Alltag, Behinderung, Familie

frieren im Sommer

Heute friere ich. Wir sind alle viel zu luftig angezogen, tragen keine Socken und nasse Füße nach dem Sturzregen laden die Erkältung geradezu ein. Der Kerle hustet: „Mama, was ist das für ein Sommer?“ Ich hole das Handtuch und rubble ihn warm. Das Töchting will nicht angefasst werden: „Lass mich.“ sagt sie und zieht sich das nasse T-Shirt alleine aus, verlangt ein neues und den ‚Kuschelpullover‘. Mir selbst ist inzwischen wieder warm, kann mich aber noch nicht umziehen, weil Carsten bibbernd an der triefenden Hose zerrt. Habt ihr schon mal einen zitternden Menschen mit Spastik in den Beinen ausgezogen – gestaltet sich nicht einfach und wenn er auch noch motzt, dass das Wetter kacke, doof und – nee, ich sag die Wörter nicht – ist, dann macht das keinen Spaß. Er sitzt endlich eingemummelt in der Decke vorm Tablett. Wiebke singt und trinkt warmen Pfefferminztee und ich zieh mir Socken an…

Gedicht

mögt ihr noch ein Sommergedicht?

Sommerlethargie

Rosen blühen
Lavendel
und Sonnenblumen

Vögel zwitschern
Eichhörnchen
huscht übers Gras

Gartenmöbel
Kissen
laden zur Ruhe

Eistee
Wasser
und Planschbecken

Salzstängelchen
Obstkuchen
– Sommersonnentag

© petra ulbrich

Gedankenchaos, Gedicht

bald neun Uhr

…und manchmal
rennt die Zeit
davon

die Sonne tut
so als ob
der Wind nicht wär‘

im bleichen Licht
glänzt Tau
auf Wiesenflächen

morgens bleibt die Nacht
doch liegen
mit all dem Kummer
– ich deck sie zu

mach die Augen auf
der Tag beginnt
was ihr draus macht
ist eure Sach‘

© petra ulbrich