Asperger Syndrom, Familie, Gedanken, Gedicht

Du-Botschaften

Du musst nur
Du sollst nicht
Du bist – denkt Euch was aus

Du könntest doch
Du darfst nicht
Du kannst – mich mal

Du machst immer
Du machst immer nicht
Du lässt mich – im Stich

Ich bin jetzt
völlig erschlagen
und weiß doch nicht
— was ich davon halten soll

© petra ulbrich

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Heute Abend ist mir, nach einer Mail das 4 Ohren Modell wieder eingefallen. Gerade Asperger-Autistinnen (was für ein doofes Genderwort) hören ganz besonders aufmerksam zu und sind von Zwischentönen dann noch verwirrter, als sonst sowieso schon, wenn sie Du-Botschaften um die Ohren gehauen bekommen!

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es geht weiter

Die Erinnerungen an meine erste Freundin kommen, je mehr ich über sie nachdenke. Unsere Freundschaftsphase dauerte nicht lang, gemessen daran wie lange ich schon lebe.  Ungefähr 15Jahre! Aber diese waren prägend. Wir waren nicht so eng, wie ich es oder sie gerne gehabt hätten. Ich bin Autistin, nur wusste ich es damals noch nicht und sie war es vermutlich auch. Wir haben viel miteinander geschwiegen. Wir haben eine Menge dummes Zeug zusammen getrieben. Ich denke an eine Tour, die böse endete. Es war, so glaube ich, nach unserem Tanzstundenball. Kein Erwachsener hatte uns begleitet. Wir waren uns einig, das nicht zu erzählen. Auch aus dem Grund, nicht enttäuscht zu werden. So wussten unsere Eltern nur, dass ein Abschlussballfest anstand. Es gab kein langes Kleid – war auch nicht nötig, denn in der Lokalität legte niemand Wert auf solche Förmlichkeiten. Ewig sind wir dort nicht geblieben. Die Jungs waren noch Kinder und Standardtänze konnte ich nicht. Kann sie heute nicht. In dieser Beziehung bin ich Bewegungslegasthenikerin. Wir haben uns abgeseilt. Meine Freundin hatte eine Flasche Cinzano organisiert. Ein paar ältere Jungs hatten uns aufgegabelt und wir sind in einer Kneipe versackt. Nur Cola haben wir bestellt – immer die stetig leerer werdende Flasche mit dem Wermut unterm Tisch gehalten. Der Lustigkeitspegel stieg. Ich fühlte mich wohl. Anerkannt. Akzeptiert, auch schön  – und war fröhlich. Bis wir an die frische Luft kamen. Da war auf einmal alles anders. Irgendwie bin ich nach Hause gekommen. Meine Mutter hob die Hand, hat aber nicht zugeschlagen, sagte nur: „Das hast du nun davon!“ Sie ließ mich alles sauber machen und verlor kein Wort mehr darüber. Kein Wort. Kein Schimpfen. Kein Trösten. Kein einziges Wort. Stumm war sie damals schon – meine Mutter.

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Außenwirkung vs. Innenwahrnehmung

Dass ich unsicher bin, das weiß ich – sieht man mir das auch an? Manchmal möchte ich das. Manchmal wäre es schön, wenn mir meine Hilflosigkeit auf der Stirn stünde. Manchmal möchte ich mir meine eigenen Dornröschenmauern einreißen. Manchmal von selbst nach draußen gehen und manchmal Menschen einladen, mich zu besuchen!

Nur, manchmal ist es so, dass ich Souveränität ausstrahle, die ich gar nicht habe. Diese Diskrepanz möchte ich durchbrechen – ich weiß nur nicht wie. Ich müsste meine Potemkinsche Dörfer plattmachen, aber was bleibt mir dann?

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Die Junioren haben frei und schlafen noch …

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Gedanken

Vielleicht unterscheiden wir irgendwann mal nicht zwischen stark und schwach. Menschen sind Menschen. Manche brauchen nur Unterstützung.

Manche Menschen brauchen ein bisschen mehr Unterstützung und manchmal hilft Coolness gar nichts. Dann stehst du zwar besser da, aber geholfen hat dir deine Haltung schlussendlich nichts. Es ist mir oft genug so ergangen. Ich habe getan, als ob ich alles selbst hinbekomme, habe ein Pokerface aufgesetzt und brauchte nicht einmal eine Maske – alle, denen ich so begegnet bin, haben mir abgenommen, dass ich unglaublich stark bin. Daheim, im stillen Kämmerchen habe ich am Abend heulend in der Ecke gesessen und war nur noch ein Häufchen Elend.

Es ist nicht so, dass ich jetzt immer frage, um Hilfe bitte – aber ich mache es öfter und damit gestehe ich mir eine Schwäche zu, die ich anderen auch einräume. Auf meinem Handy habe ich einen Spruch, der ein Profilbild von mir begleitet:

Ubuntu ungamntu ngabanye abantu – Menschen sind Menschen durch andere Menschen. 

Wir können alle nicht alleine leben und manche brauchen eben ein bisschen mehr Unterstützung!