Behinderung

aufregend

Ich fühle mich im Stich gelassen! Das Bundesteilhabegesetz ist für mich ein böhmisches Dorf. Ich habe kein Jurastudium und bin obendrein, was Behördenbriefe angeht immer schon ängstlich und überfordert gewesen. Es gibt auch niemanden, dem ich mich anvertrauen kann, weil die wenigen Menschen in meinem Umfeld ebenfalls mit dererlei überfordert sind. Die Abrechnung des Persönlichen Budgets steht an und die zuständige Behörde hat mir einige meiner eingereichten Unterlagen nicht genehmigt. Es sind Rechnungen einer Behindertenhilfsorganisation. Dazu gehört, dass Die Band nicht bezahlt wird weil es ja ein Privatvergnügen und eine Behindertenbespaßung ist. Ebenso sind die Freizeiten schon vor längerer Zeit radikal gestrichen worden und Ausflüge an denen behinderte Menschen am sogenannten normalen Leben teilhaben können, aber nicht mit gleichaltrigen nichtbehinderten Menschen zusammen, fallen laut Sozialamt auch nicht unter Teilhabe.  Das ist noch nicht einmal Integration. Ganz zu schweigen davon, dass es Inklusion ist. Das ist meiner Meinung nach Ausgrenzung und wir bewegen uns zurück ins tiefste Mittelalter.

Händeringend suche ich seit Jahren Helfer*innen. Seit Jahren werden sie weniger, nicht nur für mich. auch soziale Institutionen suchen immer wieder Helfer*innen. Es werden Erzieher*innen gesucht, Kranken-, Altenpfleger*innen, inzwischen auch Ärzte etc. pp. Die Sachbearbeiterin, mit der ich gesprochen habe, hat mir gesagt, wenn ich das nicht mehr leisten kann, müsste ich meine Junioren in ein Heim geben. Und dann? Drei s? Still, satt, sauber! Obwohl sauber, das möchte ich bezweifeln. Denn es gibt genügend Berichte, in denen aufgezeigt wird, das behinderte oder alte Menschen stundenlang in ihrer Scheiße liegen müssen, weil niemand da ist, der ihnen den Arsch abputzen kann. 

Ich bin nicht (mehr) politisch tätig und meine Kraft reicht auch nicht für ein politischen Engagement, aber diese Missstände sind eine humanitäre Bankrotterklärung. Menschen bleiben auf der Strecke, ganze Familien gehen vor die Hunde – Entlastung ist das nicht!

14:21 Uhr – wenn jetzt gleich die Junioren heimkommen sollte ich emotional wieder stabil sein. Aber ich habe ja noch andere Baustellen. Die Erbschaft meiner Eltern zum Beispiel und meine eigenen sozialen Probleme wegen dem Asperger-Syndrom.  Ich bebe nicht nur innerlich …

Veröffentlicht von piri

✨ In Momenten, in denen ich an mir und meiner Arbeit zweifle und meine, nichts Gutes auf die Reihe zu bekommen, denke ich manchmal daran, mir kurz das, was ich schon geschafft habe, anzuschauen. Dann geht's wieder. ✨ Hier gibt es die Möglichkeit etwas in den, wenn auch nur virtuellen Hut zu werfen. Herzlichen Dank!

7 Gedanken zu „aufregend“

  1. dergl sagt:

    Kannst du dich erinnern, dass Betroffene das Gesetz in der jetzigen Form erkämpfen mussten, weil juristisch bewiesen werden konnte, dass das, was die Bundesregierung wollte uns in die 90er zurück katapultiert hätte? Man nannte es damals auch nicht umsonst Knastgesetz unter behinderten Menschen oder machte Witze, dass „Teilhabe“ Unwort des Jahres werden könnte. Allein wenn die mit dem Pooling-Quatsch durchgekommen wären, könnte man zumindest in meinem Bundesland mit erhöhtem Assistenzbedarf wahrscheinlich nichts mehr alleine machen.

    1. piri sagt:

      Ja, ich erinnere mich dumpf. Aber jetzt ist es nicht wesentlich besser, nur Augenwischerei und schöne Worte. Worte, wie Backpfeifen!

      Und jetzt gerade in diesen Zeiten werden meine Helferinnen älter bzw. alt und können nicht mehr – diese wenigen brechen auch noch weg.

      1. dergl sagt:

        Es ist danach ja auch nichts weiter (im Sinne von nach vorne) entwickelt, es gab stattdessen ab 2020 noch mal Versuche Rechte einzukassieren.

        Verzwickt ist, dass manchmal völlig unklar ist, welche Rechte man hat und welche nicht, und dass viele notwendige Dinge – und das ist eine vorgenommene Verschlechterung -,nur noch mit Pflegegrad zu Hause gewährt werfen oder es heißt, na wenn man keinen hat, dann halt ab ins Heim, falls die Familie sich nicht kümmert oder kümmern kann. Das ist Teil eines Behindertenbildes von anno dazumal, in dem wir alle nicht alt werden. Dass wir in ein Alter kommen wie C., W. oder ich und unsere Angehörigen mit altern, wurde bis heute nicht einkalkuliert und deshalb haben die Behörden da keine Pläne für. Allerdings verschludern die das weiter, obwohl sie gerade wegen den Folgen von Corona/LongCovid eigentlich dringend handeln müssten.

        1. piri sagt:

          Bei uns spielt der Pflegegrad im Moment eine nachrangig Rolle. Ich verstehe den ganzen Dschungel nicht und Institutionen und Behörden lassen mich hängen.

          1. dergl sagt:

            Dieses hängen gelassen werden hatte ich im November mit der EUTB, wo ich hinsollte nachdem ich unter anderem von Behörden hängengelassen wurde. Ganz toll (das war Ironie) auch, wenn man dann auf eine chaotische Webseite, wo man noch nichtmal Ansprechpersonen findet geschickt wird.

            (Nein, ich habe mich nicht auf dem Beratungskompass – so hieß das – zurechtgefunden, ja, ich weiß wie das Internet geht. Mir wurde tatsächlich unterstellt, ich sei zu unerfahren, um die Seite zu bedienen, obwohl es da nicht annähernd Antworten auf das, was ich wissen musste gab.)

  2. Margrit sagt:

    Großer Mist. Würde gerne helfen, aber davon verstehe ich leider gar nichts.

    Das Problem des mitalternden Bekannten- und Freundinnenkreises kenne ich. Eine hatte Herz-OP, eine hat eine krebskranke Frau, eine eine alte Mutter und eine frische Enkelin …

    Der Gruselvorstellung „Heim“ kann ich mich vorerst entziehen, meine zu Pflegende ist ja alt und es wird neben mir zunächst ambulante Dienste geben. Aber du wirst dich ihr wohl eines Tages stellen müssen oder. Meine Tante mit geistig behindertem Sohn (bzw. ihre anderen Kinder) musste es, als sie dann selber dement wurde.

    1. Gerel sagt:

      Ja, großer Misthaufen!!!

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