Kuddelmuddel

Neurotransmitter

Irgendwas stimmt gerade wieder nicht mit den Synapsenverknüpfungen bei mir. Der Arzt spricht von keiner Depression, eher von zu viel Stress und unverarbeiteter Trauer: „Lassen Sie doch endlich die Menschen los!“ wieder einer, der das sagt. … und wann lerne ich das endlich?

Gedanken, Musik

Abwesend

„Du wirkst so abwesend, bist du nicht da?“ Meine Nachbarin stupst mich an, während ich die Unkräuter wegflamme.  Erschrocken blicke ich hoch und zurück zum Brenner, schaue wieder Gerda an und sehe, als ich in den Rinnstein gucke, nichts. Nichts mehr, nur verkokelte Asche.

Ich lasse Gerda stehen und gehe ins Haus. Gehe ins Bad, besprühe mich mit Bulgari Man. Muss haushalten, fast ist nichts mehr da. Im Zimmer riecht es nach Aftershave und der PC brummt. Die grüne Decke liegt achtlos am Boden. Die Computerkabel habe ich in die dazu angeschafften Kanäle gezwängt. Es gibt keinen Grund – keinen Bastler – dass sie dort nichts zu suchen haben.

Erst kürzlich habe ich den Aschenbecher aus Las Vegas in die Tonne geschmissen, das rote Feuerzeug gleich mit. Ich rauche nicht. In der Tabaksdose sind die Stecknadeln.

Der Geruch verwirrt mich. Ich suche. Dabei weiß ich doch – nicht nur ich bin abwesend!  

© petra ulbrich

Kuddelmuddel

Montag

Meine Güte, bin ich müde! Es war ein spannender Tag, aber ich hatte bis jetzt keine 10 Minuten um durchzuschnaufen. Das ist ja eigentlich ein bisschen weit hergeholt, denn ich war 4 Stunden laufen. Vier Stunden durch die Gegend, vier Stunden heulend im Nirgendwo. Die Wengerter, denen ich begegnet bin, haben meine Tränen nicht gesehen. 

Laufen Sie! Laufen Sie und wenn Sie nicht laufen können, dann gehen Sie ein flottes Tempo – ohne Handy, ohne Musik auf den Ohren, ohne erreichbar zu sein. Es wird die Welt schon nicht untergehen und wenn später eine wichtige Nachricht auf dem Handy ist, dann können Sie immer noch reagieren.

Hui, das war schwer! Im ersten Moment habe ich gedacht, ich stecke mein Handy in die Tasche und stelle es auf stumm. Dann kam der Gedanke, dass ich es ausmache und mitnehme. Schlussendlich habe ich es tatsächlich im Auto gelassen und bin ganz langsam losgegangen – auf einen Rundweg, den ich kenne. 

…und dann habe ich das Denkkarussell angeschmissen. Am Anfang eine Achterbahnfahrt im Geisterbahngruselkabinet, wütend, traurig, zornig, verletzt, betroffen – ach alles! Aber nach ca. 2Stunden habe ich das Denken eingestellt und nur noch geweint. Wieviel Tränen in einem sind, das ist so lange unvorstellbar, bis man es tatsächlich erfahren hat.

Jetzt bin ich leer. Leer an Gedanken, leer an Tränen. Meine Güte – und müde bin ich, unendlich müde.