Behinderung, Familie

es fängt schon wieder an

Heute ist der zweite Tag, an dem Carsten mit Wechselklamotten nach Hause kommt! Angekündigt hat es sich schon am Morgen – beziehungsweise das war ja auch schon die Fortsetzung von gestern. Der Kerle kotzt wieder! Warum? Keine Ahnung.

Der Urlaub war gut. Er hat gegessen. Sehr wenig, zu wenig, aber Carsten hat zumindest nicht gekotzt! Mein Sohn sieht beschissen aus – grau, dürr und er ist unkonzentriert, jetzt wieder unterzuckert und zittrig. Carsten redet wirr.

Ich habe Bauchschmerzen, mir ist schlecht, ich mache mir heftige Sorgen und weiß nicht was ich machen soll. „Was wollen Sie?“, das fragte mich eben die Dame der Krankenkasse bei der Ernährungsberatung. „Haben Sie es schon mal mit Astronautenkost probiert?“ Ich bin es leid, immer wieder neu erklären zu müssen, worum es eigentlich geht. Was mein Problem ist – was Carstens Essensproblem ist. Mich kotzt das auch so langsam an …

Familie, Kuddelmuddel

zwitschern

Liebe Geschwister – ich weiß, dass ihr hier mitlest – ich freue mich auf euch. Wir werden zum großen Geburtstag der Mutter kommen. Dennoch weiß ich nicht, wie ich euch begegnen soll! Leben wir doch in völlig verschiedenen Welten. Meine besteht nicht aus höher, schneller, weiter und ich bin lange nicht so weitgereist, wie ihr. Ich habe nicht studiert, habe noch nicht einmal Abitur und Ingenieurin oder gar Juristin bin ich auch nicht. Meine Kinder haben keinen Führerschein, sie können beide nicht einmal richtig lesen …
Ich lese wahrscheinlich auch nicht das, was ihr lest. Aber, ich weiß ja nicht einmal, was ihr lest. Bücher sehe ich bei kaum einem von euch. Aber auch bei mir stehen im Wohnzimmer keine Bücherregale.

Familie kann man sich nicht aussuchen! Stimmt! Trotzdem seid ihr meine Brüder und Schwestern.

Mein Wunsch an euch ist: Nehmt mich, wie ich bin! Vor allen Dingen möchte ich, dass ihr mich und die Junioren respektiert, meine Lebensumstände seht und meine Leistung anerkennt. So wie ich euch im Gegenzug respektvoll und anerkennend gegenübertrete.