nachts

Manchmal, nachts, in der großen Stille, wache ich auf, lausche und flüstere dann wie lautlos ins Dunkle: „Bist Du da?“

Ich sollte mal etwas Kluges schreiben, nicht nur immer wehmütig an das denken, was nicht geht. Das sehen, was machbar ist, und stolz darauf sein.

Stolz? Warum denn ausgerechnet stolz auf etwas sein, das ich für selbstverständlich halte? Somit komme ich zum Zitat: Oftmals greife ich, nach so vielen Jahren – inzwischen habe ich sogar ein anderes Bett – links neben mich und fasse ins Leere. Oder ich taste Bücher, die ich lesen möchte und nicht lesen will. Nicht lesen kann, weil ich entweder dazu zu müde bin oder mich momentan kognitiv überfordert. Seichte Literatur – was auch immer man sich darunter vorstellt –, meist hochgeschätzte Jugendliteratur – verschlinge ich, es bleibt aber nichts hängen. Ich vermisse MamS – und jetzt bin ich wieder dort gelandet, wo ich immer lande – ich vermisse ein Gegenüber, mit dem ich mich auch mal streiten kann.

Ich vermisse ihn aber nicht nur deswegen. Vor Jahren wären wir an einem Pfingstsonntag wie diesem weggefahren und hätten etwas erlebt. Wären vielleicht sogar an den Gardasee gefahren, in irgendeine Pension, denn die Unterkunft war nicht so wichtig, Hauptsache weg aus dem Alltag, woandershin …

∙∙∙∙∙ 

Ist das jetzt etwas Kluges? Garantiert nicht! Aber ich mag gerade nicht über Politik schreiben. Weder um die im eigenen Land noch weltweit. Es liegt so viel im Argen. Meine kleinen eigenen (politischen) Differenzen mit den örtlichen Behörden und die Kämpfe um Teilhabe reichen mir vollkommen im Moment.

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Im Autismus-Spektrum bin ich obendrein und habe Wünsche. In Momenten, in denen ich an mir und meiner Arbeit zweifle und meine, nichts Gutes auf die Reihe zu bekommen, denke ich manchmal daran, mir kurz das, was ich schon geschafft habe, anzuschauen. Dann geht's wieder. ❤️ | ✨

Kategorien: Familie, Gedankenchaos, Kuddelmuddel

5 Kommentare

  1. Das mit dem Stolz auf etwas, jemanden oder gar auf sich selbst sein, ist ein leidiges Thema, mit dem ich hadere, seit ich mich zurückerinnern kann. Was mich selbst betrifft, reicht es bestenfalls zu einer zeitweiligen Zufriedenheit. Stolz auf meine Töchter? Sie haben so viel aus sich heraus geschafft und so manches anderen (Lehrern, Freunden…) zu verdanken. Und ob ich denn nicht stolz auf Deutschland wäre, fragte mich vor einiger Zeit ein Taxifahrer und riskierte, dass ich ihn aufgefordert hätte, rechts ran zu fahren.

    • Stolz sein, so meine kleine (momentane) Erklärung, kann ich doch nur auf das, was ich selbst geleistet habe. Dass ich ausgerechnet in Deutschland geboren wurde, das ist doch nicht mein Verdienst! Manchmal schäme ich mich tatsächlich – nicht für mein Heimatland – aber für das, was darin passiert. Mit Menschen, die weniger privilegiert sind, als ich.

  2. Hallo liebe piri!

    Doch, ich finde, das ist etwas Kluges. Gerade weil es nicht geschniegelt klingt, sondern ehrlich. Dieses Greifen ins Leere neben sich — das ist so ein stilles, starkes Bild für Verlust und Gewohnheit zugleich.
    Und was ist schon klug oder ein kluger Satz? Oft sind es doch gerade die einfachen, ungeschönten Gedanken, die am meisten bleiben. Nicht die perfekt formulierten Erkenntnisse, sondern diese Sätze, in denen jemand wirklich etwas von sich zeigt.

    Besonders berührt hat mich der Satz über das Wegfahren. Dieses „Hauptsache weg aus dem Alltag“ erzählt oft mehr über Nähe als große Liebeserklärungen.
    Und ich glaube, man darf durchaus stolz darauf sein, trotz all dieser Lücken weiterzumachen. Auch wenn es sich für einen selbst selbstverständlich anfühlt. Ist es nämlich nicht.

    Habt noch einen entspannten restlichen Pfingstmontag!

    Herzlichst

    Anne

  3. Klug oder nicht – es sind Gedanken, die einen beschäftigen, und sie dürfen sein, weil ehrlich und aus dem Leben gegriffen. Stolz darfst du auch sein, wenn auch nur darauf, dass du so gut für deine Junioren sorgst und alles bewältigst. So mancher würde da im Chaos versinken ( oder im Stress), ich vermutlich auch.
    Über Politik will ich ebenfalls nicht reden, auch nicht hören, wie die anderen darüber streiten. Fakt ist: Unsere Politiker – allen voraus die Regierenden – sind unfähig, etwas Vernünftiges zustande zu bringen und eigentlich für den Job ungeeignet … Aber, aber, jetzt fange ich doch damit an …
    Alle Liebe euch drei
    Rosa

Copyright © 2026 voller worte – mit und ohne Innenfutter

Theme von Anders Norén↑ ↑

Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.