Fragen, Gedanken

pinkeln, Angst und so viel mehr

Wie viel Freiheit gönnt ihr euch in diesen Tagen? Wie viel Begegnung ist dir möglich? Wenn du ganz ehrlich zu dir selbst bist: wie leichtsinnig bist du bereits geworden?

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Wir sind/ich bin sehr vorsichtig und dennoch ist die Sehnsucht groß – nach Begegnungen und Aktivitäten. War ich vorher schon sehr isoliert, so bin ich/sind wir es jetzt noch mehr. Zum Glück können die Junioren in die Werkstatt und sehen dort andere Gesichter. Ich mache das nicht, ich kann das auch nicht. Auch deswegen, weil ich mir das nicht zutraue. Außerdem habe ich die Kraft nicht dazu.

Seit einiger Zeit haben wir wieder (fast) täglich vollgepinkelte Betten – vielleicht ist das auch meiner Faulheit geschuldet, weil ich nicht nachts mein Töchting aufs Klo wuchten setzen möchte. Nachts möchte ich schlafen. Aber da ist sie wieder – diese diffuse Angst, diese nicht greifbare, die schwammige und immer wieder aus den Händen gleitende. Ich kann diese Angst nicht benennen. Es ist verdammt viel mehr. Trauer, eine Menge Beneiden – denn Neid im herkömmlichen Sinne ist es nicht, ich gönne allen ihren Urlaub – ich hätte nur selber auch gerne welchen. Ach, ich wiederhole mich. Aber wiederholt sich unser aller Leben nicht immer und immer wieder? So, wie ein Pinkelbett?

Nein – nichts Weiteres. Erstens gehts euch nichts an und zweitens will ich öffentlich nicht mehr so viel über meine Defizite schreiben und drittens ist es eh langweilig!

 

Veröffentlicht von piri ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Asperger-Autistin bin ich obendrein auch. ❤️ -*-*-*-*-*-*-*-*- In Momenten, in denen ich an mir und meiner Arbeit zweifle und meine, nichts Gutes auf die Reihe zu bekommen, denke ich manchmal daran, mir kurz das, was ich schon geschaffen habe, anzuschauen. Dann geht's wieder ...

19 Gedanken zu „pinkeln, Angst und so viel mehr“

  1. Verwandlerin sagt:

    Piri, ich kann dir vielleicht nachfühlen, wie du empfindest. Ich hatte mindestens zehn Jahre in meinem Leben, da habe ich ähnlich empfunden. Bei mir war es eine Mischung aus Neid auf das schönere und vor allem unkompliziertere Leben der anderen, aus Verzweiflung über meine Lage und aus Resignation.
    Liebe Grüße
    Marion

    1. piri ulbrich sagt:

      Resignation ist es bei mir auf keinen Fall – eher Ernüchterung! Aber es ist so schietig, wenn man immer gegen Windmühlenflügel kämpft und denkt, man hat keine Mitstreiter – jedenfalls keine in der unmittelbaren Nähe. Gemeinsam ginge es leichter, gemeinsam kann man sich aussprechen, hat einen Ansprechpartner und muss nicht immer alles alleine entscheiden. Und hätte auch mal jemanden, der oder die die Betten bezieht!

  2. Heike sagt:

    können sie nicht nachts mit Windeln schlafen? Dann hättest du es etwas leichter und könntest auch durchschlafen.

    1. piri ulbrich sagt:

      Carsten hat eine offene Blase, da trägt er sowieso dauernd Windeln und ab und zu ist es für ihn, auch medizinisch betrachtet, wichtig, nachts ohne Plastikumhüllung schlafen zu können. Wiebke kann ja ohne Windeln auskommen und wenn ich ihr nachts Windeln anziehen würde, würde sie diese ausziehen oder vielleicht tagsüber auch welche tragen wollen und das wäre für mich noch mehr Arbeit. Außerdem geht die Lebensqualität flöten!

  3. karfunkelfee sagt:

    Sehr wenig Freiheit. Mein Leben ist auch ziemlich isoliert, ich sehe unter der Woche oft nur meine Eltern. Begegnungen finden nur im Supermarkt oder an Kassen statt. Beim Wandern begegnen mir hier nur Wenige. Ja, meine Isolation hat sich verstärkt, auch Einsamkeit, denn lebe seit einem Jahr alleine. Meine Kinder fehlen mir, sind flügge. Vieles hat sich verändert…werde immer Scheuer, ängstlicher, verkapselter, auch dank Corona. Bei Eltern bin ich sehr oft zum Helfen, Mam ist frisch operiert, Papa auch an Krücken. Alles schwierig gerade, doch hole mir kleine Sommerglückpigmente aus diesem Coronaloch. Alles Gute für Euch Dreie und mag Deine Gedichtlesestimme. Wunderbar!
    Liebe Grüße
    Amélie

    1. piri ulbrich sagt:

      Danke! Für das Kompliment und dafür, dass du so offen bist. Corona ist bei mir, wie ein Geschmacksverstärker – leider waren wir vorher auch schon isoliert.

  4. isa sagt:

    ich will gar nicht darüber nachdenken wie viel meiner wenigen Freiheiten ich seit Corona verloren habe. Trotzallem habe ich nicht das Gefühl, dass sich mein Leben als solches wiederholt wie ein Pinkelbett. Es bleibt im Fluss, wenn ich in Gedanken Hamsterrädern aus dem Weg gehe. Die Überlegung erinnert mich an den Anfang des Gelassenheitsgebets.
    Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
    den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
    und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
    Einen Tag nach dem anderen zu leben,
    einen Moment nach dem anderen zu genießen. …

    1. piri ulbrich sagt:

      Natürlich; es gibt Varianten des Pinkelbetts! Ja, im Grunde sind wir sogar privilegiert und haben viel mehr Freiraum, als so manch anderer behinderter Mensch. Aber ist es nicht auch so, dass man immer das haben will, was man nicht hat? Ich sehe das Leben auch als Fluss, nur fließt so manches Pinkelbett eben mit und manchmal wäre es schön, es gäbe noch was anderes daneben. Gegen das Pinkelbett habe ich ja gar nichts – es ist das Alleinsein beziehungsweise nicht mal allein sein zu können. Gar nicht so kompliziert, wie es sich liest. Ich hab den Freiraum nicht.

  5. isa sagt:

    Ja, es fehlt dir an Freiraum. Du bist an vielen Stellen eingeschränkt. Das sind dann auch Sachzwänge. Ich wünsche es dir sehr, dass immer mal wieder noch was anderes neben dem Pinkelbett mitfließt.

  6. Ursula sagt:

    Neidisch
    bin ich oft! Aber nicht auf Auto, Klamotten, Urlaub, Schmuck oder sonst was Materielles.

    Corona
    hat mir das letzte bisschen Lebensfreude genommen.

    Einsam
    bin ich sehr — aber leider nicht allein.

  7. Barbara sagt:

    Mir geht es auch nicht gut, aber ich versuche, es als zeitlich begrenztes Projekt zu sehen. Alles andere zieht mich runter und ist auch nicht produktiv.

    1. piri ulbrich sagt:

      Zeitlich begrenzt ist Corona vielleicht, aber meine Sehnsucht war vorher und wird hinterher sein.

  8. Reiner sagt:

    Ich gehe nicht in deinen Schuhen – kann aber spüren, wie es dir gehen mag.
    Sei herzlich gegrüßt …

    1. piri ulbrich sagt:

      Wer geht schon in den Schuhen der anderen, wenn die eigenen doch zu genüge drücken?

  9. dergl sagt:

    Darf ich deine oben gestellten Fragen beantworten, auch wenn ich nicht zu deinen Stammlesenden und -kommentierenden gehöre? Wenn du das nicht möchtest, ist es in Ordnung und du kannst es einfach löschen. Kein Problem.

    Freiheit heißt hier, in einem anderen Stadtteil einzukaufen oder mehrmals am Tag eine Runde um den Block zu gehen, aber immer nur da, wo keine oder nur wenig Menschen sind. Leichtsinnig, hm… ich musste letztens eine längere Fahrt in eine Großstadt mit der S-Bahn tun und ich bin dort, also in der Großstadt, in einem Einkaufszentrum gewesen. Zwar schnell und gezielt, aber eben doch. Außerdem habe ich mir in dem Laden, in dem ich etwas gekauft habe (das es in meiner Stadt nicht gibt) ein Bonbon geben lassen und als ich aus dem Laden heraus war, habe ich dieses Bonbon unter meiner Maske hindurch geschleust. War vielleicht auch nicht das Vorsichtigste. Aber sonst… Mir ist ein paar Mal gesagt worden, ich sei übervorsichtig, aber ich bin halt Teil der vulnerablen Gruppe oder Risikogruppe, je nachdem, welche Bezeichnung du dafür bevorzugst. Am Anfang als so viele Kulturangebote plötzlich gestreamt wurden und dadurch barrierefrei waren hat mir das alles nicht viel ausgemacht, aber mittlerweile ist das schon zeitweise anders.

    Viele Grüße

    1. piri ulbrich sagt:

      Natürlich darfst du! Ich freue mich über deine Kommentare – sind sie doch immer kritisch und willkommen.

      1. dergl sagt:

        Ich war eine lange Zeit nicht mehr hier und habe auch meine Blogs schon eine ganze Weile nicht mehr und bekomme was Blogs und Bloggende angeht Vieles nur noch sporadisch mit. Deswegen frage ich erstmal ob ich darf, weil Regeln sich zwischenzeitlich geändert haben könnten. Ich möchte niemandem auf die Füße treten. Der allgemeine Ton auch gegenüber behinderten Bloggenden hat sich ebenfalls vielerorts geändert, eventuell hast du das auch schon zu spüren bekommen, und meine Erfahrung ist, dass viele dadurch vorsichtiger geworden sind und zum Beispiel nur noch Wortmeldungen von Stammkommentierenden mögen. Auch das ist ein Grund, dass ich frage. Sonst ist das wie der sinnbildliche Elefant im Porzellanladen, der eine Teetasse kaufen will und versehentlich drei Kaffeeservice zerdeppert. Abgesehen davon: Ich versuche so gut ich kann höflich, sachlich und konstruktiv zu sein, wenn ich mich zu Wort melde, aber ob das auch so wahrgenommen wird oder ob das für die andere Person hilfreich ist, das weiß ich nicht.

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