Familie, Gedankenchaos, Kuddelmuddel

dringend Leben

Und sobald du glaubst die Antwort zu kennen, ändert das Leben die Frage…

Gestern Abend auf einer Weihnachtsfeier fragte mich ein ehrenamtlicher Mitarbeiter der hiesigen Offenen Hilfen: „Wie schaffst du das alles nur?“ Sehr dankbar war ich ihm, dankbar für diese Frage. Aber an dem Abend wollte ich ihm nichts sagen – zumal ich ihn erst sehr kurz kenne. So, oder so ähnlich habe ich dann auch geantwortet. Er hat verstanden.

Allerdings hat er etwas in mir in Gang gesetzt. Wer fragt mich? Ich funktioniere und manchmal geht alles gut. Manchmal schaffe ich meine Arbeit mit links und mit großer Freude – immer mit großer Liebe. Aber manchmal verzweifle ich auch. Dann überfällt mich eine dunkle Macht mit einer mörderischen Trauer voller Tränen und Selbstmitleid. Ich schaue auf das andere Sofa und heule, bin wütend…

Heulen kann ich dann besonders gut, wenn das Loch sich nach schönen Ereignissen auftut und ich gnadenlos hineinfalle. Erst der wunderbare Bandauftritt – der Referent hat sich bei mir und dem stellvertretenden Bandleiter noch einmal sehr bedankt – dann die Weihnachtsfeier mit netten Menschen. Wenn etwas besonders gut war, dann falle ich. Dann kommt der Wehdam und ich bin ein heulendes Elend. Dann bin ich noch mehr allein, komme mir verloren vor und schaffe, schaffe, schaffe nur – irgendwie. Dann vermisse ich Anerkennung, Mitgefühl und ein bisschen Zuneigung von außen.

Dann bin ich  kratzbürstig und komisch – schrecklich ambivalent und ich verstehe mich selber nicht! Aber ich bin wütend, dass ich so allein gelassen wurde und merke, dass ich meine Trauer mit meiner Funktionalität unterdrückt habe. Es wird dringend Zeit – und ich brauche dringend gute Freunde…

…und andere Fragen und daraus resultierende Antworten!

Gedicht

ohne Überschrift

Komm liebe Angst
du darfst sein
ich lasse dich zu
ich streichle dich
ich bin gnädig zu dir
Sei wieder Kind
Ich nehm dich in den Arm
Lasse dich los
Und lasse dir die Freiheit zu gehen

Komm liebe Angst
Sag mir den Grund
Sei ehrlich zu mir
Denk nach
Was bedrückt dich?
Ich halte dich warm
und gebe dir Kraft
–  zu gehen

©petra ulbrich 

Behinderung, Familie, Gedankenchaos, Junioren, Kuddelmuddel

aus der Welt gefallen

Heute Morgen, 4:01 Uhr – ich bin wach. Aufgewacht mit den morgendlichen Bauchschmerzen – das muss dringend abgeklärt werden. Es allein auf die Psyche zu schieben, wäre zu einfach! Der Kaffee schmeckt nicht. Nur aus Gewohnheit habe ich mir welchen gemacht – er schmeckt eklig. Und das, obwohl es eigentlich mein Lieblingskaffee aus der hiesigen Rösterei ist. 

Kurz vor  sechs ist Carsten wach. Fein, denn dann kann der Kerle schon ins Wasser – baden. Ich kann das Bett abziehen und Wiebke darf noch viele Minuten Zeit gewinnen, um nicht zu muffelig aufzustehen. Carsten dagegen ist ein Radio. Anstellen und schon geht’s los. – Die üblichen Morgenmeldungen!

Unser kleiner Kosmos funktioniert. 

Wiebke sitzt auf dem Klo, will nicht baden. Muss aber, weil sie gestern nach dem schwimmen nicht geduscht hat. Die Haare sind völlig salzverkrustet. Jetzt rede ich. Don Quijote kämpfte gegen Windmühlenflügel, ich kämpfe gegen 2 diskutierende Junioren am Morgen. – Jeden Morgen!

Dass mit dem Vesper ist auch nichts Neues mehr und dass beide morgens nur mit Mühe Kakao, oder so was trinken, ist auch Normalität. Aber alles was normal ist, muss nicht unbedingt auch gut sein. Mich kostet das jedenfalls jeden Morgen Nerven. Ich mache es gerne und selten werde ich mal laut. Aber ich mache auch drei xxx wenn sie im Bus sitzen. Sie fahren zu ihren Freunden!

Ich freue mich über jeden Kommentar und inzwischen auch über * – sind sie doch auch ein Zeichen, dass der Text gelesen wurde. Danke!