Schlagwort: Lebensqualität

Nase juckt

Meine Nase juckt. „Entweder gibt es Geld oder Ärger.“, sagte meine Oma und meine Oma hatte immer recht. Ich meine allerdings, dass meine schnupfengeplagte Nase endlich heilt – dank einer bekannten Heilsalbe und Antihistaminika. Es ist schön, wenn’s draußen grünt und blüht. Ich mag besonders diesen Frühling sehen, die tausend verschiedenen Grüntöne faszinieren. Hier und dort ein Farbtupfer in allen Gottesfarben. Die Wildkräuter sprießen. 

Wiebke bekommt zwei Hochbeete mit Tomaten und Erdbeeren und noch ne Menge anderes Zeug – ich muss zur Balkongärtnerin mutieren. Aber was tut man nicht alles für das Seelenheil der Kinder?

So, Nase putzen, eincremen und auf in den Tag. 

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10:54 Uhr – “Sie sind so mutig und durchorganisiert, ich bewundere Sie.“, sagt die Frau von der Telefonseelsorge, die ich aus lauter Verzweiflung angerufen habe, weil mich gerade eine Panikwelle überrollt hat. Der Junioren ihre Ersatzbrillen sind nirgends zu finden, die Milch für die Ovomaltine ist sauer und meine juckende Nase ist krebsrot. Ja, ich bin mutig, diszipliniert und straff durchorganisiert und ich trage alle Verantwortung selbst – dabei möchte ich mich gerne einmal fallen lassen! Geht aus den verschiedensten Gründen nicht – so, jetzt: 👑aufstehen, Krönchen richten und weitermachen.

versetzt

Ich bin versetzt worden – nicht absichtlich – aber es macht etwas mit mir. 

Ich, die immer überpünktlich bin – Autisten haben diese Angewohnheit, erst wollte ich Macke schreiben, aber das ist negativ besetzt – war vorbereitet und ich habe mir die Zeit freigehalten. Wäsche zusammenlegen, dazu hatte ich, laut meinem inneren Plan, genug Zeit danach. 

Es kam aber die Frau nicht, die mir bei dem Blindenantrag für Carsten helfen wollte. Wäsche zusammenlegen konnte ich auch nicht, weil das meine Ordnung durcheinandergebracht hätte. Ein Anruf bei ihr landete auf dem Anrufbeantworter. Jetzt sitze ich hier, habe inzwischen mit der Wäsche begonnen, und warte auf den Rückruf ihrerseits. Ich kann nicht aus dem Haus, weil ich dann meinerseits nicht erreichbar wäre (meine ich). Mein ganzes Konzept stürzt zusammen. Mir geht es verdammt schlecht damit, weil ich nämlich so darauf gehofft habe, heute etwas abschließen zu können.

Außerdem, oder vielleicht deswegen, ist mein Kiefer total angespannt, das Provisorium in meinem Mund fühlt sich als Fremdkörper an – die Zahnbehandlung wird langwierig und teuer. Wenigstens den Junioren geht‘s prächtig. ❤️ 

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10:18 Uhr – es hat sich geklärt. Eine von uns – wer tut nicht zur Sache – hat den Tag verwechselt. Sie kommt morgen.

Power

Es war schwierig, eine Überschrift zu finden, denn ich möchte weder Mitleid noch Lob für mein Verhalten.

Der gestrige Tag war eine Herausforderung, schon im Vorfeld. Die Junioren waren angespannt, und wenn sie angespannt sind, reicht ein falsches Wort, um die Situation eskalieren zu lassen. Ich wäge jedes Wort dreimal ab, doch trotzdem tappe ich ins Fettnäpfchen. Das Töchting pinkelt in die Hose und ist peinlich berührt. Anstatt mich sie umziehen zu lassen, wehrt sie sich mit Händen und Füßen dagegen überhaupt hochgenommen zu werden. Ich muss meine gesamte Kraft aufbringen, um sie aufs Klo zu setzen.

Gleichzeitig wirft mir der Kerle vor, diktatorisch zu sein. Das schaukelt das Töchting hoch, und sie schreit noch mehr. Nebenbei läuft mir die Zeit davon. Wir müssen rechtzeitig los, und ich muss beide ins Auto setzen und die Rollstühle in den Kofferraum heben. Die dicken Winterjacken sind zwar sehr weich, aber dennoch unbequem und schränken die ohnehin schlechte Beweglichkeit noch weiter ein.

Wie soll ich das allein auf dem Friedhof schaffen? Wie komme ich mit zwei Rollstühlen zur Aussegnungshalle?

Wir haben es geschafft. Ein unbekanntes Pärchen hat mir geholfen, den Berg hochzuschieben, und Bekannte haben mir geholfen, wieder zum Auto zu kommen. Von den aufgeregten Junioren fiel der Druck ab, von mir noch lange nicht! Erst spät in der Nacht, als beide schon lange schliefen, kam ich zur Ruhe. Ich war ausgepowert!

Heute sind wir noch einmal unterwegs (auf Wunsch der Junioren) und fahren zum Spielnachmittag ins entfernte Dorf zu Freunden.

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