Kategorie: Gedankenchaos

Sorgen nicht vergleichen

Das darf man nicht! Jede Sorge ist groß und sei sie noch so klein. Für die oder den, der die Sorge hat, ist sie im Moment das, was zählt – und sei es ein Pickel auf der Nasenspitze! Okay, das Beispiel mit dem Pickel und Sorge ist gewagt, aber ich glaube ihr versteht was ich meine.

So ganz vom vergleichen frei bin ich nicht. Meine Sorgen, so denke ich oft, sind speziell. Aber wenn ich sie näher angucke, sind sie so alltäglich wie bei jedem anderen Menschen – nur eben auf mich zugeschnitten. In der Regel sind sie lösbar und wenn sie sich nicht lösen lassen, oft gar nicht wichtig. Wenn sie schwerwiegende sind, dann findet sich auch ein Weg. Nicht immer sofort und manchmal ist der Weg nicht der, den man auch freiwillig gehen will – manchmal wird für einen gegangen. (Himmel erzähle ich ein Schwurbel!) Es geht um ganz reale Sorgen. Hier herrscht kein Krieg, wir haben genug zu essen und zu trinken – nur muss ich jeden Bissen und jeden Schluck, die Junioren haben kein Gefühl für Hunger und Durst, in deren Mund reden. Das heißt manchmal unsägliche Diskussionen führen, denn, was nicht gespürt wird, erscheint nicht notwendig! Gestern hat mein Töchting so wenig getrunken, dass sie leicht wirr im Kopf war. Sie hat geweint und war unleidlich, aber getrunken hat sie nichts. Je mehr ich auf sie eingeredet habe, umso mehr hat sie abgeblockt! Sind das jetzt Sorgen in Anbetracht der Weltlage mit Preisanstieg, Krieg, Ressourcenknappheit, Frauenfeindlichkeit bei den Taliban, Kindersoldaten, häuslicher Gewalt, Drogen etc. pp und ich kann diese Liste endlos weiterführen. Da sind doch meine kleinen Sorgen, Peanuts. Nein, sind sie nicht. Denn es sind hautnahe, ganz elementare eigene Sorgen. Und ich denke, jede*r sollte ihre Sorgen ernst nehmen.

Kuddelmuddelgedankenchaos

lügen

Wenn ich es gründlich überlege, dann komme ich manchmal dazu mir eingestehen zu müssen, dass ich mir selbst in die Täsch lüge. So sehr möchte ich glauben, dass genug Helfer*innen da sind. Es ist oft jemand da, aber manchmal möchten die Junioren etwas anderes machen – etwas, was nicht in drei Stunden passt. Ins Museum gehen, in ein Museum, das ein bisschen mehr erfordert, als nur Bilder angucken. Einen Ausflug machen, der nicht nur ein Spaziergang ist, der mich ein bisschen herausfordert und die Junioren auch. Immer zum gleichen See – das kann ich mit den Rollstühlen auch alleine. Ich möchte für die Junioren Helfer, die nicht nur Kleinkinderbilderbücher vorlesen und MenschÄrgereDichNicht spielen. Der Kerle braucht einen Mann an seiner Seite, jemanden mit dem er sich reiben kann! Wir brauchen Menschen, die mit uns essen und die Essenssituation aushalten. Wo ich nicht, um des lieben Friedens Willen meine Tochter in ihrem Zimmer essen lasse und dem Sohn zugestehe, mal wieder nichts zu essen.

Kompromisse machen, ist gut und schön. Sich dabei selbst zu verbiegen kontraproduktiv und macht auf die Dauer unglücklich. Doch wo bekomme ich diese Menschen her, die wir dringend brauchen? Zupackende, selbstständig denkende, fragende, emphatische, freundschaftliche, reflektierende, kritische Menschen! Es gibt sie ja – nur eben nicht dann, wenn wir sie brauchen! Bin ich jetzt zu wählerisch und anspruchsvoll?

Langeweile

Schmuddelwetter am zweiten Weihnachtsfeiertag. Es regnet sich ein. Mir ist langweilig! Dabei hätte ich genug zu tun. Aufräumen, ein bisschen putzen – die Plätzchenkrümel und Schokoladensplitter – ich könnte auch einfach Wiederholungen im Fernseher angucken und diese neu entdecken. Aber ich lauere. Lauere darauf, dass mein Töchting ruft und aufs Klo will. Lauere, dass der Kerle vielleicht doch kotzt – er hat schon mehrmals besorgniserregend gehustet: „Mama nein, ich werde das nicht tun!“ Nur gewiss ist das nicht. Weiß ich, wie sein Magen reagiert. Er hat in letzter Zeit so viel gegessen, das ist verdächtig. Dünn und klein wird er bleiben, aber wenigstens stabil sollte das Gewicht sein! Wir haben keine Personenwaage, aber mehr als dreizehn Kilo bringt er sowieso nicht drauf. Es ist müßig sich übers Gewicht zu definieren!

Mir ist langweilig! Obwohl langweilig darf ich gar nicht sagen, ich habe genug zu tun. Nur das was ich gerne möchte, nämlich mich in mein Bett zu legen – mit einem Schmöker – das kann ich nicht. Hab immer ein Ohr und ein Auge bei den Junioren. Keiner, von denen, kann allein auf Klo oder sich was zu essen machen. Beide kommen nicht an den Kühlschrank, das Töchting vielleicht dann, wenn ich sie vorher auf den Rollstuhl gesetzt habe. Aber auch nur einen Kakao kann sie sich nicht selbst machen. Der Kerle würde auch auf dem Rolli sitzend, die Kühlschranktür nicht aufbekommen. Mir ist in soweit langweilig, dass mir eine Gesprächspartnerin fehlt. Es ist, bei allen Geräuschen, so still hier. Natürlich reden wir miteinander. Aber mir fehlt der Austausch auf Augenhöhe. Weihnachten gibts keine Helfer*innen, Weihnachten ist das Fest der Familien…

Heute Nachmittag gehen wir ins Kino!

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