Gedanken

Lass uns reden

Lass uns offen in die Situation schauen. Ich habe Bauchschmerzen während ich das hier schreibe. Ich will es nicht wissen. In meiner Ursprungsfamilie herrscht die Meinung: Was ich nicht sehe/sehen will, gibt es nicht! Aber ich kann meine Augen nicht mehr verschließen. Carsten wird sterben. Wann, weiß ich nicht. Wir werden alle sterben. Wann wissen auch wir nicht. Jetzt, nachdem ich es geschrieben habe, möchte ich es schnellstens wieder löschen. Ich will es nicht wahrhaben, muss mich doch fügen. Deswegen, genau deswegen werde ich gegen die Angst anschreiben. – Nicht immer, aber immer öfter. Denn wenn klare Verhältnisse sind, dann schreibt/lebt es sich leichter, weil nicht auch noch Vertuschungsversuche angestellt werden müssen.

Carsten liegt noch im Bett und schläft. Zum Glück schläft auch Wiebke. Der Kerle hat gestern Abend versucht der Fußball WM der Frauen zu folgen. Das Zuschauen erforderte seine ganze Konzentration. Seine Augen sehen, wenn er müde ist, doppelt. Versucht einmal einem Ball zu folgen, wenn er scheinbar zweimal vorhanden ist. Ich habe große Hochachtung vor Carsten. Viel besser ist es, er hört das Spiel. Wie wir die richtige Kombination zwischen Bild und Ton finden – die Carsten auch selber beeinflussen kann – weiß ich noch nicht. Aber vielleicht mache ich mir zu viele Gedanken und der Kerle hat seinen Weg, Fußball mitzubekommen, schon längst gefunden. Es hat ihn geschlaucht, er war fix und fertig und er schlief heute Nacht und schläft, wie ein Murmeltier.

Ich werde beide nicht wecken. Wie ich allerdings Essen in sie reinbekomme, weiß ich auch noch nicht. Wiebke macht mir keine Sorgen, sie isst und hat ein Hungergefühl. Carsten muss ich wirklich zwingen. Aber ich muss aufpassen, dass ich ihn nicht überfordere, ihn bevormunde, ihn entmündige. Diese Gratwanderung zwischen festhalten und gehenlassen, zwischen Flügel geben und wurzeln – das ist verdammt schwer auszubalancieren!

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Mein Kaffee ist einmal wieder kalt geworden …

Veröffentlicht von piri ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Asperger-Autistin bin ich obendrein. ❤️ -*-*-*-*-*-*-*-*-  In Momenten, in denen ich an mir und meiner Arbeit zweifle und meine, nichts Gutes auf die Reihe zu bekommen, denke ich manchmal daran, mir kurz das, was ich schon geschaffen habe, anzuschauen. Dann geht's wieder ...

10 Gedanken zu „Lass uns reden“

  1. gerda kazakou sagt:

    gelesen. Meine Hochachtung.

  2. mijonisreise sagt:

    Fühl dich umarmt.

  3. B sagt:

    Gelesen. Auch meine Hochachtung.

  4. Alice sagt:

    Meine Hochachtung, aber die hast du sowieso, Alice

  5. piri ulbrich sagt:

    @Alle! Hochachtung? Warum? Ich mache doch nur das, was ich gerne mache – mit viel Liebe!

    1. gerda kazakou sagt:

      Nun habe ich auch deinen nächsten Post gelesen, Piri. Liebe ist ein zu großes Wort für einen Menschen, den ich persönlich gar nicht kenne. Aber hohe Achtung vor dem, was dieser Mensch mit Liebe tut – die darf ich ausdrücken. Herzliche Grüße, Gerda

      1. piri ulbrich sagt:

        Danke Gerda, ich freue mich über deinen Kommentar sehr und weiß die Hochachtung auch zu schätzen. Auch ich schätze deine Art sehr!

  6. B sagt:

    Gerda hat es wundervoll ausgedrückt, wie eigentlich immer.
    Ich bewundere auch, welche Kraft du hast.
    Liebe Grüße, Barbara

  7. christine b sagt:

    darf ich dich mal drücken und dir meine bewunderung aussprechen .ich wünsche dir, dass dir viel kraft zukommt! auch carsten und wiebke!

    1. piri ulbrich sagt:

      🙂

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