Behinderung, Familie, Gedanken, Kuddelmuddel

dennoch schön

Das Leben ist schön, auch mit Husten, gebrochenen Zehen, Bauchschmerzen und Wutausbrüchen. Denn, wenn alles immer nur FriedeFreudeEierkuchen ist, dann wäre es langweilig. Sicher, ich könnte momentan auf den einen oder anderen Huster verzichten. Erstens ist es schmerzhaft und zweitens ist es laut und auffallend und das tun wir sowieso – nicht immer ist das schön. 

Das Leben ist schön, wenn Wiebke ihre Lieder singt. Winnewinnewippa und andere Fantasieworte. Das Leben ist schön, wenn sie klammheimliche aus dem Kühlschrank einen Schokoladenpudding klaut und dann mit braunem Schnütchen und Grinsen im Gesicht stolz erklärt, dass sie schon Mittag gegessen hat! Das Leben ist auch schön, wenn die Sonne scheint und wir spazieren können.

Das Leben ist schön, wenn Carsten ohne zu murren zwei Astronautennahrungen am Tag trinkt – zwar immer noch viel zu wenig, denn der Kerle müsste 900 kcal zu sich nehmen und das schafft er an manchen  den meisten Tagen nicht. Das Leben ist schön, wenn er andächtig zuhört, wenn ich vorlese oder wenn wir zusammen MenschÄrgereDichNicht spielen und Carsten vor lauter Freude über seinen zweiten Platz übers ganze Geschicht strahlt. 

Das Leben ist schön, wenn ich nichts erwarte und positiv überrascht werde und das Leben ist schön, wenn denn endlich mein Festnetztelefon richtig funktionieren würde …

Behinderung, Familie, Kuddelmuddel

Empfindsamkeiten


Zwiegespräch

Kopf – was ist los?
Herz – keine Ahnung.
Kopf – ein Tief?
Herz – ja, vielleicht. einfach traurig, irgendwie.
Kopf – hm.
Herz – allein.

Kopf – du.
Herz – ja?
Kopf – weißt du was ich denke?
Herz – hm?
Kopf – du weißt es also?
Herz – …ich will es aber nicht hören.

© petra ulbrich

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Mein großer Weihnachtswunsch wird sich nicht erfüllen. Am besten ist es sowieso, dass ich mich ins hinterste Eck verziehe, dann rassele ich mit niemanden zusammen. Störe auch keinen mit meinem Husten und am g’scheitesten ist es, ich gucke Richtung Ecke, dann sehe ich weder die mitleidvollen Blicke, noch die, die mir vorwerfen mit dem Husten doch lieber Daheim geblieben zu sein. Wenn, dann jemand Wiebke einfach rückwärts zieht und Carsten auf die Seite schiebt, ohne mit ihnen geredet oder auch nur Blickkontakt aufgebaut hat, dann werde ich böse. Diese Menschen wollen auch nicht einfach völlig unvermittelt durch die Gegend geschoben werden. Wenn ich dann noch höre, wir sollten uns nicht so anstellen, dann platzt mir der Kragen. Wenn es dann auch noch Menschen sind, die die Junioren kennen, dann kann ich auch schon mal anfangen im öffentlichen Raum zu weinen. Ich finde es unverschämt, wie mit behinderten Menschen umgegangen wird. Nicht, dass generell über deren Köpfe hinaus über sie gesprochen wird – nein, jetzt werden sie auch noch wie Möbelstücke durch  den Raum gerollt – bei einer kirchlichen Veranstaltung!

Sicher, ich bin seit Wochen krank und jetzt so langsam am Ende meiner Belastbarkeit angekommen. Immer noch gibt es keine Hilfe! Inzwischen bin ich körperlich sehr krank, habe ca fünf Kilo abgenommen und was ein fester Stand ist, weiß ich nicht mehr. Ich packe das! Wir packen das! Aber was ich gar nicht gebrauchen kann ist, wenn mir auch noch zusätzlich Knüppel zwischen die Beine geworfen werden …