Gedankenchaos

ich klaue

Manchmal klaue ich Wörter von anderen. Weil sie mir gefallen, und dann horte ich sie wie Frederick, die Maus, die Sonnenstrahlen und auch die Wörter für die kalten Wintertage sammelt.

Gestern habe ich klauen können. Da ein Wort: Liebe, aus einer anderen Ecke: Sehnsucht, von ferne: Vertrauen und kitzeln, glitzern und warm ist‘s. Glück und grüne Wiese, Blase am linken kleinen Zeh und dennoch Spaß, Pflaster und Kiesel.

Es gibt keine Fragen. Nur staunen, sehen, hören – manches einfach überhören – ein Glas Wein und sein. Einfach sein und keine Skrupel beim Klauen.

Veröffentlicht von piri

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Im Autismus-Spektrum bin ich obendrein und habe Wünsche. In Momenten, in denen ich an mir und meiner Arbeit zweifle und meine, nichts Gutes auf die Reihe zu bekommen, denke ich manchmal daran, mir kurz das, was ich schon geschafft habe, anzuschauen. Dann geht's wieder. ❤️ | ✨

6 Gedanken zu „ich klaue“

  1. B. sagt:

    Man spürt förmlich, wie gut dir der gestrige Tag getan hat.

    1. piri sagt:

      Ja, es war schön!

  2. Izzy sagt:

    Wunderbar geschrieben. So schön zusammengestohlen – das klingt wie ein bunter Wortteppich voller Leben. ❤️

  3. Sonja sagt:

    Ein großes JA dazu!

  4. Anne Seltmann sagt:

    Hallo liebe piri!

    Das ist kein Klauen, das ist Sammeln.

    Ich habe dir dazu ein Gedicht verfasst:

    ich sammle schöne wörter
    lege sie in schalen aus glas
    die ränder schneiden manchmal
    aber das licht bricht daran wie wasser

    ein wort wie feder
    schwerelos in der luft
    ein wort wie kiesel
    kalt und glatt in der hand
    ein wort wie moos
    weich genug um zu vergessen

    ich sammle wörter für die stille
    für die wege zwischen häusern
    für das atmen im schlaf
    für die pausen die niemand hört

    die wörter wachsen ineinander
    verfilzen wie wurzeln
    ziehen ihre fäden durch meine taschen
    und wenn ich sie verliere
    finden andere sie im gras

    ich sammle schöne wörter
    nicht um sie zu behalten
    sondern weil sie mir zeigen
    wie das ungesagte lebt“

    © Anne Seltmann

    Liebe Grüße

    Anne

    1. piri sagt:

      Danke Anne für das Wörtergedicht, noch ein Gedicht für mich. Ich fühle mich sehr geehrt.
      Regengruß

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