Wer nach allen Seiten offen ist, kann nicht ganz dicht sein!

Wer diesen Satz gesagt hat – Tucholsky war es nicht –, weiß ich nicht. Es ist aber auch egal! Ich bin nicht dicht, aber auch nicht nach allen Seiten offen. Über meinen Tellerrand möchte ich schauen – mag sein, nur in eine Richtung, aber immerhin.

Aber ich möchte noch mehr, als nur drüber schauen. Zu gerne würde ich rausklettern und in die Welt gehen. Es wäre so schön, ich könnte es! Da sind wieder die Umstände, ich kann leider nicht so, wie ich will. Deswegen erfülle ich mir kleine Dinge und einen: Siebservierer

Siebservierer – die simple Kombination aus Sieb, Schüssel und Deckel gibt Anlass für die Erfindung ( nicht Schöpfung!) eines neuen Wortes. Das Sieb serviert statt sieben mal sieben ganz feinen Sand zu sieben.
Patentiertes Wort – Eigentum, das nicht verpflichtet, sondern Rechte sichert.
Sprachbenutzer gebrauchen Worte wie Teile eines Baukastens.
Sie setzen sie zusammen, verbinden, trennen. Sie tun mit der Sprache alles, um auszudrücken, um ihr den letzten Tropfen Leben zu entreißen.
Sprachbenutzer beschmutzen die Sprache.
Sprachbenutzer verbrauchen Worte, entleeren die Namen der Dinge, entzaubern das Wesen der Sprache.
Sprachzauberer lassen die Sprache sprechen.

Mut

Mut ist immer die Überwindung von Angst.

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11:45 Uhr : Nennt es hü und hott, verflucht mich, demütigt mich und beleidigt mich im Stillen. Nennt mich wankelmütig und inkonsequent: es kann wieder kommentiert werden! Guckt vorher auf die Bio, denn es kann sein, dass ausgerechnet euer Kommentar nicht erscheint. Ich erkläre auch warum ich das mache – alles was mich triggert, gehört hier nicht ins Blog. Und wenn dann niemand mehr kommentiert, dann ist das eben so.

Vermissen

Ganz eigenartige Eigenschaften hat das Vermissen. Wenn ein Mensch uns fehlt, ein ganz bestimmter, vermag das Vermissen sich auszubreiten wie eine Welle – eine große Welle, schwer, dunkelblau mit weißer Schaumkrone – die zahlreiche andere Menschen erfasst und uns auch sie vermissend macht, obwohl das Vermissen nur die eine Person gemeint hat – eigentlich.

Aber uneigentlich heißt Vermissen, etwas spüren können, was eigentlich gar nicht zu spüren ist. Es spüren und zugleich fühlen, dass es fehlt und Schmerz darüber empfinden, ein Schmerz, der Vermissen heißt.

Vermissen hat viele Schlüssel – goldene mit Schnörkel, die zu einer großen Truhe passen und klitzekleine alte abgeschabte für ein Tagebuch – und es schleicht sich zuweilen in unsere Herzen, wenn es noch gar nicht Zeit dafür ist.

Dann ist der geliebte Mensch, den wir vermissen werden – später – noch an unserer Seite, der Abschied noch Stunden entfernt, in unserer Brust knospt aber schon die Traurigkeit, als läge das Leben wohl viele Tage zurück.

Vermissen hat den Geruch eines Mittwochnachmittaglichts und die Farbe vom Abendhimmel, wenn die Engelchen Weihnachtsbrot backen und in manchen Momenten das schillernde spiegeln von Seifenblasen im Spätsommerlicht.

Vermissen lehrt uns, verletzt zu sein.

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