Gedicht

möchte

möchte nicht aufgeben
nur verzweifeln
will ich auch nicht
werde mich anstrengen
und kämpfen um mein Glück
will nicht verlieren
doch gewinnen auf Kosten andrer
geht nicht
wünsche mir inneren Frieden
werde gelassen Dinge angehen
die ich beeinflussen kann
erbitte mir Hilfe
will nicht hilflos dastehen
wenns nicht weitergeht
verlange von mir und den Anderen nichts
was nicht zu machen ist
erhoffe mir aber Verständnis
eine starke Hand
die mich hält und immer ein offenes Ohr
mir gefällt es nach vorne
zu schauen nicht zurück
denn Vergangenes soll Vergangenes sein

© petra ulbrich

Behinderung, Familie, Gedankenchaos, Junioren

Familie ist nichts für Feiglinge

ein Baby, in diesem Fall ich, im Abfalleimer.
ein Baby, in diesem Fall ich, im Abfalleimer.

 Familie bedeutet nicht nur die schönen Momente miteinander zu teilen. Familie bedeutet auch, sich gegenseitig auszuhalten, wenn das Leben anders verläuft als geplant. Wenn man zwei Kinder mit Behinderungen hat, verändert sich vieles. Der Alltag ist oft intensiver, die Sorgen sind größer und manche Herausforderungen kann man nur schwer erklären, wenn man sie nicht selbst erlebt. Manchmal verändert das auch Beziehungen innerhalb der eigenen Familie. Das kann unglaublich weh tun.

Vor allem dann, wenn man das Gefühl bekommt, nicht mehr richtig dazuzugehören. Wenn Begegnungen seltener werden, Gespräche schwieriger oder man sich fragt, ob das eigene Leben für andere vielleicht zu kompliziert geworden ist. Ich glaube aber auch, dass Ausgrenzung nicht immer aus Ablehnung entsteht. Manchmal steckt Unsicherheit dahinter. Überforderung. Hilflosigkeit. Vielleicht auch die Angst, etwas Falsches zu sagen oder nicht zu wissen, wie man mit einer Situation umgehen soll. Und manchmal entfernen sich Menschen voneinander, ohne dass einer von beiden das wirklich beabsichtigt. Dennoch tut es weh. Denn gerade wenn das eigene Leben viele Herausforderungen mit sich bringt, wünscht man sich von der Familie vor allem eines: Verständnis. Nicht unbedingt Lösungen. Nicht perfekte Worte. Einfach das Gefühl: „Wir gehören zusammen, auch wenn unser Leben manchmal schwierig ist.“ Ich wünsche mir, dass wir als Familien mehr miteinander reden. Dass wir uns trauen zu sagen, wenn wir verletzt sind. Dass wir auch die Perspektive des anderen hören. Dass wir nicht sofort urteilen, sondern versuchen zu verstehen.

Vielleicht müssen wir alle manchmal einen Schritt aufeinander zugehen. Vielleicht müssen wir lernen, dass niemand alles richtig machen kann. Nicht ich, die jeden Tag ihr Bestes gibt. Und auch nicht die Angehörigen, die manchmal nicht wissen, wie sie helfen können. Familie bedeutet für mich nicht, dass immer alles harmonisch sein muss. Familie bedeutet, dass man trotz aller Unterschiede versucht, miteinander verbunden zu bleiben. Dass man Fehler verzeihen kann. Dass man Fragen stellen darf. Dass man lernen darf. Und dass man sich vielleicht irgendwann wieder begegnet – nicht mit Vorwürfen, sondern mit dem Wunsch, einander besser zu verstehen.

Denn hinter jeder Familie stehen Menschen mit ihren eigenen Ängsten, Grenzen und Geschichten. Und vielleicht ist genau das die Stärke von Familie: Nicht, dass niemand jemals verletzt wird. Sondern dass man trotz Verletzungen immer wieder versucht, aufeinander zuzugehen. Ich wünsche mir, dass meine Kinder erleben dürfen, dass Familie ein Ort sein kann, an dem man nicht perfekt sein muss. Ein Ort, an dem Anderssein selbstverständlich sein darf. Ein Ort, an dem man nicht erklären muss, warum das eigene Leben anders ist. Und vielleicht beginnt Versöhnung manchmal mit einem ganz einfachen Satz: „Lass uns noch einmal miteinander reden.“

Denn Familie ist nichts für Feiglinge. Aber vielleicht ist sie genau deshalb etwas, für das es sich lohnt, mutig zu bleiben.

Behinderung, Gedankenchaos

Steine wegräumen

Kann mir mal bitte jemand die Steine wegräumen?

Nein, muss ich wohl schon selber machen. Wiebke sagte letztens: „Die Steine sehen schön aus!“ Ja, das tun sie und ich kann mich erinnern, dass mein Vater extra, als er unseren Familiengarten angelegt hat, große Findlinge (wirklich große) zusammengesucht hat und schön drapiert hat. Ich habe die Möglichkeit hier nicht, denn hier in der Gegend gibts nur Feldsteine und bescheuerte Steinvorgärten.  Aus diesen wird jegliches Grün entfernt. Möglichst steril und Bienenunfreundlich. Sowieso sind die Bienen manchen Nachbarn suspekt. Er wedelt mit den Händen sobald er nur ein kleines Fliegetier sieht. Steine hat er dennoch nicht im Garten – nur englischen Rasen!

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weiter gehts …