Behinderung, Familie, Gedanken, Kuddelmuddel

Haare sind nicht alles

Haare schneiden kann ich, das mache ich seit Jahren bei mir und den Junioren. Darum geht’s eigentlich auch gar nicht – das kann ich daheim machen und dafür muss ich nicht unbedingt raus, obwohl mir sehr danach ist, für die fluseligen Haare (sie fallen mir stark aus) einen professionellen Haarschnitt zu bekommen.  Okay, ich kann damit leben! Ist ja sowieso nicht alles.

Was mich nach und nach ausbremst, ist die Tatsache, dass ich nur schwerlich einkaufen kann. Mit zwei Rollstuhlfahrern gestaltet sich das schwierig. Zwar husche ich ab und zu in den größeren Einkaufsladen. Dieses Einkaufen ist heftiger Stress und ich vergesse dabei auch prompt oft etwas mitzunehmen. Ich weiß, dass es die Möglichkeit gibt Einkaufszettel zu schreiben. Es ist nicht dasselbe, wenn ich unter Druck einkaufe. Wenn ich denke, dass die Junioren alleine sind und eventuell Panik bekommen, weil ich nicht da bin, dann beeile ich mich doppelt. Abzusehen, wann sie wieder in die Lebenswerkstatt können, ist nichts. “Das kann noch dauern!”, sagte man mir am Telefon. Soweit ist es auch gut – wir schaffen das. Ich kann Carsten und Wiebke beschäftigen, sie können sich beschäftigen. Menschen vermissen wir, andere Menschen. Es kommen immer welche und es kommen wunderbare Menschen – das freut mich – leider kommen manche nicht und diese fehlen uns.

“Mama, wir brauchen noch dringend Blumen!” Carsten guckt sich auf der Terrasse um und vermisst Farbe, blühendes, duftendes und überhaupt die Fülle. “Wenn wir schon nicht in Urlaub fahren können, dann wollen wir es wenigstens Zuhause schön haben!” Natürlich. Ja, richtig! Aber wann soll ich die Pflanzen einkaufen – siehe oben, es ist kompliziert mit zwei Rollstuhlfahrern.

Jetzt regnet’s erst einmal …

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Nachtrag: Wenn der Kopf ein Rummelplatz ist – so fühle ich mich manchmal auch!

 

Veröffentlicht von piri ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Asperger-Autistin bin ich obendrein auch. ❤️ -*-*-*-*-*-*-*-*- In Momenten, in denen ich an mir und meiner Arbeit zweifle und meine, nichts Gutes auf die Reihe zu bekommen, denke ich manchmal daran, mir kurz das, was ich schon geschaffen habe, anzuschauen. Dann geht's wieder ...

5 Gedanken zu „Haare sind nicht alles“

  1. Verwandlerin sagt:

    Hier regnet es auch.

    1. piri ulbrich sagt:

      Ist doch schön, die Natur dürstet!

  2. christine b sagt:

    in dieser derzeitig so zähen lage kann man eigentlich nur vordenken, ein paar monate, dann werden die junioren wieder abgeholt und petra geht wieder einkaufen, zum friseur, ins museum…..
    liebe nachbarn, bittebitte setzt euch ab und zu mal ein stündchen zu den junioren, damit petra schnell mal alleine einkaufen oder zum friseur kann!
    vielleicht gibt es welche, die das machen, ev. sogar gerne- wie ich mir aus meiner sicht gut vorstellen kann. ich drücke die daumen, dass sowas klappen könnte und auch all eure besucher wieder kommen.
    sind halt doch welche, die es nicht tun wegen corona. selber vorsichtig sein wollen oder annehmen, dass man das nicht kann, den junioren ev. etwas zu übertragen.
    mist coronazeit, wo so viele menschen vereinsamen, weil sie keine besuche bekommen.

    1. piri ulbrich sagt:

      Süddeutsche Zeitung | Jeder ist sich selbst der nächste. Wir erfahren Solidarität, aber dennoch trifft es uns mehr, als andere. Manchmal ist das nicht so schön. Menschen aus der Nachbarschaft helfen uns/mir, indem sie z. B. den Garten richten und mit uns spazieren gehen. Ich weiß es zu schätzen, aber Normalität ist was anderes!

  3. christine b sagt:

    ja, natürlich, das sind auch hilfen worüber man sich freut, aber deine sehnsucht nach “MEHR” kann ich gut verstehen!

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