Alltag, Behinderung

warum

Warum schreibe ich Beiträge, die nicht kommentiert werden können und doch jeder lesen kann?

Ich hätte schon sehr gerne Resonanz auf diese Artikel, aber ich scheue die Kommentare. Ehe etwas kommt, was mich zusätzlich triggert und ich mich rechtfertigen müsste, mache ich lieber dicht. Mehr und mehr ist mir das gesamte Internet ein Schaulaufen geworden, oft nichts-sagende Worthülsen. Sogar in Foren, in denen pflegende Angehörige sich austauschen können, ist der Konkurrenzkampf groß – jede*r hat das schwerste Schicksal zu tragen!

Mir liegt es fern Mitleid zu heischen (mag eine*r das so sehen), ich möchte nur aufzeigen, welche Kräfte manchmal auf mich einwirken. Wie ich alles schaffe ist nicht mal mein Geheimnis – weil ich es selber nicht weiß. Ich möchte meine Gedanken einfach nur loswerden! Leider habe ich die Erfahrung gemacht, dass mir meine Stärke – und ich sehe meine Kraft als Stärke – als Arroganz ausgelegt wird, ich angegriffen werde und ein Shitstorm aufkommt. Dabei möchte ich allgemein eine Lanze für pflegende Angehörige brechen und aufzeigen, dass die meisten von ihnen Bärenkräfte, einen irren Mut, wenig Unterstützung und kaum Selbstvertrauen haben, weil sie denken: Es müsste noch viel perfekter gehen! 

Geschichte

kleine Schritte

Viele kleine Schritte führen in eine schönere Welt! Gehen wir doch diese Schritte! Schließlich haben wir die Erde von den nächsten Generationen nur geliehen! Dazu eine gefundene Geschichte:

Nur ein Seestern

Roger Smith war Professor für Mathematik. Er war auf Urlaub, hier auf dieser schönen sonnigen Insel. An einem besonders schönen Morgen spazierte er in Gedanken versunken den Sandstrand entlang.

Von weitem beobachtete er einen Jungen, der sich immer wieder langsam bückte, wohl etwas aufhob, ein paar Schritte ins Wasser trat und wieder zurückging. Interessiert ging Roger Smith weiter und beim Näherkommen sah er, wie der Junge sich bückte, einen Seestern aufhob und ihn ganz sanft, fast liebevoll ins Wasser zurücktrug. Smith musste lächeln, aber er fragte freundlich: „Hallo, was machst du denn da?“

Der junge Mann hielt inne und sagte: „Nun, wenn ich einen Seestern finde, trage ich ihn zurück ins Wasser“. Smith fragte weiter: „Aber warum machst du denn das“? „Nun“, entgegnete der Junge, „die Sonne geht auf, die Ebbe setzt ein und es wird ein heißer Tag und wenn ich sie nicht zurück ins Wasser bringe, werden die Seesterne sterben“. ~ „Aber junger Mann, dieser Strand ist viele Kilometer lang und es leben Tausende von Seesternen hier, was macht es schon für einen Unterschied, wenn du ein paar Seesterne ins Wasser bringst“?

Höflich hörte der junge Mann zu, bückte sich dann und trug wieder einen Seestern ins Wasser, der sofort quicklebendig davon schwamm, gerade so, als wollte er danke sagen. „Ooh, es macht einen Unterschied, sogar einen großen – zumindest für diesen einen“! Diese Antwort überraschte und verwirrte Smith und er wusste nichts Rechtes darauf zu antworten. Er ging wieder zurück ins Hotel, aber die Begebenheit beschäftigte Ihn den ganzen Tag.

Abends, als er auf der Terrasse stand und seinen Blick in der Dämmerung über das Meer gleiten ließ, wurde es ihm plötzlich klar.

Was der junge Mann tat, war, sich zu entscheiden; nicht nur für sich allein da zu sein und vor sich hin zu leben, sondern aktiv in dieses Universum einzugreifen, das Leben zu schützen und einen Unterschied zu machen.

Am nächsten Morgen ging Roger Smith hinaus und trug ein paar Seesterne liebevoll zurück ins Wasser und er erfreute sich daran, dass sie munter davon schwammen und irgendwie, tief in seinem Innern, wusste er, dass auch er ein kleiner, aber wichtiger Teil dieses Universums ist

… und es wurde ihm klar, dass jeder ein kleines Stück betragen kann, JEDER !

(Autor mir unbekannt)

Gedankenchaos

Besuchsfeiertag

Eigentlich ein schöner Nachmittag gestern. Und doch mit Nachgeschmack, mit sehr nachdenklichem.

Ich bin gerade Kummertante für sehr viele Menschen. Für die Junioren sowieso, aber auch für andere, deren Sorgen bei mir gut aufgehoben sind und die ich gerne anhöre und auch gerne helfen möchte. Zuhören kann ich gut! Konnte ich schon immer. Während diverser Mutter-Kind-Kuren luden andere Mütter, aber auch Väter ihre Sorgen bei mir ab. Es hat mich nicht belastet – beschäftigt ja, aber ich habe es nicht zu meinem Problem gemacht. Für mich selbst bleiben wenige Löffel übrig!

Immer wieder wache ich frühmorgens auf und habe Zukunftsängste verschiedener Art. So ist mir zum Beispiel ein Zahn abgebrochen und ich finde keine Zeit, zum Zahnarzt zu gehen. (Es tut nichts weh und sehen tut man auch nichts.) Zum Glück muss ich nicht zum Friseur gehen, meine Haare schneide ich mir alleine. Aber dies mulmige Gefühl in der Magengrube, das ist permanent vorhanden. Carsten und Wiebke sind fröhlich, es geht ihnen gut …

Gestern Nachmittag waren wir gemeinsam im Altenheim, haben eine Freundin dort im betreuten Wohnen besucht. Bei allem, was schön war, lag doch ein morbider Charme über dem Ganzen. Gespräche kreisten auch um den Tod, um die Ängste davor und ums Sterben. Die Junioren kennen diese Themen, beteiligen sich entweder an dem Gespräch oder lassen es vorbeiziehen – je nach Aufmerksamkeit und Interesse. Ich weiß, dass ich sie nicht überfordere!

Mit mir hat dieser Nachmittag was gemacht. So viele laden gerade ihren Kummer und ihre Probleme bei mir ab. Auch wenn es mich nicht tangiert und ich es gut wegstecke, so macht es doch was mit mir. Ich habe keine Schubladen, Problem eins darein zu packen und Problem zwei in die andere, und das dritte Problem bekommt noch eine andere. Ich bin keine professionelle Zuhörerin. 

Heute Nacht habe ich allen Kummer, Sorgen und Probleme miteinander verknüpft, und mein Kopf ist – wie der Grießbrei im Märchen – übergelaufen … 

… denn zu denen der anderen kommen ja meine eigenen Ängste noch dazu!

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