Behinderung, Gedanken, Kuddelmuddel, Musik

Ach Leute

Schon wieder lassen mich, gleich zwei, Helfer in Stich. Auch dies Wochenende kann ich komplett allein organisieren. Hoffentlich ist es möglich wenigstens für die Schifffahrt am Sonntag jemanden zu akquirieren – denn das würde eine heftige Herausforderung für mich sein! Und dann kommt auch noch Jens Span mit dem Satz, den er der Augsburger Allgemeinen bei einem Interview sagte: „Wenn von einer Million Pflegekräften 100.000 nur drei, vier Stunden mehr pro Woche arbeiten würden, wäre schon viel gewonnen.“ Ziemlich harter Tobak. Haben ein Gewehr! Ich wäre froh, wenn ich fürs Wochenende verlässliche Helfer hätte.

Wahrscheinlich könnt ihr euch nicht vorstellen, wie die Wochenenden für uns sind – und wenn ich sie schildere, dann ist auch das nur eine Momentaufnahme. Den Frust, die große Freude, den Spaß und die gute oder schlechte Laune kann ich gar nicht so genau wiedergeben, denn oftmals ist es alles zusammen. Am schlimmsten sind die Essenszeiten. Immer und immer wieder – nicht nur manchmal – immer gibt es Gezeter und Stress. Da kann ich noch so gut kochen, noch so schön den Tisch decken und eventuell Mitesser einladen – es kommen keine mehr, weil sie die Situation nicht aushalten. Dafür fresse ich alles in mich rein – im wahrsten Sinne des Wortes. Ich werde dicker und das gefällt mir überhaupt nicht. Ich war immer schlank und jetzt kriege ich einen Bauch – es nervt! Sicherlich ist es auch ein Problem, das viele Frauen in meinem Alter haben. Nach den Wechseljahren ist der Stoffwechsel noch reduzierter und mit meiner Lunge ist es nicht so einfach Sport zu treiben – schon gar nicht den, den ich möchte. Klettern möchte ich. Aber ohne Puste und Kondition, ein Unding.

Musik – heute gibt es Gershwin:

Ich mag ihn gern, den Nigel Kennedy.

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Allgemein, Kuddelmuddel, Musik

Vermissen

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Nie wieder, schreibt Paulacolumna, wird sie ihren toten Mann etwas fragen, ihm etwas Leckeres zu essen kochen und mit ihm reisen können. Es ist schwer, aber auszuhalten!

Genau heute Morgen, als mich um kurz vor sieben ein Anruf aus meiner täglichen Routine schreckte – wenn mich um diese Zeit jemand anklingelt, denke ich immer schlimmes und male mir alles Mögliche aus – als mich das Telefongebimmel durcheinanderbrachte, ich wollte gerade Carsten aus der Badewanne holen, vermisste ich MamS mehr denn je. Er hätte es klingeln lassen, einfach lassen. Das kann ich nicht, konnte ich noch nie. Ich muss machen, am besten gleich, sofort und nichts auf die lange Bank schieben. Am liebsten gestern schon. Bei Hans war das anders. Er hat auch nichts lange liegen lassen, aber reifen konnte es bei ihm. Alles!

Ich vermisse ihn mit jeder Pore meines Körpers. Ich vermisse die Gespräche, den Austausch, ja auch den Streit. Ich stelle mir vor, was er zur AFD gesagt hätte, oder zu den Veranstaltungen in Chemnitz. Ich weiß, dass das Konzert gestern nicht seine Musik war, aber er hätte es trotzdem angehört und vielleicht wären wir Alten sogar hingefahren – denn spontan war er trotzdem. Sein Tod kam einfach zu plötzlich. Wir hatten noch so viel vor! Ich vermisse das gemeinsame reisen sehr. Alleine macht es mir keinen Spaß und mit den Junioren zusammen ist es harte Arbeit, wenn nicht jemand mitfährt, der auch zupacken kann. Ich vermisse ihn nicht mehr bei meiner täglichen Arbeit, die mache ich mit links und ich weiß, MamS hätte inzwischen auch das eine oder andere Zipperlein und könnte auch nicht mehr so schnell.

Ich weiß, dass er bei mir ist, bei uns ist, nicht auf dem Friedhof – er ist um uns herum und in uns. Wenn’s mal wieder nur grau aussieht, dann blitzt ein Tropfen auf der Fichte vorm Esszimmer auf und sagt mir: „Petra, komm, alles geht weiter! Setz dich hin, trink was und dann: Auf geht’s!“ Dies: Trink was!, hat Wiebke übernommen, so wie so manches, was ich in den Junioren von dir wiederfinde. Dafür bin ich dankbar. Ich sehe in deinen Kindern immer ein Teil von dir, das ist schön und traurig zugleich. Aber die Schönheit überwiegt.

Es gibt Tage, da denke ich mit Wehmut an meinen verstorbenen Mann. Es gibt Tage, da dominiert die Erinnerung an vergangene gute Zeiten. Aber auch die unschönen und schlechten vergesse ich nicht – alles ist wichtig, alles hat seinen Sinn und das Schöne, Gute überwiegt.

Wenn ich die umfangreiche CD-Sammlung sichte, sehe ich darin Musik, die ich nie gespielt habe – einiges habe ich mittlerweile angehört. Vieles ist nicht meins, aber manches hätte ich wohl vorher mit meinem Mann zusammen angehört und ihn gefragt warum er das so gerne mag! Vorbei, ist so, kann ich nicht mehr ändern. Aber genau deswegen werde ich die CDs nicht wegwerfen. Manchmal, so auch jetzt höre ich dann Astrud Gilberto…

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