Gedanken

niemanden fragen können

… , oder vermissend vor dem PC sitzen und nicht wissen warum das Grafikprogramm nicht so will, wie ich es gerne hätte. MamS hätte drauf geguckt, die eine oder andere Taste gedrückt. Mich an-, vielleicht sogar ausgelacht und irgendwann wäre alles wieder gut gewesen.

Nicht nur im technischen Support vermisse ich meinen Mann. Immer noch schlafe ich nicht in der Mitte des Bettes und an manchen Abenden taste ich links, ob dort jemand liegt. Natürlich ist niemand da – nur mein Herz schlägt dann immer schneller.

Warum gerade heute dieses Vermissen? Ich habe Krimis aussortiert – ich lese keine. Diese bringe ich heute Nacht, heimlich zum Bücherschrank. Keiner soll mich dabei beobachten, niemand soll meine Tränen sehen, keiner soll wissen, wessen Bücher so jungfräulich adrett im öffentlichen schmuddeligen Regal auf neue Leser warten.

Die Leere im eigenen Bücherschrank werde ich füllen können, die im Herzen wird sicherlich immer klaffen…

Gedanken, Gedicht

gewartet

Ich habe gewartet.
Ich bin Treppen gestiegen.
Ich habe Papierschiffchen gefaltet.
Ich habe etwas zerrissen.
Ich bin vor einem Spiegel gesessen.
Ich habe meinem Töchting beim Singen zugehört.
Ich habe gesungen.
Ich habe einen Gottesdienst im Radio angehört.
Ich habe geweint.
Um die Toten des vergangenen Jahres und um die davor.
Ich habe meine Erinnerungen hervorgekramt.
Ich habe mir alte Fotos angeguckt.
Mir wurde ein Bild des Familiengrabes geschickt.
Ich habe mich gefreut.
Ich habe auch gelacht.
Ich habe gebetet.
Ich habe vorgelesen.
Ich habe gelacht und zugleich geweint.
Ich habe meinen Frieden mit den Lebenden und den Toten gemacht.