Behinderung, Gedankenchaos, Kuddelmuddel

Everybody’s Darling

Everybody’s Darling – irgendwie schafft der Kerle es immer wieder jeden für sich zu gewinnen. Auch heute! Die Mama meiner Freundin hat Flachswickel gebacken und was macht mein Sohn? Er lobt sie mit drölftauseneinhundertvierunddreiundzwanzig Worten. Er redet und redet und freut sich, dass er das Gebäck essen darf und wickelt nebenbei sämtliche weibliche Familienmitglieder um den kleinen Finger. Nur in den Mund steckt er ganz kleine Miniportionen und alles dauert ewig lange. Das Töchting sitzt derweil vor ihrem Kuchenteller und mampft den köstlichsten Nusskuchen mit frischen Früchten. Sie grinst stille vor sich hin und freut sich diebisch, wenn alle NEIN rufen, als sie sich mit Sahne absichtlich bekleckern will.

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Ich bin erschossen, müde, völlig ausgepowert, denn so charmant, wie mein Sohn sein kann, so schnell kann sich der Spieß umdrehen und er fängt an zu husten, um im nächsten Moment, völlig ausgekotzt, das größte kleine Elend zu sein, das ich persönlich kenne.

 

 

Behinderung, Kuddelmuddel

kein Passwortschutz

Ich tät‘ jetzt so gerne einen passwortgeschützen Beitrag schreiben, mache es aber nicht. Depressionen und Ängste sind in aller Munde, in allen Medien und momentan salonfähig. Wie lange? Bis was Neues kommt? Dabei sind Gemütserkrankungen, wie es schon früher hieß, keine Moderescheinung. Wer will diese Mode schon haben? Ich nicht. Ich hasse diesen Wehdam. Ich mag diese Angst nicht – diese undefinierbare.

Jetzt wird sicherlich so mancher anmerken wollen, dass ja kein Wunder ist, dass ich ängstlich bin. Sicherlich gibt es gute Gründe. Die Junioren sind mehrfachbehindert, ich selbst habe eine schwere Krankheit hinter mir und ein Lungenemphysem. Aber damit bin ich – so denke ich – klargekommen. Seit längerer Zeit ist es aber so, dass zur normalen Antriebsschwäche, eine Lethargie hinzukommt – ich schaffe gar nichts mehr. Es wird allerhöchste Eisenbahn, dass wir zur Mutter-Kinder-Kur kommen. Alles strengt mich unbändig an, vieles wird mir zuviel. Wenn der Kerle wieder (fast) jeden Tag mit Wechselwäsche nach Hause kommt und Daheim dann in den Seilen hängt, mag ich das hier nicht mehr schreiben – es ist Alltag geworden. Sch…alltag, zermürbend. Wenn das Töchting jedes Mal ein Theater macht und zusammenzuckt, wenn C. nur hustet, dann ist das für mich immer eine Qual, sie so mitleiden zu sehen. Wenn dann der Kerle absichtlich seine Schwester in Panik versetzt und diese deswegen schreit und Randale macht, dann überkommt mich der hochheilige Zorn. Diese, meine Hilflosigkeit nagt an mir und ich weiß nicht ein noch aus.

Wenn meine seelische Verfassung stabiler wäre, dann … Tja, was wäre dann? Hätte ich dann mehr Kraft? Habe ich nicht genug Kraft? Ich habe viel Kraft …

… und jetzt höre ich auf, setze den halbfertigen Beitrag ins Blog und denke nicht, dass es euch nichts angeht, denke nicht, dass ich eventuell den Nerv der Zeit nicht getroffen haben könnte, denke nicht so viel etc. pp.

Behinderung, Kuddelmuddel

nur ein Zitat

Manchmal habe ich das Gefühl, ich belaste die Menschen, die mich umgeben. Weil ich viele Dinge nicht mitmachen kann. Weil ich befürchte, meine Freunde haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie Dinge ohne mich machen, an denen ich aufgrund meiner Behinderung nicht teilnehmen kann. Weil für mich öfters Sonderaufwand betrieben werden muss. Weil ich nicht dem gängigen Schönheitsideal entspeche und ich befürchte, dass man sich für mich schämt.

Raúl Krauthausen

Manchmal komme ich mir genau so vor – manchmal zusammen mit den Junioren, manchmal ohne sie und manchmal fühle ich mich als Klotz am Bein. Einfach so!