Gedicht

Gefühle

Seid wütend
aber geht nicht daran kaputt

Seid traurig
aber versinkt nicht in ihr

Habt Angst
aber achtet sie auch

Seid verzweifelt
aber voller Zuversicht

Seid hoffnungsvoll
jeden Morgen

seid mutig
euer Leben zu leben

– ihr habt nur eins

© petra ulbrich

Behinderung, Gedanken

jetzt erst recht

Jetzt werden wir uns erst recht zeigen, noch mehr auffallen, präsenter sein in der Öffentlichkeit und den Neidern – ja, es gibt tatsächlich Neider auf die Privilegien, die die behinderten Junioren haben, und sei es nur kostenlos im öffentlichen Nahverkehr fahren zu können, wenn wir es denn könnten und in den Bus kämen – wir werden den Neidern keine Angriffspunkte liefern und wir werden uns nicht verstecken.

Ich kenne doch tatsächlich Angehörige von behinderten Menschen die rechts – ganz weit rechts – gewählt haben. Wissen diese nicht, dass die AfD Behinderte ausgrenzt, ja wieder weg haben möchte aus der Öffentlichkeit.  Mir ist übel, ich habe Angst! Meine Angst darf ich nicht zeigen, darf sie den Junioren nicht offenbaren und mache mir und ihnen dabei so viel vor. Natürlich merken sie, dass etwas nicht stimmt, dass ich angespannt bin und dass sich gesellschaftlich einiges geändert hat. Das liegt nicht nur daran, dass Freizeitbegleiter*innen fehlen! Auch. Aber warum fehlen sie? Wie oft seht ihr behinderte Menschen im alltäglichen Leben?

∙∙∙∙∙

Drückt mir die Daumen, dass ich gleich die Kraft finde mit den Beiden durchs Dorf zu gehen, um ein Eis im Café kaufen zu können. Heute bin ich noch ziemlich derangiert – meine Schulter muckt …

 

Behinderung, Gedanken

andere Leute haben das auch

Es tröstet mich: andere Leute haben auch Angst! Es gibt sogar welche, die wie ich jeden Morgen mit Bauchbrummeln aufwachen. Das sind Menschen, die mitten im Leben stehen – ich bräuchte mir also über ein Alleinstellungsmerkmal keine Gedanken machen, sagt mir eine Psychologin, das wäre gar nicht so selten. Ich solle bloß versuchen, mich nicht von der Angst vereinnahmen zu lassen. Das schaffe ich an manchen Tagen schon gut. Es ist auch (für mich) hilfreich zu benennen aus was die Angst besteht. Dann kann ich sie nämlich zerpflücken. Nicht immer gelingt mir das. Heute vielleicht. 

Hier ist Gruselwetter. Gestern Sommer und nun grau und gleich wird‘s regnen. Die Junioren sollen noch schlafen – Carsten pennt, nur Wiebke kann nicht weiterschlafen weil ‚ihre Augen auf sind und mit offenen Augen kann man doch nicht schlafen, da sieht man doch so viel!‘ Als ich ihr sagte: „Mach die Augen einfach zu!“ „Geht nicht, die gehen immer wieder auf!“ Hoffentlich hält sie das Schlagerkonzert am Abend durch, zum vorschlafen kann ich sie nicht zwingen. Auch so etwas mach mir Angst, ich würde sie so gerne beschützen, kann es nicht und das bedrückt mich dann doch. Gebt mir jetzt bitte keine Ratschläge, wie den im anonymen Kommentar, dass auch nichtbehinderte Menschen einmal Langeweile haben. Interpretation von mir: dass sie ihre eigenen Erfahrungen machen. Ich will jetzt nicht mit Ableismus kommen. Versteckt war es das dennoch.