Behinderung, Gedankenchaos, Junioren

Du Mama

Der Kerle liegt im Bett, den Kopf auf die Hände gestützt und mit gerunzelter Stirn: „Du Mama, ich denke nach!“ „Worüber denn? Jetzt kannst du erst einmal noch ein Weilchen schlafen!“ „Wie läuft das mit dem Auftritt? Was zieh‘ ich an? Und wenn das heiß wird, ich komme doch auf der Bühne nicht an mein Trinken ran!“ Das sind tatsächlich wichtige Fragen, besonders der letzte Einwand. Der Bandleader mag mich nicht auf der Bühne haben: „Da hast du nichts zu suchen!“ Stimmt. Nur, dann muss er sich auch um seine Bandkollegen sorgen. Dass sich der Kerle über den Durst Gedanken macht ist mir jedenfalls ein Hinweis, mich einzumischen.

„Du Mama, weißt du was? Wir rocken den Platz!“ Er trinkt einen Schluck süßen Kaffee, deckt sich den Plüschelch übers Gesicht und schläft noch ne Runde.

Allgemein, Gedankenchaos

Lichtenberg

Das Wort „Schwierigkeit“ muss gar nicht für einen Menschen von Geist als existent gedacht werden. Weg damit! | Georg Christoph Lichtenberg

Tränen sind dazu da, geweint zu werden – aber wie viele Tränen man weinen kann, ist unglaublich. Meine Tante ist gestern nach ihrem Mittagsschlaf nicht mehr aufgewacht. Ich hatte nicht gedacht, dass das solche Spuren bei mir hinterlässt. Ich habe sie sicherlich 10 Jahre nicht mehr gesehen. Sie war die jüngste Schwester meiner Mutter, unverheiratet und sehr eigenständig, unternehmenslustig und oft in den Alpen wandern. Als junges Mädchen fand ich die Tante seltsam. Sie kleidete sich immer sehr burschikos, trug schon damals fast ausschließlich Hosen und konnte mit mir, die sie als Püppchen bezeichnete, nichts anfangen. Sie urteilte nach dem Äußeren, denn meine Mutteer, ihre Schwester staffierte uns immer mit den schönsten selbstgenähten Kleidern aus: „Überflüssig!“, meinte meine Tante.  „Nur Schein und Fassade!“ Sie machte sich aber auch nicht die Arbeit einmal dahinter zu gucken!