Kuddelmuddel

Schnauze voll

Eine Krise macht Notleidende nicht unbedingt zu besseren Menschen, öffnet aber den Blick auf Gleichgesinnte.
Frank Roselieb

Oh menno, war das ein Tag! Ich weiß, ich darf mich nicht beschweren, steht mir nicht zu, denn dann sind sofort die Kritiker wieder vor Ort und erzählen mir, dass ich ja doch nur überfordert bin und blbla bla…

Heute war alles drin, vom Klohäuschen, das sie uns in die Carporteinfahrt gestellt haben, ohne mich vorher zu informieren – das Haus, in dem wir wohnen, wird ‚teilgestrichen‘ – bis zu einer Option meine Gedichte zu veröffentlichen. Dazwischen die ganze Bandbreite an Gefühlen, einschließlich der Sorge um einen meiner Brüder und dem Frust, dass wir Geschwister es nicht auf die Reihe bringen auch mal Kleinigkeiten, wie eine Herzoperation am offenen Herzen uns gegenseitig zu erzählen.

Ihr könnt mich alle mal gerne haben! Heute Abend nehme ich keine Rücksicht mehr. Auf niemanden! Ich werde meine Junioren gewohnt liebevoll ins Bett bringen, hoffen, dass der Kerle vorher noch die Erdbeeren und den Käse gegessen, das Töchting nicht ihren Plüschpapagei vor lauter Liebe den Hals umgedreht hat und dass der Nachbar Freund der Nachbarin von Gegenüber nicht wieder unseren roten Fridolin eingeparkt hat, denn das wäre fatal. Fatal für mich, denn dann könnte ich nicht ein Stündchen durch die Nacht fahren, meinen Frust ablassen.

Manchmal denke ich, dass Familie nichts für Weicheier ist – besonders meine nicht. Die Ursprungsfamilie und die Kernfamilie – beide!

Bitte nicht nur liken – sind doch die Kommentare das Salz in der Suppe. Danke!

Behinderung, Kuddelmuddel

das Leben

All diese Tage, die kamen und gingen: Ich hätte nicht gedacht, dass sie das Leben sind. | Stig H. Johannson

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Das Problem mit der Überschrift

Das Problem wegen der Überschrift, ist das kleinste Problem. Aber wie soll ich anfangen, ohne die Dramatik zu dramatisieren? Wie soll ich objektiv erzählen, wenn ich innerlich zerspringe? Draußen läuft das Leben einfach weiter – als sei nichts geschehen, als würde nirgend ein Unheil passieren! Ist das normal? Was ist normal? Zählt ein einzelnes Leben nicht? Aber auch ich sehe nicht die Ängste anderer Menschen, sehe nicht ihren Schmerz und sehe nicht, will es vielleicht auch gar nicht sehen – nein, ich will es nicht sehen, ich habe mit meinem eigenen Schmerz viel zu viel zu tun, da kann und will ich mir nicht auch noch die Sorgen anderer anhören. Auch wenn ihr Schmerz, zwar ein anderer ist, aber mindestens genauso heftig wehtut, wie meiner. Kann man, darf man überhaupt vergleichen? Ist das nicht blasphemisch?

Wo anfangen zu schildern? Bei der Geburt des Kerle? Damit fing mein Schmerz an. Ich wusste damals noch nicht, wie viel mehr Schmerzen noch auf mich zukommen. Wie viel Schmerz ein Mensch aushalten kann – was eine Mutter aushalten kann? Mein Kind stirbt! Noch nicht heute und hoffentlich auch nicht morgen. Aber er wird von Tag zu Tag weniger und ich stehe völlig allein da. Niemand fühlt sich in der Lage mit mir zusammenzusitzen und mit mir zu reden – niemand hält es aus, mich aus, die Situation aus … Sogar die Pastorenfreundin flüchtet, weil auch sie Angst hat. Ich kann nicht weglaufen, ich werde es aushalten müssen, werde zugucken müssen und nichts tun können, um meinem Kind zu helfen. Ich kann nicht helfen! Stattdessen werde ich wütend und zornig – verlange von den Junioren, auch vom Töchting Dinge, die sie nicht leisten können. Nicht mehr leisten können. Auch deswegen nicht leisten können, weil sie behindert sind. In meiner ganzen Ohnmacht werde ich ungerecht. Was mich traurig macht, ist die Tatsache, dass ich mich im Stich gelassen fühle, dass ich die Hilflosigkeit der anderen spüre und mich doch so sehr danach sehne, nicht alles mit mir selbst ausmachen zu müssen. Ich wünsche mir – und da sind wir bei meinem Hauptthema – ein Gegenüber, das mich mit meinen Sorgen und Ängsten aushält und mir zuhört. Auch dann, wenn ich immer und immer und immer und immer wieder dasselbe erzähle. Vielleicht gibt es doch einen Weg aus dem Irrgarten. Und wenn nicht, dann wenigstens ein offenes Ohr und ein Herz, das meine Sorgen teilt!

P.S.: Eigentlich ist der Beitrag ungehörig, aber ich weiß, dass ich mit diesen Sorgen nicht allein bin (Paradox, nicht wahr?). Mag sein, dass andere Menschen andere Sorgen haben, aber sie sind möglicherweise sogar in diesem Moment genauso verzweifelt, wie ich es bin. Gibt es kein Krisenmanagement in diesem doch so reichen, ach so sozialen Deutschland? Wie viele Menschen sitzen gerade irgendwo und können nicht mehr?

Bitte keine mitfühlenden Kommentare. Dass ihr mitfühlend seid, weiß ich, dass ihr gerne helfen würdet, aber nicht könnt, auch. Dass sich bei euch Hilflosigkeit breit macht, tut mir leid und auf keinen Fall möchte ich ein schlechtes Gefühl wecken – vielleicht einen Impuls: schaut mal, was ihr in eurer Umgebung machen könnt, haltet die Augen und Ohren auf und guckt, wo ihr tatkräftig helfen könnt.

Danke! | P.P. S.: Ich schreibe direkt ins Eingabefeld und Bitte wirklich keine Likes, denn ich könnte nicht verstehen, warum man so einen Beitrag als Gefällt mir kennzeichnen kann.

Kuddelmuddel

Rattenworte

Das war einmal ein Leser*innenpasswort. Der Kerle möchte ein Tattoo auf dem Oberarm – ihr ahnt es sicherlich, es soll eine Ratte werden. „Weil ich ja eine Hamelenser Ratte bin!“ Jetzt ist er ebenda gepikst worden und sein Wunsch nach Körperschmuck ist stark geschrumpft!

„Magst du diese Ratte haben?“ „Nein, die hat A. doch dir geschenkt!“