Behinderung, Kuddelmuddel

kommunizieren

Kommunikation ist ein wunderbares Mittel, Konflikte zu lösen. Oder zu eskalieren.

Thom Renzie

Der Mensch aus der Lebenswerkstatt hat sich erst am Abend per sms gemeldet. Eine Freundin erzählt mir, dass sie bis mittags noch mit niemandem geredet hat. Auf ein Anschreiben wegen der Mutter-Kinder-Kur habe ich seit Wochen keine Antwort bekommen. Wiebke lacht mich nur an, rutscht unruhig auf ihrem Rollstuhl hin und her und – pinkelt in die Hose! Carsten foppt sie daraufhin und der schönste Krach ist da. Eine andere Mutter erzählt mir, dass die Kommunikation zwischen Werkstatt und ihr sehr einseitig ist – sie schreibt ins Mitteilungsheft und keine Resonanz kommt, noch nicht einmal abgezeichnet wird. Das deckt sich mit meinen Erlebnissen. Es ist schade, wenn man miteinander redet, dann kann man einander besser verstehen und auch wissen, warum etwas so oder so läuft bzw. nicht läuft. Dann kann man gemeinsam versuchen die Situation zu bereinigen und den Konflikt zu klären. Wenn Funkstille herrscht, dann schaukeln sich höchsten die Emotionen hoch …

 

Kuddelmuddel

Was machst du?

Schlafen! 

.. und wenn nicht bald der Mensch anruft, mit dem ich dringend sprechen muss, dann wird mein Zorn Stunde für Stunde immer größer und steigert sich ins unermessliche. Denn, wenn es um die Belange meiner Junioren geht, dann werde ich zur Hyänenmama!

Behinderung, Familie, Gedankenchaos, Junioren, Kuddelmuddel, Musik

erzähl mir nichts

Erzähl mir nichts davon, dass es dir auch nicht besser geht, als all den anderen auch.
Erzähl mir nichts davon, dass deine Haare viel zu schnell wachsen und du sogar graue bekommst.
Erzähl mir lieber, wie du es geschafft hast deine Selbstbehauptung aufzubauen, ohne andere zu verletzten!

Momentan fällt es mir sogar schwer, mich gegenüber meinen behinderten Junioren zu behaupten, so erschöpft bin ich. Nicht unbedingt körperlich – eher emotional und psychisch. Jeden Schiet muss ich abfangen, in jeder Hinsicht. Es fängt an, wenn ich den Kerle und das Töchting morgens wasche und dabei diskutieren muss, weil sie ja in der Nacht nicht dreckig werden konnten, weil sie  doch ’nur‘ geschlafen haben. Klingt lustig – aber jeden Morgen? Oder rasieren? Oder Haare kämmen? Alles wird kommentiert und mit teilweise genölten Lauten untermalt!

Erzähl mir nicht, dass das deine Kinder auch gemacht haben und dass sie im Trotzkopfalter ebenso schwierig waren.
Erzähl mir lieber, wie du damals die Ruhe bewahrt hast – aber erzähl mir nicht, dass das eine Episode war. Bei mir ist es eine über 40 Jahre währende Episode!

Behinderung endet nicht irgendwann und ist kein einmaliger (oder absehbarer) Zwischenfall. Behinderung ist immer und ewig.

 Erzähl mir nicht, dass ich meine Kinder in ein Heim geben könnte, dann wäre meine Arbeitsbelastung nicht mehr da.
Erzähl mir auch nicht, dass du das nicht leisten könntest – was man alles leisten kann, ist mehr, als man sich vorstellen kann!

Ich bin dabei, mir Hilfe zu suchen. Wer mich kennt, weiß das. Gerade jetzt in Coronazeiten ist es noch einmal schwerer und gute Therapeuten wachsen nicht auf Bäumen und gute Zuhörerinnen sind rarer denn je. Freizeiten finden nicht statt. Kurse gibt es keine und dass die Band seit über einem Jahr nicht geprobt hat, das wisst ihr – ich bin (fast) alleinige Alleinunterhalterin!

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