SOPH-Syndrom – Überblick

Das SOPH-Syndrom (Short stature, Optic atrophy, Pelger-Huët anomaly syndrome) ist eine extrem seltene, autosomal-rezessiv vererbte genetische Erkrankung. Weltweit wurden bislang nur etwas über 100 Betroffene beschrieben. Die Erkrankung wurde zunächst vor allem bei der jakutischen Bevölkerung in Sibirien entdeckt, später aber auch in anderen ethnischen Gruppen nachgewiesen. 

Ursache

Die Erkrankung wird durch krankheitsverursachende Varianten (Mutationen) im NBAS-Gen verursacht.

Das NBAS-Protein spielt eine wichtige Rolle:

  • beim intrazellulären Proteintransport (Golgi-Apparat ↔ endoplasmatisches Retikulum),
  • bei der normalen Embryonalentwicklung,
  • und für die Funktion verschiedener Organe.

Je nach Art der Mutation können unterschiedliche Krankheitsbilder entstehen – vom isolierten wiederkehrenden Leberversagen bis zum vollständigen SOPH-Syndrom. 

Typische Symptome

Die wichtigsten Merkmale sind:

  • ausgeprägter Kleinwuchs nach der Geburt
  • Optikusatrophie (Schädigung des Sehnervs)
    • verminderte Sehschärfe
    • gestörtes Farbsehen
  • Pelger-Huët-Anomalie
    • harmlose Formveränderung bestimmter weißer Blutkörperchen
    • dient als diagnostischer Hinweis
  • kurze Arme und Beine
  • kleine Hände und Füße
  • verzögerte Knochenentwicklung
  • charakteristische Gesichtsmerkmale
  • schlaffe bzw. wenig gespannte Haut

Die Intelligenz ist bei klassischen Fällen häufig normal, allerdings zeigen neuere Berichte, dass der Verlauf und die Ausprägung zwischen Betroffenen deutlich variieren können. 

Mögliche Komplikationen

Ein Teil der Patienten entwickelt zusätzlich:

  • fieberbedingte Episoden von akutem Leberversagen
  • erhöhte Leberwerte
  • verminderte Immunfunktion
  • Osteoporose bzw. erhöhte Knochenbrüchigkeit

Diese Komplikationen können lebensbedrohlich sein und erfordern eine engmaschige medizinische Betreuung. 

Diagnose

Die Diagnose erfolgt durch:

  • klinische Untersuchung
  • augenärztliche Untersuchung
  • Blutbild (Nachweis der Pelger-Huët-Anomalie)
  • Röntgen zur Beurteilung der Knochenentwicklung
  • molekulargenetische Untersuchung des NBAS-Gens (entscheidend zur Bestätigung). 

Behandlung

Eine ursächliche Heilung gibt es derzeit nicht.

Die Behandlung richtet sich nach den Beschwerden:

  • augenärztliche Betreuung
  • Wachstum und Entwicklung überwachen
  • Physiotherapie bei Bedarf
  • regelmäßige Kontrolle der Leberfunktion
  • konsequente Behandlung von Fieber, um Leberkomplikationen möglichst vorzubeugen
  • genetische Beratung der Familie. 

Prognose

Die Prognose hängt stark von der Art der NBAS-Mutation und vom Schweregrad der Organbeteiligung ab.

  • Patienten ohne schwere Leberkomplikationen können bis ins Erwachsenenalter leben.
  • Bei schweren Verlaufsformen mit wiederholtem Leberversagen besteht ein deutlich höheres Risiko für lebensbedrohliche Komplikationen.