Kuddelmuddel

Der Rote am Abend

Mama, warum malst du nichts mehr? Tja, gute Frage. Ich kritzele nur noch – mehr schlecht als recht und Sekundenlang. Vorhin, als mein Töchting ein bisschen feucht nach Hause kam und Carsten stolz seine angemalten Kastanien als Antriebsraketen bezeichnet hat, diese stolz auf Zahnstocher stellte und glücklich betrachtete, lag da dieser Stift. Innerhalb 10sec war der Busfahrer skizziert. 

Mama, du kannst es ja doch noch. 

Kuddelmuddel

Rilke und Mut

Wir müssen unser Dasein so weit, als es irgend geht, annehmen; alles, auch das Unerhörte, muss darin möglich sein. Das ist im Grunde der einzige Mut, den man von uns verlangt: mutig zu sein zu dem Seltsamsten, Wunderlichsten und Unaufklärbarsten, das uns begegnen kann.

Gestern Abend habe ich Muße gefunden einmal wieder Rilke zu lesen. Ich kann das nur häppchenweise, denn wie viele Frauen meiner Generation einen Narren an Hesse gefressen haben, so ist das bei mir Rilke. Der Mensch, als solches ist mir suspekt – er muss ein wahrer Macho gewesen sein. Dennoch mag ich seine Gedichte. Sie regen mich auf und an zum Nachdenken. Gerade dieses Zitat, das aus einem Brief an Kappus stammt, beschäftigt mich gerade in dieser Zeit. Mut ist ein Thema, ein starkes Thema für mich. Und gerade weil ich ängstlich bin, bin ich auch sehr mutig – war es schon immer. Erinnern kann ich mich, dass ich als Kind auf die höchsten Bäume geklettert bin und Blut und Wasser geschwitzt habe, dass ich mir nicht nehmen ließ, Felsen hochzuklettern und Kirchtürme waren nur beim Hinuntersteigen eine Herausforderung für mich. Dennoch habe ich meine Angst nie verloren, auch wenn ich noch so waghalsigste Dinge machte. Die Angst ist in mir. Wenn ich etwas machen kann – auf Türme steigen zum Beispiel – dann kann ich die Angst annehmen, besiegen will ich sie ja gar nicht. Aber wenn ich eine diffuse Angst habe, eine nicht greifbare eine surreale – vorm telefonieren zum Beispiel  – dann steht sie, wie der schwarze Hund vor mir und ich bin wie gelähmt.

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Heute muss ich einige Telefonate führen, mein ganzer Körper zittert. Ich weiß, ich werde es schaffen – aber ich brauche ne Menge Mut!

Behinderung, Kuddelmuddel

weitermachen

Natürlich weitermachen – was habe ich für eine andere Wahl? Den Kopf in den Sand stecken, darauf warten, dass sich plötzlich alles schlagartig ändert. Artig ändert? Mir wäre schon lieb, wenn sich überhaupt etwas ändert! Aber da sich anderweitig nichts ändert – jedenfalls nicht zum Guten, was immer das auch sein mag  – muss ich mich ändern. Mein Verhalten ändern, meine kruden Gedanken in eine andere Richtung lenken. Oje, ganz leicht dahin geschrieben, aber verdammt schwer umzusetzen. Habt ihr schon mal versucht das Gedankenkarussell im Kopf abzustellen? Das läuft immer weiter. Die steigenden Infektionszahlen halten mich in griff. Unsere Aktivitäten werden mehr und mehr beschnitten. Es heißt, sich einzuigeln in der eigenen Wohnung und sich zu überlegen, was mit Junioren anzufangen ist, denn spazieren gehen ist, sobald es draußen regnerischer und kälter wird mit diesen beiden Frostkötteln nicht drin.

Weitermachen, wie bisher geht nicht – aber weitermachen im Sinne von nicht aufgeben, das werde ich mit all meinem Mut, den die Angst zulässt, tun…