Behinderung, Gedankenchaos, Junioren

Angst und Körper

Mein Körper hat gelernt, Angst zu haben. Nicht vor dem Leben. Vor dem, was immer wieder passiert. Es ist verrückt, wie der Körper irgendwann Dinge erkennt, bevor der Kopf überhaupt hinterherkommt.

Eine bestimmte Absenderadresse. Ein Anruf. Ein Schreiben. Ein Termin.

Und innerhalb von Sekunden ist dieses Gefühl wieder da. Nicht, weil genau in diesem Moment etwas Schlimmes passiert. Sondern weil es in den vergangenen Jahren einfach oft genug passiert ist. Wenn Hilfen plötzlich wegbrechen. Wenn Zuständigkeiten hin- und hergeschoben werden. Wenn Entscheidungen über deine Junioren getroffen werden und du weißt, dass du die Konsequenzen auffangen musst. Wenn du immer wieder kämpfen musst für Dinge, die eigentlich längst geklärt sein sollten.

Irgendwann ist das nicht mehr „nur Bürokratie“. Es macht etwas mit einem.

Mit dem Schlaf. Mit der Konzentration. Mit dem Magen. Mit der Anspannung. Mit dem Gefühl von Sicherheit.

Und vielleicht ist genau das etwas, worüber wir viel zu selten sprechen: Was kostet es einen Menschen körperlich, jahrelang funktionieren und kämpfen zu müssen?

Gedankenchaos, Junioren

ein Nagel, ein Königreich für einen Nagel

Heute Morgen so toll – und am späten Nachmittag Monster!

Am späten Nachmittag waren wir zu einem Umtrunk nach einer standesamtlichen Hochzeit eingeladen. Das Töchting hatte sich kurz vor Feierabend in der Werkstatt übergeben. Der Kerle wollte/konnte nicht mehr sitzen, doch da hatte ich vorgesorgt – seine Bedarfstropfen bei Schmerzen hatte ich dabei. Der Hauptgrund war allerdings wahrscheinlich eher der, dass er keine Lust hatte. Damit hat er seine Schwester angesteckt, und schon im Auto haben sie sich beide wie die Kesselflicker gezofft.

Ich wollte aber unbedingt auf diese Hochzeit, weil die jüngste Tochter meiner Freundin geheiratet hat. In mieser Laune sind die Junioren ausgestiegen, haben sich demonstrativ in den Weg gestellt und ein wahnsinnsmissbilliges Gesicht gemacht. Der Kerle hat gezetert. Wiebke fing auf einmal an zu husten und muss sich wieder übergeben. Meine Laune sank.

Wenigstens durfte ich ein Gläschen Sekt trinken und dem Brautpaar gratulieren – das übrigens haben beide mit fröhlichem Gesicht gemacht.

Dann mussten wir nach Hause und hier suche ich jetzt einen dicken Nagel, ganz weit oben in die Wand zu hauen, um die Junioren dran zu hängen.

Junioren

du Mama

„… ich vermisse den Papa!“ „Ich auch, Wiebke!“ kontert Carsten. „Er hat immer morgens den Druck rausgenommen und dann war das Aufstehen total entspannt.“
„Aha“, meine ich da, „jetzt ist‘s also stressig?“
„Das wollte ich nicht sagen. Es ist nur anders und einer fehlt!“