Manchmal ertappe ich mich dabei: ich denke, also bin ich traurig.
Erinnerungen kommen, die nicht geklärt sind, die nicht besprochen wurden und über deren negative Auswirkungen ich immer wieder neu nachdenke. Ein Gedanke kommt hoch (wie aus den Mägen der Kuh) und bringt einen zweiten mit, der auch nicht geregelt ist. Zusammen machen sie Bauchschmerzen, aber eine Aussprache gibt’s nicht. Sie liegen sprichwörtlich im Magen.
Unterschwellig gärt es, blubbert. Ein übler Geruch liegt in der Luft und niemand mag es riechen wollen. Wie bei einem Silo kommt der Deckel drauf.
Wir haben keinen Pansen, der uns unsere Gedanken wieder hochschickt und wir sie wiederkäuen können. Wir machen es dennoch.
Wir machen es nicht klein und schicken die blöden Gedanken nach ein paar Tagen in den nächsten Magen. Dort ruht das Futter. Meine Gedanken kommen nicht zur Ruhe, ich geben ihnen kaum Gelegenheit dazu. Ich schicke die blöden Gedanken gar nicht erst in den Labmagen. Bei mir kommt’s nicht zum Verdauen. Bei mir bleibt alles irgendwie im Netzmagen hängen, oder im Rumen (Pansen). Dort rumort es und wenn ich mich nicht ausspreche, liegt es auch noch Jahre später dort und schmerzt.
Nachgedanken zu Annes schönen Beitrag: sprachsalat-a-la-carte – Wortperlen – DesignBlog
16. Juni 2026 07:39 — 7:39
Was für ein tolles Bild.
16. Juni 2026 10:43 — 10:43
Okay – danke.
16. Juni 2026 10:47 — 10:47
Ich meinte jetzt aber das beschriebene, habe gerade mal wieder bemerkt, dass ich unverständlich schreibe.
16. Juni 2026 11:01 — 11:01
Auch dafür danke. Ist es nicht zu kuddelmuddelig?
16. Juni 2026 11:17 — 11:17
Absolut…. es traf irgendwie mitten ins Herz.
16. Juni 2026 11:19 — 11:19
Danke, dass du nachfragst, wenn es missverständlich ist.
16. Juni 2026 12:30 — 12:30
Das Mögesternchen steht dafür, dass mir dein Text gefällt. Ruminieren heißt das also. Es ist ein gutes Bild, das Bild des Kuhmagens für wiedergekäute Gedanken.
Eins mag ich noch hinzufügen:
Manchmal erinnere ich eine Situation, in der ich etwas tat oder sagte, wieder und wieder. Manchmal zig Male und oft aus dem Grund, weil ich herausfinden will, wie ich hätte besser reagieren können. Manchmal steht am Ende solcher Verdauungsprozesse dann eine Erkenntnis, ein neuer Kurs und in manchen Fällen erkenne ich auch, dass nicht ich es war, die „falsch“ oder unangemessen agiert hat. Und solche Reflexionen sind konstruktiv und nahrhaft, weil sie verarbeiten oder stärker machen.
Liebe Grüße
Amélie
16. Juni 2026 16:03 — 16:03
Danke fürs Erwähnen liebe piri!
Dein Text beschreibt, das viele Menschen kennen: Gedanken, die nicht gehen wollen. Dinge, die nie ausgesprochen wurden, nie geklärt werden konnten und deshalb immer wieder an die Oberfläche kommen.
Besonders stark finde ich das Bild mit dem Wiederkäuen. Wir Menschen haben zwar keinen Pansen, aber wir besitzen die erstaunliche Fähigkeit, alte Verletzungen immer wieder hervorzuholen, sie von allen Seiten zu betrachten und ihnen damit ein langes Leben zu schenken. Oft viel länger, als sie verdient hätten.
Und doch lese ich aus dem Text nicht nur Traurigkeit, sondern auch eine große Ehrlichkeit heraus. Denn der erste Schritt ist oft überhaupt zu erkennen, was da im Inneren rumort. Viele drücken den Deckel immer fester zu, ohne jemals hinzusehen.
Vielleicht müssen nicht alle Gedanken vollständig verdaut werden. Manche bleiben Teil unserer Geschichte. Aber sie verlieren an Schwere, wenn wir ihnen einen Namen geben, sie teilen oder aufschreiben.
Was mich an diesem Text besonders anspricht: Er beschreibt nicht das Scheitern am Loslassen, sondern sehr menschlich den Versuch zu verstehen, warum manche Dinge so lange in uns bleiben.
Und vielleicht ist das manchmal schon der Anfang eines Verdauungsprozesses: nicht länger gegen die Gedanken anzukämpfen, sondern ihnen zuzuhören, bis sie leiser werden.
❤️