Behinderung, Gedanken, Kuddelmuddel, Musik

Werkstatt frei

Als Überschrift lasse ich das gelten, denn eigentlich ist das schlechtes deutsch!

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Die Flügel sind gestutzt

Ich kann nicht mehr fliegen
Stürze ab und bleibe liegen

Damals, als die Zeit noch schön
Niemand hat sie so gesehn
Wie ich

Damals, als die Flügel länger waren
In den bunten jungen Jahren
War ich klein

Mit den großen schweren Zeiten
Und den begrenzten Möglichkeiten
Kam die Schere […]

© petra ulbrich

… und wieder ist die Fantasie weg. Es geht nicht mehr weiter im Gedicht! Geht es anders weiter? Immer! Es geht immer weiter. Das halte ich mir zugute, ich gebe nicht auf – ich kann kämpfen. Über den gestrigen Tag möchte ich nicht viel schreiben – er war anstrengend und wie es weitergeht, so mit der Entscheidung keine PEG legen zu lassen, kann ich leben, weil die Option ja nicht vom Tisch ist.

Ich bin immer noch kalone, fix und fertig, müde und kaputt. Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht aufgebe, auch wenn ich am Boden liege. Wie sagte meine Oma: Dreh dich um, wenn du am Boden liegst, dann kannst du die Sterne beobachten, bist du die Kraft hast wieder aufzustehen! 

Kuddelmuddel

sie lesen es nicht

Ja, sie lesen es nicht – die Leute, von denen ich denke, dass sie mir Trost spenden könnten! Aber das ist okay! Nicht okay ist, dass Sachbearbeiter der Krankenkassen, die sich als »Sozialer Dienst« bezeichnen, nicht zurückrufen. Das ist keine Wertschätzung! In meinen Augen ist das eine Hilflosigkeit, die feige ist. Wie so immer greift der Spruch: Den Letzten beißen die Hunde! Ich bleibe hier mit meinen Sorgen allein, nur weil das Gesundheitssystem in Deutschland Menschen mit Behinderung, wenn sie erwachsen sind, nicht adäquat betreuen kann, weil es zum Beispiel keine Psychologen gibt, die mit diesen Menschen arbeiten. Es gibt generell zu wenige solcher Therapeuten und um mit geistig behinderten Klienten zu arbeiten, braucht es noch mehr Anstrengung als ohnehin nötig.

Jeder Morgen ist ein Morgen, an dem ich bangend aufstehe. Auch wenn ich in der Nacht den Kerle umgedreht habe, so weiß ich dennoch morgens nicht, ob er nicht unterzuckert ist. Auch ist es immer wieder ein Kampf – ja tatsächlich, mit wem auch immer, aber es ist kämpfen, dass mein Sohn noch im Bett etwas trinkt! Wer hier schon länger liest, weiß, dass er diskutieren kann und ohne Punkt und Komma redet. Politiker machen das so, aber wir haben keine in der Familie. Woher er das hat, ich weiß es nicht. Aber dies ganze Reden macht es doppelt schwer. Seine Argumente sind nicht einfach wegzuwischen, sie haben Hand und Fuß. Er hat einen kleinen Magen, seine Anatomie ist verschoben, seine Speiseröhre ist angegriffen – er hört bei Arztgesprächen immer sehr aufmerksam zu. Auch, dass es jenes nicht mag, was doch sehr gesund ist – ich kann es nachvollziehen! Wenn Carsten sich dann in Rage redet, kommt aus der anderen Ecke Schützenhilfe. Manchmal in Form von miteinsteigen in die Diskussion, manchmal von weinen, weil sich Wiebke überfordert fühlt und manchmal einfach von schreien und zetern, dass ich doch endlich was machen soll!

Jetzt sind beide in der Lebenswerkstatt, ich wuchte den noch feuchten Teppich zurück auf die Terrasse und verschwinde zum Aufräumen in den Keller!

10:52:36 Nachtrag: Irgendwelche dummdoofen Kommentare kann ich jetzt auch noch brauchen, wie Bauchweh!
13:29:34: Sorry – fremde Kommentare, die mit dem Beitrag nichts zu tun haben, schalte ich auch nicht frei, auch wenn sie noch so nett sind!