man sieht nur vor den Kopf

Mir sieht man meine Angst nicht an. Der Nachbarin die Depression nicht und dem Mann eine Straße weiter nicht, dass er einen künstlichen Darmausgang hat.

Manchen behinderten Menschen sieht man nicht an, dass sie kognitiv eingeschränkt sind, und damit überfordert man sie. Man sieht die Anstrengung nicht, die Kraft nicht, die investiert werden muss, damit das normale Leben weitergeht. Um normal leben zu können, muss ich mich für mich und die Junioren doppelt anstrengen – ich bekomme Hochachtung und auch Bewunderung dafür. Zugegeben, das tut gut und hiermit wiederhole ich mich: Statt Bewunderung hätte ich gerne tatkräftige Hilfe. Jemanden, der/die Junioren ins Auto setzt oder uns beim Essen zur Seite sitzt, der/die nicht nur dabei steht, sondern sieht, was getan werden muss. Meistens sind es Kleinigkeiten. Etwas, was runtergefallen ist, aufheben, zum Trinken ermahnen oder einfach mal da sein und die Klappe halten.

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Meine Ängste verschwinden dadurch nicht, werden aber kleiner. Weil ich/wir gesehen werde(n) und weil vielleicht einmal versucht wird, in den Kopf zu gucken.

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Im Autismus-Spektrum bin ich obendrein und habe Wünsche. In Momenten, in denen ich an mir und meiner Arbeit zweifle und meine, nichts Gutes auf die Reihe zu bekommen, denke ich manchmal daran, mir kurz das, was ich schon geschafft habe, anzuschauen. Dann geht's wieder. ❤️ | ✨

Kategorien: Gedankenchaos

5 Kommentare

  1. Wie recht du hast. Für uns aussenstehenden ist es oft schwierig zu merken / verstehen ob und wie Hilfe gebraucht wird. Ich wurde letzthin angeschnauzt mit; „das kann ich selbst“ als ich im Supermarkt einen älteren Rollifahrer fragte ob er Hilfe braucht. Das kann uns abschrecken Hilfe anzubieten. Ich weiss, es sind nicht alle so unfreundlich, trotzdem ich war etwas geschockt und später traurig. Hab i h es doch gut gemeint.

    • Liebe Margrit, auch behinderte Menschen haben das Recht Blödmänner/frauen zu sein. Es tut mir leid für dein Erlebnis im Supermarkt!

  2. Ich kann Dich verstehen, weil es mir ähnlich geht.
    Nach außen hin sieht es einfach aus, was es dafür an Kraft finden und nutzen bedeutet, sieht man nicht (unbedingt).
    Grüße durch den Regen, ich wünsche Dir, dass Du Dich heute gesehen fühlst (vielleicht auch gerade durch mich, lächel).

  3. Liebe Petra, ich tue mich mit dem Kommentieren in deinem Blog oft schwer, weil mir peinlich bewusst ist, dass hier jedes aufmunternde oder tröstende Wort zu wenig ist. Ein Almosen quasi – wenn überhaupt. Wenn es aber Deine sehr verständlichen Ängste auch nur um eine Winzigkeit kleiner macht, Zeichen der Wahrnehmung zu erhalten, dann hier ein „Mut und Kraft!“ von mir.

    • Danke, liebe Christa. Es freut mich deine Kommentare zu lesen. Ich weiß sehr wohl, dass es es dir/euch schwerfallen muss hier zu kommentieren, weil ihr aus der Entfernung ja gar nichts machen könnt.
      ❤️lichen Dank!

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