Behinderung, Kuddelmuddel

nicht zu Hause

Als ich aufwachte, dachte ich: Ich bin nicht zu Hause. Ich bin hier.

Susanna Clarke, Piranesi

Ich wäre gerne nicht zu Hause, möchte unterwegs sein, will endlich einmal wieder etwas anderes sehen! Stattdessen organisiere ich Rollstuhlreparaturen, Schuhmachereibesuche – Wiebke soll nun neue orthopädische Sommersandalen bekommen. Arztbesuche gestalten sich schwierig – der Kerle muss dringend zu einem Nephrologen, aber wir haben keinen mehr. Der alte ist uns vor Jahren weggestorben und die Notwendigkeit für einen Untersuchungstermin war nicht vorhanden. Jetzt macht die Blasenekstrophie Probleme und neue Patienten werden in diesen Zeiten ungern angenommen. Persönlich bin ich außerordentlich erschöpft, die Diagnoseergebnisse vom Dienstag sind inzwischen in meinem Hirn angekommen und ich muss Dinge entscheiden, die weit über meinen Verstand gehen. Eventuelle Operationen – die große Einschnitte bringen. In meinem Kopf rattert es, meine Knie sind butterweich, mein Bauch hat Angst, meine Junioren müssen damit leben. Da ist eine nichtoperierte Blase noch ein Klacks …

Am liebsten wäre ich unterwegs, mit den Junioren auf großer Fahrt. Stattdessen werden wir gleich an den See gehen, der den Namen See eigentlich gar nicht verdient. Es ist eher eine große Pfütze in den Weinbergen – aber wenigstens scheint die Sonne!

Behinderung, Gedanken, Kuddelmuddel

vom Verstehen werden können und so

Ein bisschen etwas hat dieser Beitrag auch mit Blogs und sozialen Medien im Internet zu tun. Was sind die Beweggründe warum jemand ein Blog schreibt? Ist es eine Form von Voyeurismus nur andersherum? Exhibitionismus? Oder ist es ein Aufmerksamkeitsruf? Jemanden finden, der einen versteht? Zu verstehen versucht? Wollen wir nicht alle verstanden werden? Bestätigung haben, dass wir dieses und jenes richtig machen?
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Habe ich jetzt schon einen Satz ohne Fragezeichen geschrieben?
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Ich hoffe oft auf Verständnis, Ich hoffe auf ein Entgegenkommen andere. Vielleicht verlange ich zu viel. Vielleicht erwarte ich auch etwas was nicht gebracht werden kann. Meine Situation und die der Junioren ist eine so völlig andere als die von vielen von euch. Wenn ich schreibe, dass ich mich alleingelassen fühle, dann ist das immer ein Gefühl, dass viele Menschen nicht nachvollziehen können, weil sie es nicht kennen – weil, sie ist so nicht kennen. Aber ich finde denke, Verständnis und Verstehen können sind zwei Dinge! Ich kann Verständnis aufbringen und kann es dennoch nicht verstehen, weil ich es nicht nachvollziehen kann. Damit bin ich allein – in jedem Fall! Wenn jemand nicht in der gleichen Lage ist, oder sich auf verschiedensten Gründen nicht hineinversetzen kann, dann ist es verdammt schwer zu verstehen, warum der oder die, gerade zynisch, traurig, verletzt ist, sich alleingelassen fühlt, obwohl doch jemand da ist.

Mir geht es gerade so. Dass meine Junioren körperlich missgebildet sind, dass sie außerhalb der Norm sind, das weiß ich schon seit ihrer Geburt – sie sind anders! Aber alle Nackenschläge, die daraus entstehen und die sich wie ein Faden hinterherschlängeln, mit sich selbst aushandeln, niemanden so recht zu haben, der oder die versteht, warum man traurig, zynisch etc. ist, das macht einem quasi zum Zurschausteller seiner selbst. Das will ich nicht! Ich möchte nur aufzeigen, dass es noch anderes gibt, dass viel, wie die drei Affen, nicht sehen und somit nicht verstehen wollen/können.

Vermutlich ist dieser Beitrag missverständlich, viel zu kurz, um Verständnis zu wecken und um Verstehen zu erreichen, aber ich musste es aufschreiben. Es ist wieder einmal ein Kuddelmuddelgedankenkarussell!

Nachtrag auf der zweiten Seite: 10:55Uhr