Gedanken

manchmal

Heute Morgen um halb zehn hatte ich alles besorgt, was ich wollte. Sogar einen schönen kleinen etwas schiefen Baum. Alles, was ich brauche, ist daheim. Zuhause angekommen war es still, ruhig. Niemand hat Krach gemacht, es lief keine Musik, nur vorm Haus fuhren vereinzelt Autos vorbei.

Jäh wurde die Ruhe unterbrochen. Hektik auf der Straße und kurz darauf Blaulicht und Sirenengeheul – die Feuerwehr ist ausgerückt. Das Kopfkino war angeschaltet. Die anschließende Stille war laut. Ich sitze am Fenster und warte auf die Rückkehr der Löschfahrzeuge!

Manchmal ist Stille lauter als die leisesten Töne. Wenn im Kopf die Gedanken kreisen. Wenn sich diese aber zur Ruhe setzen während ich die Kerze anzünde, dann bekommt das Schweigen in mir eine ganz andere Priorität. Die Flamme flackert auf einmal nicht mehr unruhig, sondern sie leuchtet sanft, und ich verliere mich in Träumen.

Veröffentlicht von piri

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Im Autismus-Spektrum bin ich obendrein. In Momenten, in denen ich an mir und meiner Arbeit zweifle und meine, nichts Gutes auf die Reihe zu bekommen, denke ich manchmal daran, mir kurz das, was ich schon geschafft habe, anzuschauen. Dann geht's wieder. ❤️ | ✨ Bitte kommentiert! ✉️

3 Gedanken zu „manchmal“

  1. IMT sagt:

    Manchmal liest man einen Text und merkt erst beim letzten Satz, dass man selbst still geworden ist. Die Kerze, die ruhiger leuchtet, habe ich beim Lesen richtig gesehen. Schön, wie du der Stille Raum gibst.

  2. Anne Seltmann sagt:

    Guten Morgen liebe piri!
    Das liest sich wie ein Moment zwischen zwei Atemzügen.
    Diese plötzliche Stille nach der Unruhe hat etwas Eigenartiges – fast Ehrfürchtiges. Sie zwingt einen hinzuhören, nach innen wie nach außen.
    Schön, wie du beschreibst, dass die Gedanken erst kreisen dürfen und sich dann mit dem Kerzenlicht beruhigen. Als hätte die Stille selbst gemerkt, dass sie jetzt tragen darf und nicht mehr drücken muss.
    Manchmal braucht es genau diese leisen Augenblicke, in denen nichts passiert – und doch so viel.

    Herzliche Grüße aus dem Norden

    Anne

  3. karfunkelfee sagt:

    Liebe piri,
    Wenn ich nach besonders aufwühlenden Tagen zu Hause sein kann hilft es mir, eine Kerze anzuzünden und den leisen Tanz der Flamme zu betrachten. Sie verzehrt Wachs, Sauerstoff, meine Unruhe auch und auch meine wirbelnden Gedanken bis ich innerlich leer und friedlich geworden bin.

    Du hast dieses Gefühl trefflich in Deinem Text beschrieben!
    Und Du hast einen Weihnachsbaum, das ist ja super!
    Ein Bisschen schief ist er auch?
    Das macht ihn nur noch hübscher.

    Viele liebe Grüße sagt
    Amélie

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