Alltag, Behinderung, Gedanken, Junioren

heute Abend

Wir gehen erst heute Abend auf ein klassisches Konzert, erst heute Abend – und ich bin jetzt schon völlig durch den Wind. Die Junioren sind gerade mal halbwegs angezogen. Aber was ziehe ich ihnen an? Ich kenne die Lokalität nur von Außen und ich weiß nicht, welcher Dresscode herrscht. Was ziehe ich selber an? Wahrscheinlich ist es völlig egal – Hauptsache sauber und nicht verkleidet. Ich freue mich. Carsten nur bedingt, weil ja heute Abend auch Fußball-EM ist. „Mama, das ist ganz schön doof!“ Wiebke freut sich auch: „Aber ich will nich so spät ins Bett!“ Carsten: „Hoffentlich ist dann kein Stau und die E. bringen wir nicht nach Hause, okay?“

Ihr könnt euch nicht vorstellen, dass mich die Kleiderfrage stresst. Das ist es auch nicht allein, denn dieser Sonntagabend ist anders, als normal. Wenn dann wieder die Verweigerungshaltung der Junioren einsetzt, so wie Freitag, dann habe ich der Helferin gegenüber ein schlechtes Gewissen. Denn, wenn die Junioren schlechte Laune haben, dann kann man strampeln, wie der Frosch in der Milch…

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Mit Geduld und Liebe – Achtsamkeit – gehen wir durch den Tag. Ich freue mich, endlich einmal wieder auszugehen.

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Alltag, Behinderung

zehn Minuten noch

„Mama, bitte noch 10 Minuten!“ Es ist kurz vor sieben Uhr und eigentlich sollte der Kerle baden. Ich lasse ihn liegen. So kann er noch etwas länger schlafen. Das bringt zwar meinen gesamten Ablauf durcheinander, schafft aber zufriedene Menschen. Währenddessen hat sich mein Töchting ihr T-Shirt ausgezogen und bibbert: „Das Fenster ist auf, es ist kalt!“ Ich trage sie ins warme Bad und setze sie aufs Klo. Heute scheint die Toilette gewachsen zu sein, denn sie fällt fast rein. Auch sitzt sie völlig schief, klagt über Hüftschmerzen und weint bitterlich, als ich sie korrigiere. Also schnell anziehen und auf den sicheren Rollstuhl setzen. – Zwischennotiz: es fällt mir gerade ein, dass ich beiden ihre THC-Tropfen nicht gegeben habe. – Als sie endlich auf dem Rolli saß, lachte sie auch schon wieder! 

Des Kerles 10 Minuten waren vorbei und ich schnappte ihn mir, um ihn anzuziehen und zu wickeln. „Och Mama, die Hose mag ich nicht. Gibts keine andre?“ Na klar gibts eine andere. Das war das Stichwort für Wiebke: „Mama guck mal, ich hab mich vollgeschmiert.“ Sehr genüsslich zeigt sie mir ihr verstecktes T-Shirt, das einen kleinen Kakaofleck hat. Ich zeige ihr den Vogel und ziehe den Hoodie runter.

Zum Frühstücken bleibt nicht viel Zeit, Kakao trinken und das Vesper einpacken. Der Kerle verirrt sich schon wieder in den Weiten des Weltalls und muss Galaxien retten. Das Töchting guckt aus dem Esszimmerfenster und beobachtet sehr genau, was und wer vorbeiläuft. Als der Werkstattbus endlich vor der Einfahrt steht und der Busfahren nicht sofort ins Haus kommt und stattdessen mit dem hilfsbereiten Nachbarn noch ein Schwätzchen hält, wird sie unruhig – es passt nicht in ihren Plan, dass J. nicht sofort zur Haustür kommt. Das bekommt er auch sofort zu hören! Er lacht es weg, der Mann ist einfach klasse. Aber dann muss noch das Bilderbuch mit und Carsten braucht ein bestimmtes Spielzeugauto und die Trinkflasche ist nicht bruchsicher verpackt und den Anorak will sie dann doch lieber daheim lassen …