Schlagwort: Behindertenarbeit

versetzt

Ich bin versetzt worden – nicht absichtlich – aber es macht etwas mit mir. 

Ich, die immer überpünktlich bin – Autisten haben diese Angewohnheit, erst wollte ich Macke schreiben, aber das ist negativ besetzt – war vorbereitet und ich habe mir die Zeit freigehalten. Wäsche zusammenlegen, dazu hatte ich, laut meinem inneren Plan, genug Zeit danach. 

Es kam aber die Frau nicht, die mir bei dem Blindenantrag für Carsten helfen wollte. Wäsche zusammenlegen konnte ich auch nicht, weil das meine Ordnung durcheinandergebracht hätte. Ein Anruf bei ihr landete auf dem Anrufbeantworter. Jetzt sitze ich hier, habe inzwischen mit der Wäsche begonnen, und warte auf den Rückruf ihrerseits. Ich kann nicht aus dem Haus, weil ich dann meinerseits nicht erreichbar wäre (meine ich). Mein ganzes Konzept stürzt zusammen. Mir geht es verdammt schlecht damit, weil ich nämlich so darauf gehofft habe, heute etwas abschließen zu können.

Außerdem, oder vielleicht deswegen, ist mein Kiefer total angespannt, das Provisorium in meinem Mund fühlt sich als Fremdkörper an – die Zahnbehandlung wird langwierig und teuer. Wenigstens den Junioren geht‘s prächtig. ❤️ 

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10:18 Uhr – es hat sich geklärt. Eine von uns – wer tut nicht zur Sache – hat den Tag verwechselt. Sie kommt morgen.

Power

Es war schwierig, eine Überschrift zu finden, denn ich möchte weder Mitleid noch Lob für mein Verhalten.

Der gestrige Tag war eine Herausforderung, schon im Vorfeld. Die Junioren waren angespannt, und wenn sie angespannt sind, reicht ein falsches Wort, um die Situation eskalieren zu lassen. Ich wäge jedes Wort dreimal ab, doch trotzdem tappe ich ins Fettnäpfchen. Das Töchting pinkelt in die Hose und ist peinlich berührt. Anstatt mich sie umziehen zu lassen, wehrt sie sich mit Händen und Füßen dagegen überhaupt hochgenommen zu werden. Ich muss meine gesamte Kraft aufbringen, um sie aufs Klo zu setzen.

Gleichzeitig wirft mir der Kerle vor, diktatorisch zu sein. Das schaukelt das Töchting hoch, und sie schreit noch mehr. Nebenbei läuft mir die Zeit davon. Wir müssen rechtzeitig los, und ich muss beide ins Auto setzen und die Rollstühle in den Kofferraum heben. Die dicken Winterjacken sind zwar sehr weich, aber dennoch unbequem und schränken die ohnehin schlechte Beweglichkeit noch weiter ein.

Wie soll ich das allein auf dem Friedhof schaffen? Wie komme ich mit zwei Rollstühlen zur Aussegnungshalle?

Wir haben es geschafft. Ein unbekanntes Pärchen hat mir geholfen, den Berg hochzuschieben, und Bekannte haben mir geholfen, wieder zum Auto zu kommen. Von den aufgeregten Junioren fiel der Druck ab, von mir noch lange nicht! Erst spät in der Nacht, als beide schon lange schliefen, kam ich zur Ruhe. Ich war ausgepowert!

Heute sind wir noch einmal unterwegs (auf Wunsch der Junioren) und fahren zum Spielnachmittag ins entfernte Dorf zu Freunden.

hat Spaß gemacht …

… auch andere Inklusionsband mal hören zu können. Ich darf keine Bilder zeigen – wegen Persönlichkeitsschutz – und die Junioren mögen auch nicht gezeigt werden. Aber geil war es. Eine Bombenstimmung.  Viel verschiedenes. Manche mit Bandklamotten: „Die will ich aber nicht haben! Uniformen sind blöd!“

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Falls ihr mal die Gelegenheit habt, Inklusionsband anzuhören, macht das. Und wenn die behinderten Musiker auch noch selbst spielen – und nicht nur so tun (Wiebke und Carstens Band tun nicht nur so), bei anderen Bands hatte ich so meine Zweifel – dann ist das ein echtes, authentischen, auch lautes, Musikvergnügen.

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