Gedicht

der Himmel

Dunkle Wolken fliegen
Weit übers Ziel hinaus
Verstecken unser Land
Und auch das Haus

Nichts steht mehr wo es stand
Himmel ist so weit
Die Wolken ziehen
Sonne kommt raus

© petra ulbrich

Alltag

Nase juckt

Meine Nase juckt. „Entweder gibt es Geld oder Ärger.“, sagte meine Oma und meine Oma hatte immer recht. Ich meine allerdings, dass meine schnupfengeplagte Nase endlich heilt – dank einer bekannten Heilsalbe und Antihistaminika. Es ist schön, wenn’s draußen grünt und blüht. Ich mag besonders diesen Frühling sehen, die tausend verschiedenen Grüntöne faszinieren. Hier und dort ein Farbtupfer in allen Gottesfarben. Die Wildkräuter sprießen. 

Wiebke bekommt zwei Hochbeete mit Tomaten und Erdbeeren und noch ne Menge anderes Zeug – ich muss zur Balkongärtnerin mutieren. Aber was tut man nicht alles für das Seelenheil der Kinder?

So, Nase putzen, eincremen und auf in den Tag. 

∙∙∙∙∙

10:54 Uhr – “Sie sind so mutig und durchorganisiert, ich bewundere Sie.“, sagt die Frau von der Telefonseelsorge, die ich aus lauter Verzweiflung angerufen habe, weil mich gerade eine Panikwelle überrollt hat. Der Junioren ihre Ersatzbrillen sind nirgends zu finden, die Milch für die Ovomaltine ist sauer und meine juckende Nase ist krebsrot. Ja, ich bin mutig, diszipliniert und straff durchorganisiert und ich trage alle Verantwortung selbst – dabei möchte ich mich gerne einmal fallen lassen! Geht aus den verschiedensten Gründen nicht – so, jetzt: 👑aufstehen, Krönchen richten und weitermachen.

Gedankenchaos

versetzt

Ich bin versetzt worden – nicht absichtlich – aber es macht etwas mit mir. 

Ich, die immer überpünktlich bin – Autisten haben diese Angewohnheit, erst wollte ich Macke schreiben, aber das ist negativ besetzt – war vorbereitet und ich habe mir die Zeit freigehalten. Wäsche zusammenlegen, dazu hatte ich, laut meinem inneren Plan, genug Zeit danach. 

Es kam aber die Frau nicht, die mir bei dem Blindenantrag für Carsten helfen wollte. Wäsche zusammenlegen konnte ich auch nicht, weil das meine Ordnung durcheinandergebracht hätte. Ein Anruf bei ihr landete auf dem Anrufbeantworter. Jetzt sitze ich hier, habe inzwischen mit der Wäsche begonnen, und warte auf den Rückruf ihrerseits. Ich kann nicht aus dem Haus, weil ich dann meinerseits nicht erreichbar wäre (meine ich). Mein ganzes Konzept stürzt zusammen. Mir geht es verdammt schlecht damit, weil ich nämlich so darauf gehofft habe, heute etwas abschließen zu können.

Außerdem, oder vielleicht deswegen, ist mein Kiefer total angespannt, das Provisorium in meinem Mund fühlt sich als Fremdkörper an – die Zahnbehandlung wird langwierig und teuer. Wenigstens den Junioren geht‘s prächtig. ❤️ 

∙∙∙∙∙

10:18 Uhr – es hat sich geklärt. Eine von uns – wer tut nicht zur Sache – hat den Tag verwechselt. Sie kommt morgen.