Kuddelmuddel

Gefunden

Diejenige weiß schon …

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Sonntagmorgen, erster Advent, noch keine Kerze brennt und hier im Haus ist es still. Ein Kaffee mit Kakao, eine warme Decke, ein Buch von Zsuzsa Bánk (Sterben im Sommer), ein Vorlesebuch für die Junioren von Jostein Gaarder (Das Weihnachtsgeheimnis) und Ruhe. Natürlich mit den obligatorischen Bauchweh, das keine somatischen Ursachen hat, mit denen ich umgehen kann.

Draußen, vor der Tür, sind Minusgrade und die Holztreppe knackt. Das geöffnete Fenster ist betriebsblind, aber die Sterne halten, was sie versprochen haben – sie funkeln. Es wird Winter und bald Weihnachten, doch es kommt mir so vor, als sei das Jahr völlig an mir und an uns Menschen vorbeigegangen. Dieses Jahr wollte ich im Sommer groß Geburtstag feiern. Ich habe doch nur alle vier Jahre und dieser Geburtstag wurde mir geklaut, auch wenn er mit Blaulicht auf einer Fahrt zur Intensivstation begann.

Was ist das für eine Welt, die wir uns da erschaffen haben? Globalisierung fordert einen großen Preis. Wie viele Menschen müssen noch sterben? Aber wie viele Menschen sterben einen unsinnigen Tod? Und wenn wir im Nachhinein schauen, was haben die Menschheit daraus gelernt? Habe ich was gelernt? Oder machen wir alle in Variationen dieselben Fehler immer und immer wieder?

Was für ein Gedankenkuddelmuddel am frühen Morgen…

Familie, Kuddelmuddel

Langweilig

Unser Leben ist langweilig. Für andere. Für uns. Für euch und überhaupt. Jetzt, da Corona ist, passiert noch weniger. Basteln, im herkömmlichen Sinn, können die Junioren nicht und so haben sie auch wenig Interesse daran. Wir werden es dennoch heute tun – Sterne basteln. Für die Fenster! So viel lieber würde ich mit ihnen schwimmen gehen. Aber das Thema hatten wir ja schon.

Unsere Nacht war/ist, na ja, stinkig! Wenn Carsten und Wiebke aufstehen, müssen sie baden, ich werde die Waschmaschine heiß laufen lassen und alles wird wieder sauber sein. Falls irgendjemand auf die Idee kommt, dass ich ihnen ja Windeln anziehen könnte, dem wünsche ich ein Leben mit Windeln. Mehr sage ich nicht dazu! 

Warten. Mein Leben besteht zu einem Großteil aus warten. Vermutlich bin ich kein Einzelfall. Wir warten alle. Auf jemanden, auf Gelegenheiten, auf die Liebe, aufs Essen und schlussendlich auf den Tod. Ich warte viel darauf, dass ich etwas für die und mit den Junioren tun kann, sie in ihrem Leben unterstützen kann. Das heißt nicht, dass ich kein eigenes habe – es ist nur nicht das, was man allgemein, als normal bezeichnet. Unnormal heißt aber auch nicht gleich aufregend! 

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Wir haben Post bekommen! Noch einmal ganz viele Knicktrinkhalme, zwei schöne Lesebücher für mich und mehrere CD für die Junioren. Da die Absenderin keine Adresse, noch nicht einmal den Nachnamen angegeben hat, kann ich mich nur hier für die wunderbare Überraschung bedanken. Und die Strohsterne aus dem anderen Brief kommen an unser Adventsgesteck – auch darüber habe ich mich sehr gefreut. 

Ein bisschen Freude ist notwendig. Unser bester Freund ist geistig sehr verwirrt, seine Lebensgefährtin meint, dass Die Junioren ihn als fröhlichen Menschen in Erinnerung behalten sollen. Ich werde ihn noch einmal besuchen und habe große Angst davor. Wie begegne ich ihm? Kann ich etwas falsch machen? Und, wenn ich weine? Alles ist richtig. Es gibt kein richtig und falsch. Wenn ich bei ihm bin, bei ihm war, hat sich immer alles gefügt. Aber jetzt wird es vermutlich die letzte Begegnung sein. Es heißt Abschied nehmen. Wer nimmt schon gerne Abschied? Ich bin mir meiner eigenen Endlichkeit bewusst und glaubt mir, das stresst mich…

… übrigens weiß ich nun auch warum mir ständig kalt ist. Meine Körpertemperatur geht nie über 36°C Grad hinaus. Ich habe ständig Untertemperatur!

Kuddelmuddel

Ich bin wichtig

Wirklich? Es fühlt sich nicht so an – sollte es aber.

Momentan bin ich on/off/on/off/on/. Manchmal könnte ich Bäume ausreißen, dann ist plötzlich das Licht aus und ich muss schlafen – nur schlafen. Es ist gut und auch sehr wichtig für mich, muss ich meine Kräfte einteilen. Draußen, im Garten, komme ich gut voran. Die Hilfe meines Nachbarn ist Gold wert. Was täte ich nur ohne ihn? Der Winter kann kommen – draußen ist alles gerichtet. Ein bisschen schön machen vielleicht noch. Drinnen ist es auch gut – im Haus. Alles paletti, alles tiptopp. Auch noch ein bisschen schön machen – aber, alles hat seine Zeit und Zeit habe ich genug! Zeit für Krimskrams; ein Adventsdorf basteln, für Kerzenlichter und Kickeldy. Nur keine Zeit für mich – ich nehme sie mir einfach nicht. Ich schlafe!

Ich mag den November – da kann ich ungestraft schlafen und träumen! Tagsüber! Nachts liege ich oft wach – bin auch immer pünktlich zur Stelle den Kerle zwischen zwei und halb drei umzudrehen und das Töchting ins Bett zu schieben. Ich möchte den sehen, der danach – jede Nacht – sofort wieder einschlafen kann! Manchmal gelingt es mir, manchmal eben nicht.

Ich bin wichtig! Nehme ich mich nicht manchmal vielleicht zu wichtig – oder?