Geschichte

eine Brückengeschichte

Mir fällt zum Thema Brücke, Georg ein. Georg, der beste Mitschüler in meiner Klasse. Er war allseits beliebt und konnte so gut rechnen. Jeder, auch die Lehrer dachten damals, der wird bestimmt ein großer Architekt. Georg konnte aber noch viel mehr, er verdrehte den Mädchen reihenweise den Kopf, wickelte sie um seinen Finger und versprach ihnen das Blaue vom Himmel, nur um an eine Zigarette oder eine Flasche Bier zu kommen. Schon beim Abitur war er oft nicht recht anwesend, brachte dann aber doch den besten Notendurchschnitt zustande!

Gabi, seine Freundin war wiederholt ziemlich sauer auf ihn wenn er sturzbetrunken bei ihr auftauchte. Das hinderte beide aber nicht zu heiraten. Georg studierte ganz gegen unsere Vermutung Psychologie und Gabi brachte, nach ihrer Banklehre, das Geld ins Haus.

Dann sind wir weggezogen, ich hörte lange Zeit nichts mehr vom Freund aus Kinder- und Schultagen. Jedes Mal, wenn ich in meine Heimatstadt kam, dachte ich daran, die beiden zu besuchen, dachte, ob sie wohl Kinder haben und ob Georg eine Praxis aufgemacht hat? Im Telefonbuch fand ich sie nicht – das hieß aber gar nichts, denn menschenscheu waren sie schon immer.

Es gab immer etwas anderes zu tun – Zeit ist knapp und wir wohnen auch zu weit weg.

Jetzt aber habe ich durch eine Dritte gehört, dass Georg sich von seiner Frau getrennt hat (oder war es umgekehrt?) Kinder gibt es keine, vielleicht wären sie ein guter Grund gewesen, dass sich Georg besser in Griff gehabt hätte.

Denn heute, so habe ich gehört, lebt unser Kumpel von damals mit anderen Kumpels unter einer Brücke …

Veröffentlicht von piri

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5 Gedanken zu „eine Brückengeschichte“

  1. Horst Schulte sagt:

    Das Leben kann merkwürdige Wege gehen. Es gibt allerdings auch Menschen, die in der Schule keine Überflieger waren und eher sehr zurückhaltend. Die haben dann wirklich Karriere gemacht. Ich habe in meiner Lehre mit einem jungen, etwas älteren Mann zu tun gehabt, der hatte „nur“ Hauptschulabschluss und eine kaufm. Lehre. Dann wurde er entlassen und verließ das Unternehmen im Streit. Er hat das Abi nachgemacht, studiert und war danach Professor für Wirtschaftsethik.

  2. Jane sagt:

    Traurige Entwicklung.

  3. Sonja sagt:

    Ach du Schreck!

  4. Margrit sagt:

    Heftig.

  5. Nanu sagt:

    Das ist schon tragisch. Aber so ist das Leben häufig.

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