die Säue alle raus
Stemm’ die nächste feine Kneipe
Roll Dich ganz ins Tischtuch ein
Und geh’ dem Kellner an die Wäsche
Lass’ dann endlich Ruhe sein
Lass’ die Nerven richtig zittern
Taumel’ durch den Morgennebel
Stell’ Dich mitten ins Gewitter
Und Du weißt
Du bist am Leben!

Mach’ die größten Piroetten
Schrei’ die Lungen aus dem Leib
Hau’ den Lukas bis nach oben
Tauch in Zuckerwatte ein
Nimm’ die besten Augenblicke
Bau’ Dir Deine Zeit daraus
Riskier die dickste aller Lippen
Pfeif’ auf jeglichen Applaus
Lass die Nase richtig bluten
Lass die Erde richtig beben
Stell’ Dich mitten ins Gewitter
Und Du weißt
Du bist am Leben!

Lisa Bassenge

∙∙∙∙∙

Auf Gewitter hoffend lege ich Wäsche zusammen.

mal geschrieben

Das Leben ist Schwankungen unterworfen und geht nicht nur bei mir auf und ab. Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich es so schlecht getroffen habe – anderen geht’s auch nicht besser. Es ist, wie immer, eine Frage der Betrachtung.

Das soll es für jetzt sein. Ich übe, ich selbst zu sein!

drei Schwestern

Ich habe zwei Schwestern. Zusammen sind wir drei Schwestern und drei Brüder.  Und obwohl wir dieselben Eltern haben, könnten wir unterschiedlicher kaum sein.

Als Älteste habe ich vieles zuerst erlebt. Vieles zuerst ausgefochten. Ich war die, die Grenzen verschoben hat, damit sie für die beiden anderen selbstverständlich wurden. Nicht immer mit Erfolg, aber oft genug.

Ich war auch die, die aus dem Dachfenster auf die Birke kletterte, weil das einfacher war, als durch die Haustür zu gehen. Später mussten meine Schwestern diesen Weg gar nicht mehr nehmen. Sie durften einfach zur Tür hinaus. Ein kleines bisschen, weil ich vorher dafür gekämpft hatte.

Aber eigentlich geht es gar nicht darum.

Es geht um zwei Schwestern.

Die mittlere ist mir fremd geworden. Nicht erst seit gestern, sondern Stück für Stück. So langsam, dass ich es lange nicht wahrhaben wollte. Ich habe immer wieder versucht, eine Brücke zu bauen. Habe erzählt, zugehört, Verständnis gesucht. Irgendwann musste ich mir eingestehen, dass ich die Einzige war, die auf diese Brücke zuging.

Wir leben nicht nur unterschiedliche Leben. Wir schauen auch mit völlig unterschiedlichen Augen auf die Welt. Was sie begeistert, lässt mich kalt. Was mir wichtig ist, versteht sie nicht. Unsere Gespräche enden oft dort, wo sie eigentlich erst beginnen sollten. Statt Nähe bleibt Distanz. Statt Leichtigkeit bleiben Sticheleien.

Das Schlimmste daran ist nicht einmal, dass wir so verschieden sind.

Das Schlimmste ist, dass ich irgendwann aufgehört habe zu hoffen.

Sie ist meine Schwester. Das wird sie immer sein. Aber sie wird vermutlich nie der Mensch sein, den ich anrufe, wenn mein Herz schwer ist. Und dieser Gedanke tut manchmal mehr weh, als ich zugeben möchte.

Dann gibt es meine kleine große Schwester.

Auch wir sind verschieden. Sie ist groß, ich klein. Sie trägt hohe Schuhe, ich lieber bequeme. Sie ist sportlich, ich mache Sport eher aus Vernunft. Sie hat studiert, ich bin meinen eigenen Weg gegangen.

Und trotzdem verstehen wir uns.

Nicht, weil wir gleich sind. Sondern weil wir einander sein lassen.

Wir können diskutieren, lachen, albern sein, lästern, weinen und schweigen. Wir können unterschiedlicher Meinung sein, ohne dass einer den anderen kleiner macht. Wir können ehrlich sein, ohne Angst haben zu müssen, dass Ehrlichkeit gegen uns verwendet wird. Das ist ein Geschenk. Vielleicht sogar das größte.

Mit der mittleren Schwester haben wir es versucht. Immer wieder. Sie wahrscheinlich auf ihre Weise, ich auf meine. Aber manche Beziehungen lassen sich nicht retten, nur weil man sie retten möchte.

Das einzugestehen, hat lange gedauert.

Heute weiß ich: Nicht jede Schwester wird zur Freundin. Und das ist traurig. Aber noch trauriger wäre es, immer wieder an einer Tür zu klopfen, von der man längst weiß, dass sie verschlossen bleibt.

Wir drei können austeilen. Jede auf ihre ganz eigene Art.

Die mittlere darf das auch.

Nur eben ohne mich.

Denn irgendwann kommt der Moment, an dem man nicht mehr kämpfen muss, sondern loslassen darf.

Und manchmal ist genau das der größte Akt von Selbstfürsorge.

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