Kuddelmuddel

Entschuldigt

Mir ist so gar nicht weihnachtlich zumute. Wenn jetzt noch irgendjemand sagt: „Mach das Beste draus!“, fange ich an zu schreien. Diese Pandemie bringt mich an den Rand meiner Grenzen. Aber ich wiederhole mich ständig und immer. Wenn denn wenigsten jemand da wäre, mit dem ich reden könnte, nicht nur daherreden, sondern auch Quatsch machen, Ängste bereden. Was nun zu tun ist. Ob ich die Junioren in die Werkstatt schicken, oder lieber daheim lassen soll? 

Manche Helferin kommt nicht, weil sie uns nicht gefährden will, sie hat beruflich sehr viele verschiedene Kontakte. Eine andere Besucherin geht mir einfach auf den Keks. Sie ist sehr allein und freut sich uns zu helfen. Sie kommt, spielt und vertreibt uns und sich die Zeit. Das ist gut! Dennoch bin ich genervt. Sie unterbricht die Eintönigkeit nicht, sie verstärkt sie. Kommunikation ist eine Einbahnstraße. Ich trage nichts dazu bei, weil wir in Parallelwelten leben. 

Es ist halb acht am Morgen. Die Junioren schlafen. Wir haben eine warme Wohnung, genug zu essen und sind nicht infiziert. Ich bin nicht arm, fühle mich nur alleingelassen. Was habe ich für ein Luxusprobleme? Entschuldigt mein Kuddelmuddelgedankenchaos!

Kuddelmuddel

Eigentlich

Eigentlich sollte ich heute zum Check-up zum Doc, uneigentlich ist das nicht möglich, da die Junioren daheim bleiben wollten. Kann man verstehen. Nach den beiden Hiobsbotschaften von gestern. Die Nacht war ruhig, Carsten hat nur einmal geschrien. Wiebke nimmt das alles nicht so sehr mit – jedenfalls zeigt sie es nicht.  Ich bin durch den Wind. Meinen Sohn konnte ich trösten, meine Tochter auch. Wir haben gesprochen, und werden es heute noch oft tun, was wir zusammen erlebt haben, wie wir gesungen und gespielt haben. Carsten tut es gut zu reden und zu schweigen, er weint nicht. Aber wo soll ich mit meinen Tränen hin, wenn meine Kinder keine haben?

Eigentlich sollte ich heute endlich einmal wieder gründlich untersucht werden. Ich habe geschlampt, das gebe ich offen zu. Meine Bronchien rasseln und auch der eiserne Heinrich ist wieder da und schnürt seine Ringe um meine Brust. Von diversen anderen Zipperlein möchte ich nicht schreiben. Die Junioren müssten ebenfalls dringend zum Orthopäden. Beide sitzen, wie Schluck Wasser in der Kurve auf ihren Rollstühlen. Beide klagen über Rückenweh. An den Kampf mit der Krankenkasse um eine bzw. zwei neue Sitzschalen mag gar nicht denken. Das wird wieder viele Nerven kosten und Überzeugungsarbeit. Wenn ich mir vorstelle, dass laut Aktenlage entschieden wird, ohne die Menschen zu kennen, sie noch nicht einmal angeschaut werden, dann überkommt mich manchmal schon der heilige Zorn.

Es wird kalt. Genug gelüftet. Der Kaffee ist kalt, es ist Freitag und hoffentlich kommt wenigstens heute Nachmittag der Musiktherapeut …