Behinderung

Applaus

So gut es geht, so gut ich kann. Ich möchte keinen Applaus dafür, dass ich mit meiner Behinderung mein Leben lebe. Aber Verständnis dafür, dass es für viele Menschen (und deren Angehörige) mit Behinderung ein Kraftakt ist, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, ist durchaus angebracht. Und das leider liegt in erster Linie an den vielen Barrieren, die uns Menschen mit Behinderung in den Weg gelegt werden. | Raúl Krauthausen

Ich kann das voll und ganz unterschreiben und Versuch ja auch hier im Blog aufzuzeigen, welche Steine ich tagtäglich wegräumen muss. Ein bisschen Anerkennung – und nicht nur nicken, was im übrigen ja nicht gesehen werden kann – ein bisschen Zusprache und vor allem Hilfe, in dem Sinne, dass nicht noch mehr Steine,  Hindernisse etc. in den Weg geworfen werden, stattdessen Menschen, die die Steine sehen, diese wegräumen, das täte allen behinderten Menschen gut.

Behinderung, Kuddelmuddel

Managerin

Leider bin ich keine, müsste aber eine sein, bei dem Kuddelmuddel hier vor Ort!

  • Uniklinik Tübingen hat eine Privatrechnung geschickt.
  • Krankenkassenmitarbeiterin – inzwischen eine sehr verständnisvolle – schickt laufend Mails wegen der Inkontinenzversorgung vom Kerle. Nach langem Hin- und Her sind wir auf einem guten Weg. Der Medizinische Dienst muss nun entscheiden. Der tut das leider meist nach Aktenlage, ohne den Patienten überhaupt gesehen zu haben.
  • Das Vormundschaft Betreungsgericht fordert den jährlichen Bericht ein, dass meine Junioren immer noch nicht selbstständig leben können und nicht über ihre Finanzen eigenständig verfügen können.
  • Vierteljährlich wird geprüft, ob ich meine Junioren auch gut versorge.
  • Assistenzkräfte gibt es immer noch nicht ausreichende.
  • Mein Bauch brummelt und der Hausarzt sagt, dass das psychosomatisch ist, weil nämlich kein Medikament wirkt. Inzwischen nehme ich ein Psychopharmakon, das Heißhungerattacken hervorruft – sehr kontraproduktiv zu meinen Magenschmerzen.
  • Bandprobe fällt kurzfristig aus.
  • Werkstattangehörigenfest ist morgen – ein Kuchen muss ich backen.
  • Nächste Woche ist Tag der offenen Tür in der Lebenswerkstatt und sie möchten doch bitte gerne auch einen Kuchen.
  • Carstens Astronautenkost ist zur Zeit nicht lieferbar! 

…und das normale Leben geht nebenbei auch weiter. Der Garten, den ich nicht liebe, das bisschen Haushalt, die tägliche Waschmaschinenladung, Betten ab- und wieder beziehen, Köstlichkeiten des täglichen Bedarfs einkaufen …

  • Vergessen hab ich Wiebkes Rollstuhl, dessen Sitzschale nicht mehr passt. Mein Töchting sitzt nicht sehr aktiv und fällt fast raus.
Junioren, Kuddelmuddel

Du Mama

Heute habe ich neunundsiebzig Stück gemacht!
Was hast du gemacht?
Carsten guckt mich an, als ob ich mich absichtlich blöd stelle: Neunundsiebzig Ablassschrauben!
Aha, ist das viel? – Jetzt stelle ich mich wirklich absichtlich blöd an, weil ich nämlich weiß, dass das relativ wenig ist.
Ach Mama, ich hab doch bloß ganz kurze Zeit gearbeitet.
Aus dem Töchtingzimmer kommt ein ziemlich frecher Ton angeflogen: Und ich hab gar nichts gemacht!