Familie

gleichzeitig im Leben

Regenbogen

Das Leben ist manchmal schon ein verrückter Gemischtwarenladen. Trauer, Sonnenschein, Sehnsucht, Chaos und mittendrin bitte noch gute Laune.

Heute wird ein wunderschöner Spätsommertag. Perfektes Wetter für einen Ausflug mit MamS und unseren Junioren. – Raus, los, irgendwohin, Spaß haben, gemeinsam lachen. Ja, und dann die Erkenntnis: Ach ja … du bist nicht mehr da. Scheiße! Ich hätte dich heute verdammt gerne dabei. Nicht nur weil du beim anziehen und versorgen hilfst! Alleine motivieren, anziehen, versorgen, organisieren und dabei selbst nicht völlig den Überblick zu verlieren, das kostet enormes Improvisationstalent.

Du fehlst mir vor allem als Lieblingsmensch. Als Gesprächspartner, dem ich alles erzählen konnte. Du fehlst, als Kummerkasten und Partner beim Quatschmachen und lachen. Und natürlich fehlst du mir als der Mensch, an den ich mich einfach kuscheln konnte. Du fehlst. Jeden Tag.

Wir werden heute einen wunderschönen Tag haben, obwohl du fehlst. Wir sind zu einem Fest eingeladen und werden feiern.

Das Leben fragt nicht, ob es gerade passt. Wir leben!

Gedankenchaos, Kuddelmuddel

Wer bin ich?

Eine Frau,
– die auf einem anderen Weg ist als früher.
– die es nicht mehr jedem recht zu machen versucht.
– die ihren eigenen Willen hat und ihn auch äußert.
– die anderen gerne hilft, aber auch immer öfter nein sagen will.

Aber auch eine Frau,
– die zweifelt.
– die immer wieder in alte Strukturen verfällt.
– die oft zu viel auf einmal will.
– die immer noch lernen muss, geduldig zu sein – mit sich – und anderen.

Wo komme ich her?
Manchmal denke ich, aus einem schlechten Traum; als den ich meine ältere Vergangenheit bezeichnen möchte.

Wo will ich hin?
Ich möchte zu den Sternen – ein zugegebenermaßen großer, noch unerfüllbarer Wunsch – fehlt mir doch das nötige Kleingeld, um eine Raumfahrt privat zu finanzieren.

Wie wäre es mit kleinen Sternen?
Meine Sterne sind meine kleinen Ziele, die zu erreichen oft schwierig sind, aber ich behalte den Weg im Auge.

Einer meiner Grundsätze, nach dem ich mein neues Leben gestalte: Weil ich es mir wert bin!

 

 

 

Behinderung, Familie, Gedankenchaos, Junioren

Familie ist nichts für Feiglinge

ein Baby, in diesem Fall ich, im Abfalleimer.
ein Baby, in diesem Fall ich, im Abfalleimer.

 Familie bedeutet nicht nur die schönen Momente miteinander zu teilen. Familie bedeutet auch, sich gegenseitig auszuhalten, wenn das Leben anders verläuft als geplant. Wenn man zwei Kinder mit Behinderungen hat, verändert sich vieles. Der Alltag ist oft intensiver, die Sorgen sind größer und manche Herausforderungen kann man nur schwer erklären, wenn man sie nicht selbst erlebt. Manchmal verändert das auch Beziehungen innerhalb der eigenen Familie. Das kann unglaublich weh tun.

Vor allem dann, wenn man das Gefühl bekommt, nicht mehr richtig dazuzugehören. Wenn Begegnungen seltener werden, Gespräche schwieriger oder man sich fragt, ob das eigene Leben für andere vielleicht zu kompliziert geworden ist. Ich glaube aber auch, dass Ausgrenzung nicht immer aus Ablehnung entsteht. Manchmal steckt Unsicherheit dahinter. Überforderung. Hilflosigkeit. Vielleicht auch die Angst, etwas Falsches zu sagen oder nicht zu wissen, wie man mit einer Situation umgehen soll. Und manchmal entfernen sich Menschen voneinander, ohne dass einer von beiden das wirklich beabsichtigt. Dennoch tut es weh. Denn gerade wenn das eigene Leben viele Herausforderungen mit sich bringt, wünscht man sich von der Familie vor allem eines: Verständnis. Nicht unbedingt Lösungen. Nicht perfekte Worte. Einfach das Gefühl: „Wir gehören zusammen, auch wenn unser Leben manchmal schwierig ist.“ Ich wünsche mir, dass wir als Familien mehr miteinander reden. Dass wir uns trauen zu sagen, wenn wir verletzt sind. Dass wir auch die Perspektive des anderen hören. Dass wir nicht sofort urteilen, sondern versuchen zu verstehen.

Vielleicht müssen wir alle manchmal einen Schritt aufeinander zugehen. Vielleicht müssen wir lernen, dass niemand alles richtig machen kann. Nicht ich, die jeden Tag ihr Bestes gibt. Und auch nicht die Angehörigen, die manchmal nicht wissen, wie sie helfen können. Familie bedeutet für mich nicht, dass immer alles harmonisch sein muss. Familie bedeutet, dass man trotz aller Unterschiede versucht, miteinander verbunden zu bleiben. Dass man Fehler verzeihen kann. Dass man Fragen stellen darf. Dass man lernen darf. Und dass man sich vielleicht irgendwann wieder begegnet – nicht mit Vorwürfen, sondern mit dem Wunsch, einander besser zu verstehen.

Denn hinter jeder Familie stehen Menschen mit ihren eigenen Ängsten, Grenzen und Geschichten. Und vielleicht ist genau das die Stärke von Familie: Nicht, dass niemand jemals verletzt wird. Sondern dass man trotz Verletzungen immer wieder versucht, aufeinander zuzugehen. Ich wünsche mir, dass meine Kinder erleben dürfen, dass Familie ein Ort sein kann, an dem man nicht perfekt sein muss. Ein Ort, an dem Anderssein selbstverständlich sein darf. Ein Ort, an dem man nicht erklären muss, warum das eigene Leben anders ist. Und vielleicht beginnt Versöhnung manchmal mit einem ganz einfachen Satz: „Lass uns noch einmal miteinander reden.“

Denn Familie ist nichts für Feiglinge. Aber vielleicht ist sie genau deshalb etwas, für das es sich lohnt, mutig zu bleiben.