Kategorie: Junioren

Hitzeausraster

Es ist zu viel, definitiv zu viel für die kleinen Körper der Junioren. Tagsüber war es okay. Ich konnte sie gut beschäftigen. Gegen Abend spürte ich dann die Unruhe. Die Hitze schlägt zurück. Die Nerven sind angespannt. Der Kerle hasst es ständig daran erinnert zu werden, dass er trinken muss. Das Töchting nuckelt an ihrer Saftflasche und kein Tropfen erreicht ihren Mund bis ich ihr ein Ultimatum stelle, dann ist die Flasche plötzlich leer. 

Es ist Bettgehzeit ohne Tablet. Jetzt rastet Carsten aus. Er bräuchte es, meint er. Wiebke schreit aus Solidarität mit. Ich bleibe eisern und werde dafür gekratzt und getreten. Ruhig ziehe ich den Kerle eine frische Windel an, setze das Töchting aufs Klo und schnappe mir dann eine nach dem anderen und trage sie dreizehn Stufen ins Souterrain, das ich gestern fälschlicherweise als Keller bezeichnet habe und das im forderen Bereich eben diese großen Fenster hat. 

Sie liegen friedlich nebeneinander und sind garantiert in fünf Minuten selig in Morpheus Armen!

Ich werde noch einen heißen Pfefferminztee trinken und dann darauf hoffen, dass sie mir (die Junioren) beim Schlafgott ein kleines Stückchen freigehalten haben. 

Kommt gut durch die Nacht und schlaft gut. 

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Nachtrag am anderen Morgen 06:59 Uhr – Nachtrag am anderen Morgen 06:59 Uhr- Bei allem Respekt, behinderte Menschen zu versorgen bei der Hitze ist zusätzlich zum eigenen Schwitzen und den daraus resultierenden eigenen schlechten Befindlichkeiten Schwerstarbeit! 

hinsetzen und reden

Manchmal reicht es, sich einfach hinzusetzen und zu reden.

Gestern habe ich einer Dachgeschossfreundin Asyl gewährt. Es ist nicht nur für sie schön, im kühlen Keller schlafen zu können. Es ist auch für mich wunderbar. An so brüllendheißen Tagen kommen wir nicht vor die Tür. Es tut mir für die Junioren sehr leid, aber wenn sie Gesellschaft haben, können wir auch etwas unternehmen. Schwimmen gehen zum Beispiel. Einmal durchs Wasser ziehen – für uns bedeutet das ca. zweieinhalb Stunden unterwegs sein – das kann ich nicht alleine und so bin ich der ‚Untergeschlupften‘ außerordentlich dankbar.

Nebenbei habe ich jemanden zum reden, und wir bereden alles mögliche und quatschen auch ein bisschen über die Hitze, die uns gewaltig auf den Geist geht!

Timeline

Mir ist heute Morgen ein Foto vom Kerle in der Timeline angezeigt worden, das vor fünf Jahren geknipst wurde. Es hat mich erschreckt. Damals wog Carsten nur elf Kilo. Genauso sah er auch aus – hager, grau im Gesicht und völlig schlapp!

Heute wiegt er fünfzehn Kilo. Mag sein, dass das nicht viel mehr klingt. Für den Kerle ist es ein Quantensprung. Er hat von neuem Bäckchen, die Haut ist prall und gut durchblutet, seine Sprüche sind wieder frecher und philosophischer und überhaupt macht er einen besseren Eindruck.

Damals habe ich damit gerechnet, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Tagtäglich hatte ich Angst. Tagtäglich hat er gekotzt ohne Ende. Stört euch nicht an dem Begriff kotzen, es war so. Sämtliche Nahrung kam schwallartig, wie aus einer Fontäne geschossen, wieder raus. Das Töchting hatte Angst und schrie, konnte sich nicht beruhigen und ich wusste nicht, wen ich zuerst beruhigen sollte.

Essenstechnisch haben wir einen Rückschritt gemacht: Carsten wird heute fast ausschließlich durch die PEG ernährt. Aber so bin ich sicher, dass er nicht verhungert. Mein Ziel ist, dass er noch ca. zwei bis drei Kilo zunimmt, dann ist alles paletti!

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