Kuddelmuddel

Gedichte schreibe ich nachts

Wenn ich schlaflos durch die Wohnung geistere, der Regen stark gegen’s Fenster prasselt, ich mein Töchting ins Bett zurückschieben muss und den Kerle wenden, dann kommen Sprachfetzen durch den Dunkelnebel angewabert, setzen sich auf die eine oder andere Synapse und verursachen einen Wortstau, der nur mit Musik aufzulösen ist.

Nanci Griffith ist tot, kennt die außer mir, eigentlich noch jemand?

Nachts schreibe ich Gedichte und die meisten davon verschließe ich morgens mit einem Kettenschloß, stecke die Schatulle in den blauen Sack und nehme ihn mit auf den Spaziergang, um ihn verbotenerweise in Nachbars Papiertonne zu entsorgen.

Behinderung, Kuddelmuddel

Verlottert

Lass dich nicht gehen, geh selbst!

Da muss es ganz dringend anders werden! Heute dürfen sie noch auslottern, aber morgen gehts wieder rund. Schön war es in der Freizeit. Richtig, richtig klasse! Carsten erzählt ultrakurz was sie gemacht haben und dann ist fertig. Die Freizeit ist abgehakt und noch ist Urlaub.

 Meine Waschwäscheberge halten sich in Grenzen, mein Mamagrinsen inzwischen auch wieder, mein Morgenkaffee ist kalt und die Debatte über Impfgegner nervt mich nur noch. Es ist keine Grippe. Es ist Covid-19. Sicher ist nur der Tod, der kommt früher oder später.  Meinetwegen braucht sich niemand impfen zu lassen, wir sind es alle und wenn die Musikerkollegin das nicht will – aus ihren Gründen heraus – dann darf sie das so handhaben, aber die Band wird wahrscheinlich ohne sie proben. Schade!

„Du Mama“, Carsten bringt es auf den Punkt, „dann müssen wir uns eine andere Bassistin suchen!“ Das fände ich sehr schade, denn diese Frau ist eine Freundin geworden und jetzt trennt uns so ein kleiner Piks. Zu uns darf sie weiterhin kommen…

Kuddelmuddel

Blödsinn

„Das ist Blödsinn“, sagt Henry. „Wie soll das denn gehen, sobald du auf die Welt kommst, kommst du irgendjemanden in die Quere, dagegen kannst du nichts machen.“ | Simone Lappert – Der Sprung

Ja, ich bin manchen in der Quere. Vermutlich aber mir selbst am meisten. Ich brauche ein Feindbild, habe ich heute geschrieben. Eins, das nicht ich bin. Sondern jemand anderes. Eins, das meine Wut schluckt. Eins, das mir nicht tausend abers entgegenschleudert. Eins, das wie ein Prügelknabe statt meiner bestraft wird und dem ich dennoch alle Schuld zuweisen kann – berechtigt oder auch nicht! Gibt es nicht! So stehe ich eben im Weg …