Kuddelmuddel

Willy

Was soll sie über mich schreiben?

Ich habe mich mal hingesetzt, um eine Autobiografie zu schreiben, aber wie ihr seht, bin ich nicht weit gekommen. Es gibt einfach zu viel zu erzählen und viel zu wenig Platz hier im Blog.

Zu Beginn war ich nackt, als mich diese Frau aus dem Regal holte, in dem ich gut nachdenken konnte. In der Secondhand-Fundusschublade fand ich dann ein kariertes Hemd, aber mir war immer noch kalt. Die orangefarbene Fleecejacke wollte mir die Frau nicht anziehen, das wäre angeblich etwas für Mädchen. Unsinn! Männer dürfen das in Zeiten der Emanzipation genauso tragen. Leute, das war eine Wohltat endlich nicht mehr so zu frieren.

Jetzt muss ich aber meine Geschichte erzählen: Dem Carsten wurde ich geschenkt, als er einmal wieder mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus musste. Der kleine Junge mit Behinderung hatte sich den Schädel gebrochen. Ein Mitschüler hatte mit voller Wucht gegen seinen Rollstuhl getreten, wodurch Carsten umgefallen und der Rollstuhl auf ihn gefallen war. – Ich weiß das auch nur aus Erzählungen. Im Rettungswagen gab es noch zwei von meiner Sorte. Meine Aufgabe war es, Carsten zu trösten. Ich sollte ihm über den ersten Schmerz und Schreck hinweghelfen, ihn beruhigen und ihm das Gefühl geben, dass er nicht allein ist. Das habe ich sehr gut gemacht, und so durfte Carsten mich behalten. Ich wurde auch geröntgt, bekam einen Verband, und dann sind wir gemeinsam nach Hause gegangen.

Veröffentlicht von piri

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Im Autismus-Spektrum bin ich obendrein. In Momenten, in denen ich an mir und meiner Arbeit zweifle und meine, nichts Gutes auf die Reihe zu bekommen, denke ich manchmal daran, mir kurz das, was ich schon geschafft habe, anzuschauen. Dann geht's wieder. ❤️ | ✨ Bitte kommentiert! ✉️

8 Gedanken zu „Willy“

  1. Martha, die Momente-Sammlerin sagt:

    Wahnsinn! Ich hoffe, es hatte für den Mitschüler ernste Konsequenzen, dass er sich Carsten gegenüber so unfassbar brutal verhalten hat!

  2. Nanu sagt:

    Das ist ja unglaublich. Wie wurde damit umgegangen?

  3. Der Emil sagt:

    Uff. Schwierige Geschichte, selbst beim Lesen …

  4. Margrit sagt:

    Was für ein dramatischer Beziehungsstart.

  5. Rosa sagt:

    Jedenfalls hat Willy sich um den Verletzten großartig gekümmert und alles ist gut ausgegangen.

  6. Anne Seltmann sagt:

    Guten Morgen liebe piri!
    Guten Morgen lieber Willy!

    Was für ein Erlebnis…da muss der Schreck ja riesig gewesen sein. Gut, dass du an Carstens Seite warst!

    Im übrigen steht dir die orangfarbene Jacke wundervoll!

    Liebe Grüße

    Anne

  7. karfunkelfee sagt:

    Lieber Willy,
    Kinder können leider unfassbar brutal sein. Hoffentlich hatte das Verhalten dieses Schülers ernste Konsequenzen für ihn. Beim Lesen Deiner Geschichte wurde ich so wütend! Armer Carsten! Wie gut, dass er Dich bei sich hatte!

    Liebe piri,
    Also können auch Teddies frieren!
    Eine erschütternde Geschichte hat Willy da erzählt. Er ist ein echter Tröstebär. Die, die selbst so schnell frieren, haben oft erstaunlich viel Wärme , die sie anderen in einer Not spenden.

    Liebe Grüße
    Amélie

  8. Trude sagt:

    Da hast du ja einen ganz tollen Job gemacht lieber Willy.

    Schön das es Bären wie dich gibt.

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