Behinderung, Kuddelmuddel

direkt geschrieben

Ich seh etwas, was du nicht siehst!

Auch du siehst etwas, was ich nicht sehe! Was ist, wenn jemand immer weniger sieht? So passiert es dem Kerle. Schleichend schwindet seine Sehkraft. Der Ausschnitt wird kleiner und kleiner. Ich finde es bewundernswert, wie er damit klar kommt. 

Ein Freund, oder ist es nur ein sehr guter Bekannter? Nein, es ist ein Freund. Zwar kein enger, aber dennoch ein Freund. Dieser ist heute das zweite Mal am Auge operiert worden. Er hat ein Loch in der Netzhaut und hat berechtigte Angst sein Augenlicht zu verlieren.

Mein Töchting will nicht sehen, will die vielen Krümel übersehen, die sie unabsichtlich überrollt: „Wenn die Kekse auch im Weg liegen, wie soll ich da drum rum fahren?“

Ich selber habe Mouches Volantes. Nervt. Kann ich manchmal ausblenden. Bei hellem Licht nicht so einfach und jetzt, da ich vom Freund gehört habe, sind sie ständig präsent.

Behinderung, Junioren, Kuddelmuddel

heute am Morgen

Heute Morgen habe ich mich gefragt, was ich eigentlich mit diesem Weblog erreichen will? Ganz ehrlich? Ein bisschen Verständnis für pflegende Angehörige und natürlich Verständnis für mich. Pflegende Angehörige sind so individuell, wie andere Menschen auch. Man kann sie nicht katalogisieren. Besonders dann nicht, wenn sie selbst auch noch eine irgendwie geartete Behinderung haben. Man kann Menschen generell nur als Individuum sehen. Das macht es schwer! Weil wir alle, und da nehme ich mich nicht aus, gerne in Gruppen denken. Wir wollen, so sehr wir als Einzelpersonen wahrgenommen werden wollen, auch irgendwo dazugehören. Ich möchte auch dazugehören. Möchte ein Teil eines Ganzen sein und nicht das Ganze!

Ist das jetzt zu kompliziert? Ambivalent? Meine Junioren sind sehr speziell, ihre Behinderung gibt es weltweit nicht oft. Wir haben innerhalb Deutschland noch niemanden gefunden, der oder die vergleichbar ist. Ich kann ja noch nicht einmal meine eigenen Kinder vergleichen. Dabei wünsche ich mir nichts sehnlicher, als einen Austausch auf Augenhöhe. Aber bei den Menschen mit Glasknochen ist das nicht möglich, weil der Kerle und das Töchting kognitive Beeinträchtigungen haben. Bei den geistig behinderten Menschen ist es schwer, weil sie so zart sind und auf dem Rollstuhl sitzen. Bei den kleinwüchsigen Leuten ist entweder wieder das körperliche Anderssein oder das kognitive Denken ein Hindernis. Mein Töchting ist autistisch veranlagt, der Kerle das genaue Gegenteil. Essen ist für beide ein Problem. Gesellschaftliche Aktivitäten scheitern oftmals an meiner oder der Junioren Kraft. Ich habe auch wieder andere Interessen, als meine Kinder – auch untereinander. Gemeinsam sind wir ein Haufen Individualisten. Es liegt an mir, das unter einen Hut zu packen. Könnt ihr euch vorstellen, dass das verdammt schwer ist?

Ich hoffe dennoch immer noch auf ein bisschen Verständnis! Und ich hoffe darauf, dass ich hier und da auch einmal Resonanz bekomme…

Kuddelmuddel

Zensus

Zensur ist geheime Empfehlung durch öffentliches Verbot. | Dieter Hildebrandt

Ich merke, dass ich mich immer mehr selbst zensiere. Das ist nicht gut. Es macht mich unfrei. Ich habe das Bedürfnis höflich zu sein und möchte durch meine Art und Weise Dinge anzusprechen, niemanden verletzen. Aber wenn die Konsequenz darin besteht, dass ich gar nichts mehr sage, dann ist das, für alle Beteiligten, auch keine Lösung!