Alltag, Behinderung

pitsche, patsche, padder, nass

Regenrinne

Nur kurz wollten wir ins Dorf, nur kurz den neuen Bäcker begutachten und eine Brezel kaufen. Das Töchting übt zu bestellen und nutzt jede Gelegenheit dem Verkaufspersonal nicht ins Gesicht gucken zu müssen. Wie das allerdings mit dem Bestellen klappen soll, das wissen die Götter!

Wiebke hat bestellt. Zwar keine Laugenbrezel, sondern einen Berliner: „Carsten wir teilen uns den, okay?“ „Joa, können wir machen.“

Wir kommen aus dem Ladengeschäft kaum raus, weil die Straße davor aufgerissen ist. Keine zwei Meter weiter öffnen sich die Wolken und sturzbachmäßig fängt es an zu pladdern. Dicke Tropfen – platsch! Zurück geht nicht. Nach vorne und los. 

Auf dem halben Weg nach Hause ist unsere Dorfbücherei! Nass, wie Nachbars Katze rennen wir in den Vorraum. Wiebke fällt schnell ein, dass sie noch Tonie-Figuren (Hörspiele) braucht und Carsten meint: „Mama, das Buch, was wir grad lesen, ist nicht der Burner! Können wir nach einem anderen Roman gucken?“

Also Lesestoff ausleihen  – mit durchweichter Hose und Anorak, der den Namen nicht verdient.

Wenigstens war es anschließen auf dem restlichen Heimweg nur tröpfelig. Daheim haben wir uns umgezogen und es gab was feines zu trinken.  

Behinderung

behindert – noch mal

Schon komisch, wie manche Menschen das Wort behindert vermeiden. Aus Scheu, etwas Falsches zu sagen. Der Gefäßchirurg, ich muss noch mal nachgucken, schreibt in seinem Arztbrief über das Töchting: „Auf Grund ihrer Grunderkrankung …“ Nein, Wiebke hat keine Grunderkrankung. Meine Tochter ist behindert! Okay, sie ist anders und hat zudem diese dicken Beine. Sie hat keine Behinderung. Sie hat einen Rollstuhl. Sie trägt eine Brille. Sie braucht eine Menge Hilfe. Aber wenn es weniger Treppen gäbe … Ja, dann wäre sie immer noch behindert, weil sie zu der körperlichen Beeinträchtigung auch noch eine kognitive hat. 

Erst letztens habe ich mich selbst als behindert bezeichnet und die anderen wollten mich beruhigen, dass ich doch nicht behindert sei. Da habe ich gesagt, dass ich sehr wohl im Alltag durch meine Störungen behindert bin, auch wenn es unsichtbar ist! Die Menschen waren einigermaßen entsetzt, dass das eine Selbstbezeichnung sein kann. Auch dass es unsichtbare Behinderungen gibt, die behindern, musste ihnen erst ins Bewusstsein gebracht werden.

Behinderung, Bücher, Gedankenchaos, Junioren

Bilderbuchmorgen

Unser Besuch gestern in der Ortsbücherei hat einen kleinen Schatz auf unseren Esstisch gespült.  Der König und die Nachtigall – ein Gedicht von Mascha Kaléko als Bilderbuch mit feinen schönen Bildern von Hildegard Müller. 

Ich bin großer Fan von Mascha Kaléko, bedauere es immer sehr, dass ihre Gedichte nicht öffentlich gezeigt werden dürfen. Vor Jahren hatte ich einmal eins im Blog stehen und habe prompt eine Abmahnung kassiert . 

∙∙∙∙∙

Vorm Haus ist ebenfalls ein Bilderbuchmorgen. Schon sehr herbstlich und empfindlich kalt. Die Farben verändern sich langsam und erste Kastanien liegen unten und auch schon auf dem Küchenbord. 

Carstens Stirn ist erstaunlich eben, aber das linke Auge ist zugeschwollen lilarot. „Du Mama, ich habe mindestens, wenn nicht mehr Schutzengel gehabt!“ „Wie viel waren es denn?“ „Na, für jeden Knochen einen!“