Bücher, Kuddelmuddel

Blind Date

 

Blind Date mit einem Buch! Das hatte ich noch nie und ich war aufgeregt. Anhand der kurzen Beschreibung konnte ich mir gar nichts vorstellen, ich wollte nur nichts Langatmiges lesen, keine Bandwurmsätze und nichts irgendwie Beschwerliches. 

Wir warten alle darauf, gefunden zu werden …

Auch Anthony Peardew, der auf seinen Streifzügen durch die Stadt Verlorenes aufsammelt. Jeden Gegenstand bewahrt er sorgfältig zu Hause auf. Er hofft, so ein vor langer Zeit gegebenes Versprechen einlösen zu können. Doch ihm läuft die Zeit davon. Laura übernimmt sein Erbe, ohne zu ahnen, auf welch große Aufgabe sie sich einlässt. Überrascht erkennt sie, welche Welt sich ihr in Anthonys Haus eröffnet.

Ein Roman über verlorene Dinge und zweite Chancen. Über einzelne Handschuhe, schönes Teegeschirr, begabte Nachbarinnen, unerwartete Freundschaften und zeitlose Liebe.

“Und so fing ich mit meiner Sammlung verlorener Dinge an. Vielleicht dachte ich, wenn ich jeden verlorenen Gegenstand rettete, den ich fand, würde jemand das Einzige auf der ganzen Welt retten, an dem mir wirklich etwas lag, und ich würde es eines Tages zurückbekommen, um mein gebrochenes Versprechen doch noch einzulösen.” Anthony Peardew

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Nett, locker zu lesen und gerade so dick, dass ich das Buch auf der Rückreise aus Hamburg im Zug lesen konnte. Liebevoll geschrieben und skurril. Dennoch werde ich das Buch zwar nicht verlieren, aber aussetzen – im Bücherschrank der Nachbargemeinde, denn leider haben wir hier im Dorf noch keinen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Behinderung, Bücher, Familie, Gedanken, Kuddelmuddel

Überraschung im August

Eigentlich ist das heute ein Schiettag! Denn, ich fahre nicht, wie geplant, in 3 Wochen zur Kur. Die Kurzzeitunterbringung der Junioren findet nämlich nicht statt. Irgendwas ist schiefgelaufen. Möglicherweise sogar mein Fehler, weil ich mich auf Zusagen verlassen habe und diese nicht nachgeprüft habe. Dumm gelaufen. Es gibt in der Zeit, in der ich zur Kur fahren will, nirgends 2 Kurzzeitplätze für meine Kinder. Eventuell im Altersheim – aber das kommt nicht in die Tüte. Den Schreier heute Morgen hättet ihr nicht hören wollen und die zuständige Krankenkassenangestellte hat leider einiges hören müssen. Kismet, keine Kur, keine Kurzzeitunterbringung, keine Erholung.

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Dafür Post. Schöne Post. Aber auch eine offizielle Zustellung vom Amtsgericht – damit befasse ich mich später, hat irgendwas mit einem Baum zu tun, der auf dem elterlichen Grundstück steht und den eine Nachbarin gefällt haben möchte…

Die bunten Karten kommen von einer Hochebene hier im Ländle. Dieser netten Schreiberin kann ich antworten und ich werde ihr auch schreiben, dass ich mich sehr gefreut habe. So sehr, dass ich versuche, ihre Telefonnummer herauszubekommen. Und dann war da noch das Buch! Lebe, lache, liebe und sag den Sorgen Gute Nacht! Kein Absender. Kein handschriftlicher Hinweis. Kein Zettel mit einer Nachricht. Geld war in dem Buch noch drin. – Aber von wem ist diese Buchüberraschung? Ein Seelenbuch! Ich möchte Danke sagen für das Seelenbuch! Bitte melde dich! Wer hat mir das himmelblaue Tröstebuch geschenkt?

Leute, ich bin überwältigt. Wirklich! Dieser Zeitungsartikel, den Mut dieses Interview zu geben, hat einiges in Gang gebracht. Ich bin insgesamt mutiger geworden, habe mir etwas zugetraut, habe Menschen vertraut, habe mich auf Abenteuer eingelassen …

Mittags war ich gleich noch bei der Krankenkasse und habe einen neuen Kurantrag ausgefüllt. Noch vor einiger Zeit hätte ich den Kopf mindestens für 8 Wochen in den Sand gesteckt. Nebenbei habe ich gesehen, dass es bald in Heilbronn einen Unverpackt-Laden gibt, hab’ mir endlich eine gescheite Handcreme gekauft – weil mir in Hamburg ein leicht dicklicher Mann mit Bart und kurzen Hosen in der S-Bahn erklärt hat, dass ich meine Nägel völlig falsch pflege. Rafael, man sah es ihm nicht an, war Naturwissenschaftler und hatte außer den Tipp mit der Fingerpflege noch so einiges auf dem Petto. Das Gespräch habe ich genossen, auch wenn der Typ nicht mein Typ war, so haben wir uns doch wundervoll intelligent unterhalten. Und, mir soll niemand sagen, dass man im öffentlichen Verkehr nicht ins Gespräch kommt. Ein Rollifahrer schimpfte mit seinem Begleiter. Na ja, eher frotzelten sie miteinander. Das fand ich toll! Ich habe mich einfach eingemischt und mit gequatscht und die Frau dann später neben mir auch. Dabei habe ich mich verfahren – aber das war’s mir wert.

… übrigens habe ich in der Zeit in Hamburg und Umgebung keine 10 Fotos gemacht. Ich habe geguckt und alles in mich aufgesogen – hoffentlich zehre ich noch lange davon!

… und jetzt könnt ihr wieder Kuddelmuddelgedankenkarrussel dazu sagen. Ist es ja auch, stimmt ja!

Behinderung, Bücher, Gedanken, Kuddelmuddel

Lesenachschub

… und Stadtgang mit zwei Rollstühlen!

Oder, Versprechen muss man einhalten!

Wiebke wollte sich vom Taschengeld einen neuen Schlumpf kaufen und Carsten brauchte dringend für seinen Trecker einen Gülleanhänger. Den, für Gülle haben wir nicht bekommen. Der Kerle ist flexibel – ein Saatgutanhänger tut es auch!

Ich hatte den beiden Herrschaften versprochen mit ihnen in die Stadt zu gehen. Nur hatte leider keiner der wenigen Helfer Zeit oder Lust das mit uns zu machen. So sind wir einfach alleine los. Wenn man will, geht alles – langsamer und ruhiger. Anstrengender für mich, aber das will ich den Junioren nicht zeigen. Wir haben Spaß in der Stadt, wir hatten auch heute unseren Spaß. Ein kleiner Junge hat laut gelacht, als er Carsten sah. Die Mutter zog ihren Sohn an sich und ich habe mich für sie geschämt. Diese Chance, denn Carsten hat fröhlich gewunken und ich wollte gerade das Kind bitten, sich doch mit uns zu unterhalten – so eine Chance kommt so schnell nicht wieder und der etwa 5jährige hätte sicherlich keinen Knacks bekommen, wenn er mit Carsten gesprochen hätte. Viel Konjunktiv, ich weiß…

Aber uns wurden auch die Türen aufgehalten und es gab mindestens 10mal mehr lächelnde, als blöd schauende Menschen. Ganz besonders möchte ich dem jungen Buchhändler für seine Geduld danken, er hat das richtige Buch für den Kerle gefunden. Und ich, ich hab auch was für meinen Stapel.

So war der Stadtgang ein voller Erfolg – nur Milch, Brot, Butter und Gemüse habe ich immer noch nicht.