Allgemein, Gedicht

Kreise

Mal deine Kreise in Öl und in Kreide
mal sie bunt
nicht immer rund
– aber mal sie mit Freude!

© piri ulbrich

∙∙∙∙∙·▫▫▫▫ᵒᵒᵒᴼᴼ ᴼᴼᵒᵒᵒ▫▫▫▫∙∙∙∙∙· Noch schlafen sie, die Junioren. Aber am Nachmittag werden wir Kunst gucken!

19:21 Uhr

Schön war’s! Meine Junioren sind erfahrene Museumsbesucher*innen!

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Gedicht

Rezept

Jage die Ängste fort
Und die Angst vor den Ängsten.
Für die paar Jahre
Wird wohl alles noch reichen.
Das Brot im Kasten
Und der Anzug im Schrank.
 
Sage nicht mein.
Es ist dir alles geliehen.
Lebe auf Zeit und sieh,
Wie wenig du brauchst.
Richte dich ein.
Und halte den Koffer bereit.
 
Es ist wahr, was sie sagen:
Was kommen muss, kommt.
Geh dem Leid nicht entgegen.
Und ist es da,
Sieh ihm still ins Gesicht.
Es ist vergänglich wie Glück.
 
Erwarte nichts.
Und hüte besorgt dein Geheimnis.
Auch der Bruder verrät,
Geht es um dich oder ihn.
Den eignen Schatten nimm
Zum Weggefährten.
 
Feg deine Stube wohl.
Und tausche den Gruß mit dem Nachbarn.
Flicke heiter den Zaun
Und auch die Glocke am Tor.
Die Wunde in dir halte wach
Unter dem Dach im Einstweilen.
 
Zerreiß deine Pläne. Sei klug
Und halte dich an Wunder.
Sie sind lang schon verzeichnet
Im großen Plan.
Jage die Ängste fort
Und die Angst vor den Ängsten.
 
Mascha Kaléko

Gedankenchaos, Gedicht

Epitaph im Winter

die feigenblüten sind gegessen
ein wenig schnee mitte dezember
gegen vier uhr begräbt man ein kind
gelber himmel
das tierfell des bergs der nördlichen talseite

schlangengrau die feigenbaumrinde
für die reben hat morgantini
schon im herbst die pfeiler gesetzt
es wird kälter
sagt er im vorbeigehen           er kommt den paßweg
er sagt            mario hat nur sechs tage gelebt

Alfred Andersch

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Ich gebe zu, dieses Gedicht heute ist harter Tobak und dennoch hat es eine Poesie, die mich gefangen hat. Alfred Andersch ist sehr, sehr speziell. Mir ist in diesen kalten Wintertagen das morbide außerordentlich präsent. Ich träume vom Tod und den Toten – sie sind mir sehr nah. Viel zu nah. Es macht mir Angst. Es erinnert mich an meine eigene Vergänglichkeit.