Behinderung, Junioren

Timeline

Mir ist heute Morgen ein Foto vom Kerle in der Timeline angezeigt worden, das vor fünf Jahren geknipst wurde. Es hat mich erschreckt. Damals wog Carsten nur elf Kilo. Genauso sah er auch aus – hager, grau im Gesicht und völlig schlapp!

Heute wiegt er fünfzehn Kilo. Mag sein, dass das nicht viel mehr klingt. Für den Kerle ist es ein Quantensprung. Er hat von neuem Bäckchen, die Haut ist prall und gut durchblutet, seine Sprüche sind wieder frecher und philosophischer und überhaupt macht er einen besseren Eindruck.

Damals habe ich damit gerechnet, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Tagtäglich hatte ich Angst. Tagtäglich hat er gekotzt ohne Ende. Stört euch nicht an dem Begriff kotzen, es war so. Sämtliche Nahrung kam schwallartig, wie aus einer Fontäne geschossen, wieder raus. Das Töchting hatte Angst und schrie, konnte sich nicht beruhigen und ich wusste nicht, wen ich zuerst beruhigen sollte.

Essenstechnisch haben wir einen Rückschritt gemacht: Carsten wird heute fast ausschließlich durch die PEG ernährt. Aber so bin ich sicher, dass er nicht verhungert. Mein Ziel ist, dass er noch ca. zwei bis drei Kilo zunimmt, dann ist alles paletti!

Behinderung, Gedankenchaos, Junioren

es darf schon beides sein

… harte Arbeit mit Pflege und Freude am Leben.

Pizza, Weißweinschorle, Apfeltee, Cola, Ovomaltine, Aprikosen, Himbeeren, nicht zu vergessen Eis, frischer Wind aus dem Lüfter, ein gutes Buch, nein zwei, Kaffee zum wach bleiben, heute Abend spielt die Nationalmannschaft ja Fußball …

Es ist nicht so leicht bei der Hitze die Junioren dazu zu bringen was zu trinken. Ich rede mir den Mund fusselig: „Ja, mach ich ja!“ „Hab doch schon!“ „Nee, nicht so viel!“ „Gibt‘s kein Bier?“ Doch, gibt es – aber wenn keiner fragt! Jetzt hat er eins, ein alkoholfreies!

Hitze

Am Samstag wird eine starke Wärmebelastung erwartet. Die Hitze wird alte und pflegebedürftige Menschen extrem belasten. Mit einer zusätzlichen Belastung aufgrund verringerter nächtlicher Abkühlung ist insbesondere in dicht bebauten Gebieten zu rechnen. Heute ist der 3. Tag der Warnsituation in Folge. Vermeiden Sie nach Möglichkeit die Hitze, trinken Sie ausreichend Wasser und halten Sie die Innenräume kühl.

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21:49 Uhr – Die Dämmerung bricht herein, es ist immer noch viel zu warm. Drinnen und draußen!

Behinderung, Junioren

Stadtgang, Vernissage, Duftöle, usw

Also, die Vernissage war schon gestern! Ein Fotograf hat die Bewohner einer Behinderten-WG eine Zeitlang begleitet und feine menschliche Fotos gemacht. Während der Ausstellungseröffnung konnte der Kerle neue Kontakte knüpfen, aber wir haben auch viele bekannte Gesichter gesehen und mit den Menschen gesprochen.

Der anschließende Spaziergang am Neckar entlang war ein toller Abschluss des Tages. Leider hatten wir für ein Eis kein Geld dabei. „Mama, das müssen wir heute unbedingt nachholen.“ Wiebke liebt Schokoladeneis!

Am Morgen war ich erst einmal beim Doctore und darf mal wieder Pillen schlucken.

Nach dem Mittagessen in der Werkstatt hab‘ ich mir die Junioren geschnappt und wir sind ab durch die Mitte ins Großstädtchen. „Wie machen Sie das? Schieben Sie zwei Rollstühle alleine?“ Ja, wenn uns niemand begleiten kann, ist das auch nicht so schwer. Mit ein bisschen Übung flutscht das bei mir. Nur manchmal darf halt niemand im Weg stehen!

Im Drogeriemarkt meines Vertrauens brauchte ich Gesichtsreinigung und ’ne getönte Tagescreme. Die Herrschaften standen mit ihren Errungenschaften friedlich am Rand. Eine Kosmetikfachverkäuferin sah sie fröhlich grinsen: „Wartet mal einen Moment, ich habe da was für euch.“ Sie kramte in der Schublade und zog aus deren Untiefe zwei herrliche Duftöle hervor – keine Pröbchen. Unverkäufliche Muster in Originalgröße. Strahlende Gesichter und überschwängliche Danksagungen meiner Kinder waren ihr gewiss. Fast hätte sie noch einmal hineingegriffen, aber da habe ich abgewunken. Heitere gut gelaunte Menschen – das Verkaufspersonal, samt Kerle und Töchting.

Zum Ausklang der Einkaufssause sind wir dann noch an den Neckar – das beste Eis der Stadt vertilgen!