Gedankenchaos

Schade

Der Täter wird wieder einmal stark durchleuchtet, es wird versucht zu verstehen warum er diese Amokfahrt gemacht hat. Alle Nachrichten drehen sich um ihn und wieder einmal werden die Opfer nur Zahlen! Keine Persönlichkeiten, keine Menschen, keine Schicksale – absolut schade!

Veröffentlicht von piri

✉️ Ihr dürft mir gerne eine E-Mail schreiben. ✉️ Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig! In Momenten, in denen ich an mirund meiner Arbeit zweifle und meine, nichts Gutes auf die Reihe zu bekommen, denke ich manchmal daran, mir kurz das, was ich schon geschafft habe, anzuschauen. Dann geht's wieder.

6 Gedanken zu „Schade“

  1. Margrit sagt:

    Da bin ich ganz bei dir.

    Vielleicht ist es ja auch gut, die Privatheit dieser Frau und ihrer Familie in ihrem Schock zunächst zu schützen. Aber so gar nichts über sie und die anderen Opfer zu erfahren und so einen großen großen Raum für den Täter zu schaffen, ist eine Schieflage, die ich sehr ungehörig finde und die mich unglücklich macht.

    Danke, dass du darauf hinweist.

  2. Trude sagt:

    Aus meiner Sicht dürfte über diesen Kerl überhaupt nichts berichtet werden.

    So bekommt er doch die Bühne für seine Tat, die er haben wollte.
    Die ihm aber überhaupt nicht zusteht!

    1. piri sagt:

      Ich sehe es wie Magrit: eine Bühne steht ihm nicht zu, aber wir sollten um die Tat wissen und welche Hintergrund er hat. Es sollte nicht übermäßig breit getreten werden, aber dabei sollten die Opfer und deren Angehörigen und die Zielgruppe nicht vergessen werden.

  3. Margrit sagt:

    Die Bühne steht ihm nicht zu. Aber naja, das, was ich bisher über ihn gelesen habe, wollte ich schon wissen. Dilemma.

  4. dergl sagt:

    Es ist so ärgerlich. Aber ich habe eine Vermutung: Mit den queeren Menschen will auch deswegen kein Medium reden, weil die queeren Communitys über alle sozialen Medien hinweg jetzt großteils nicht nur traurig sondern sauer sind und das kommunizieren. Und zwar auch sauer auf Herrn Merz, Frau Prien und Co. und queere Menschen vor der Kamera, die so was sagen wie „Ich will kein Mitleid von einem Kanzler, der mir letztes Jahr gesagt hat, ich gehöre ins Zirkuszelt“, passen eben nicht ins Bild oder auch in die generelle Berichterstattung zu queeren Menschen.

    Ich war Samstag mit den Omas Gegen Rechts auf einem CSD. Super schöner Tag, alles friedlich, alle haben auf alle Rücksicht genommen und miteinander geredet. (Eine bei uns hatte ihren Erstkontakt mit Puppys und all so was.) Und es war da ein Filmteam vom WDR. Die haben ewig lange bei uns und anderen gefilmt. Das sollte für einen Bericht über den CSD in der Aktuellen Stunde sein. Was wurde es? Zwei ganz kurze O-Töne von queeren Menschen, 3-4 Minuten irgendein Journalist in einem Büro, der erzählen durfte, dass die Community Ablehnung doch selber provoziere, denn die meisten Leute würden eben glauben, dass es nur zwei Geschlechter gäbe. Darum ging es überhaupt nicht! Weder auf dem CSD noch in den Äußerungen der beiden Menschen, deren O-Töne es in den Beitrag geschafft hatten.

    Das alles ist gewesen, bevor das Attentat in Berlin passiert ist. Wenn Medien schon so kuschen ohne dass was ist und so framen, als ginge es queeren Menschen nur um ein Thema, dann ist nachvollziehbar, warum sie jetzt keine Menschen aus der Community und erst recht nicht welche, die in Berlin mitgefeiert haben reden lassen.

    In meiner Nähe waren seit Sonntag zwei Mahnwachen, jeweils organisiert von den örtlichen CSD-Vereinen. Nichts dazu in den Medien. Wenn sie schon der Trauer und der Wut keinen Raum geben wollen, hätten sie die Blumen, Kerzen und Plakate, die mitgebracht und liegen gelassen wurden filmen können.

    Oder einen Beitrag dazu wie scheiße die Situation für queere Menschen in Polen ist machen. Die getötete Frau kam aus Polen und war mit ihrer Tochter auf dem CSD. Es ist doch was Tolles, wenn man Eltern hat, die eine*n so unterstützen.

    1. piri sagt:

      Danke für deinen tollen umfangreichen Kommentar. Ich bin einfach auch sauer, dass Randgruppen jedweder Art als Randgruppen bezeichnet werden. Meine Güte, wir sind doch eine Gesellschaft!

Kommentare sind geschlossen.