Gedankenchaos

Vermissen

Wurm

Ganz eigenartige Eigenschaften hat das Vermissen. Wenn ein Mensch uns fehlt, ein ganz bestimmter, vermag das Vermissen sich auszubreiten wie eine Welle – eine große Welle, schwer, dunkelblau mit weißer Schaumkrone – die zahlreiche andere Menschen erfasst und uns auch sie vermissend macht, obwohl das Vermissen nur die eine Person gemeint hat – eigentlich.

Aber uneigentlich heißt Vermissen, etwas spüren können, was eigentlich gar nicht zu spüren ist. Es spüren und zugleich fühlen, dass es fehlt und Schmerz darüber empfinden, ein Schmerz, der Vermissen heißt.

Vermissen hat viele Schlüssel – goldene mit Schnörkel, die zu einer großen Truhe passen und klitzekleine alte abgeschabte für ein Tagebuch – und es schleicht sich zuweilen in unsere Herzen, wenn es noch gar nicht Zeit dafür ist.

Dann ist der geliebte Mensch, den wir vermissen werden – später – noch an unserer Seite, der Abschied noch Stunden entfernt, in unserer Brust knospt aber schon die Traurigkeit, als läge das Leben wohl viele Tage zurück.

Vermissen hat den Geruch eines Mittwochnachmittaglichts und die Farbe vom Abendhimmel, wenn die Engelchen Weihnachtsbrot backen und in manchen Momenten das schillernde spiegeln von Seifenblasen im Spätsommerlicht.

Vermissen lehrt uns, verletzt zu sein.

Familie, Gedankenchaos

aufdrängen

Aufdrängen ist nicht die gute Überschrift, aber irgendwie stimmt es doch. Mir drängt sich ein Gedanke auf, dass ich meine Blogbeiträge anders gestalten muss. Entweder lasse ich Kommentare zu, oder ich mache sie ganz dicht. Tatsächlich habe ich Angst vor Kommentaren. Vor Kommentaren, die mir unsinnig erscheinen. Aber wer bin ich, dass ich Kommentare als unsinnig bezeichnen darf? Dennoch triggern mich einzelne Kommentare und das tut mir einfach nicht gut.

 Ich fühle mich auch hier im Blog unverstanden – aber kann ich erwarten, dass man nachvollziehen kann, wie es mir tatsächlich geht. Welche Gedanken mir durch den Kopf gehen kann ich erzählen. Aber werden sie auch so verstanden, wie ich es meine? Ich habe ein neurodivergentes Hirn, meine Synapsen sind total anders verknüpft als herkömmlich bekannt. Als bei anderen Menschen und sogar als bei anderen Autisten. Selbst im direkten Umfeld stoße ich immer wieder auf Unverständnis. Auch bei Menschen, die mir sehr wohl gesonnen sind. Wie kann ich es dann im Blog erwarten? Zumal ich es (das Chaos im Kopf) ja selber kaum vollumfänglich erkennen kann.

Aber ich brauche ein Ventil, und das ist dieses Blog. Ich muss dieses Kuddelmuddel in meinem Kopf loswerden. Will es sortieren! Will Kategorien schaffen, mit denen ich arbeiten kann!

Alleine bin ich schon kompliziert. Mit den Junioren wird ein gordischer Knoten draus. Immer wieder schaffe ich es ansatzweise, ihn aufzudröseln. Aber das kostet Kraft. Kraft, von der ich nicht weiß, woher ich sie nehmen soll. Wenn da noch Nichtigkeiten an mich herangetragen werden, Smalltalk von mir verlangt wird, dann zerreißt es mich. Dann habe ich das Gefühl mich aufzulösen.

Drei verschiedene Persönlichkeiten im Haus unter einen Hut zu bringen, ist eine Herkulesaufgabe. Ich bemühe mich sehr. Nach außen scheint es auch, dass ich es schaffe. Was hinter der verschlossenen Tür passiert, geht niemanden etwas an.

Jetzt hat sich die Frage nach den Kommentaren zulassen oder nicht, immer noch nicht geklärt – und kommt mir bitte nicht mit dem Argument, dass dies ja mein Blog ist und ich darin machen könne, was ich will!

Entscheidung

Ich werde keine Kommentare mehr zulassen. Stattdessen Likes freischalten! Wer mit mir kommunizieren möchte, wird einen Weg finden!

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SWR1 Leute Bitte, wenn ihr wollt und könnt, hört euch den Beitrag über ADS bis zum Ende an.

Gedankenchaos

Momentaufnahme eines Morgens

Die Nacht ist einmal wieder viel zu früh vorbei. Ich muss aufs Klo. Aber da ist noch etwas anderes. Mein ganzer Körper ist angespannt. Die Finger zittern. Der Kopf rattert. Im Unterbauch scheint ein großes Loch zu sein. Ich schwebe im Bett. Meine Nase juckt und kein Tool hilft mir runterzukommen. Scheinbar löse ich mich auf. Wie ein Nebel, der vom Fluß gefressen wird. Nur die Angst bleibt. Eine diffuse Angst, die nicht greifbar ist. Angst nicht zu genügen. Angst allein zu sein. Angst verlassen zu sein. Angst, es nicht zu schaffen.

Was kann ich nicht schaffen? Aufstehen? Den Tag beginnen? Erst einmal aufs Klo gehen.