Kategorie: Behinderung

und so weiter

Warum ich so unruhig bin, kann ich nicht sagen. Vielleicht ist es Angst. Nur eins, ich muss mich nicht dafür schämen. Meine Junioren sind gut versorgt, sie sind fröhlich und singen!

Mich macht diese Coronazeit fertig. Wahrscheinlich auch deswegen, weil ich so krank war – aber da wiederhole ich mich zum wer weiß wievielten Mal! Auch, weil ich noch isolierter, als sonst schon gewesen, bin. Es geht mir nicht anders, als vielen anderen auch. Pflegende Angehörige sind per se schon sehr allein, oder fühlen sich wenigstens alleingelassen. Es ist überhaupt nicht die Pflege und die Versorgung, die schmerzt – das ist von den meisten sehr gut händelbar. Es ist der nicht vorhandene Austausch, das nicht verstanden fühlen, das alleingelassen sein. Ich kann es nicht vermitteln. Gefühle kann man nur sehr schwer erklären, schon gar nicht jemanden, der oder die nicht in derselben Situation steckt. Da helfen auch die mitfühlendsten Worte nicht. Verständnis zu haben, nützt nichts und genau da liegt der Hund begraben. Was ich mir wünsche, gibt es nicht …

Sorry – dieser Beitrag ist schon wieder tausendfach gelöscht, neu geschrieben, wieder gelöscht und mit Wehdam ins Netz gestellt.

geht grad so weiter

Nichts war es mit noch mal ins Bett gehen. Unruhig, wie ich war bin ich raus in die Nasskälte. Viel zu dünn angezogen, aber mit Mütze, ohne Handy – war vielleicht ein Glück. So konnte ich den Kerle nicht aus der Werkstatt abholen. Habe aber auch den Anruf meines Vermieters verpasst. Dieser will irgendwas mit der Wasseruhr, obwohl ich das schon längst erledigt habe.

Unausgeschlafen friere ich den ganzen Tag vor mich hin, bisken husten tu ich auch und der eiserne Heinrich spannt sein Band um meine Brust – bitte nicht krank werden. Denn das kann ich gar nicht gebrauchen. 

Am Nachmittag bekomme ich ein Päckchen Wäsche in die Hand gedrückt. Carsten ist bleich, aber ausgesprochen fröhlich. Wiebke macht ein bedenkliches Gesicht, sagt aber: „Morgen ist alles gut und Carsten hat versprochen, nicht zu kotzen.“ Dafür hat er mir, kaum waren wir im Haus, vor die Füße gespuckt. Wiebke weint aus lauter Stress. Ich friere, bin müde und der Kerle tut so, als ob nichts wäre. 

Jetzt ist alles gut. Die Junioren sind friedlich beisammen, ich friere immer noch. Der Kerle isst und morgen ist wahrscheinlich alles, wie immer!

ein bisschen weniger und ein bisschen mehr

Der Kerle kotzt nicht mehr so viel. Gut so: „Jetzt mag ich aber keinen labbrigen Zwieback mehr essen und diesen scheußlichen Tee kannst du auch alleine trinken!“ Wenigstens bleibt das meiste drin. Jetzt will er Grissini und er will, dass ich sie selber backe. Scheint kein Hexenwerk zu sein – vermutlich wird es dennoch daran scheitern, dass ich keine Zeit und ausgesprochen wenig Lust zum Backen hab. Es gibt hier in der nahen Großstadt ein italienisches Geschäft, die werden doch wohl eine Auswahl haben!?

Heute Morgen habe ich verschlafen. Erst war ich eineinhalb Stunden vorher wach und wollte noch nicht aufstehen und dann wurde ich fünf Minuten nach der Weckzeit der Junioren im Traum hoch geklingelt. Ohne Kaffee, mit schlabbriger Haushose und Ringen unter den Augen habe ich Wasser in die Badewanne eingelassen, den Kerle aus seinem Bett gehieft, ihn ins Schaumbad gesteckt – und dann erst mal tief Luft geholt. Mein/unser Morgen ist durchtacktet und sobald nur irgendwas aus den Fugen gerät, dann kommt ein ganzer Rattenschwanz hinterher. Dann finde ich die roten Socken des Töchting nicht, aber sie will die roten anziehen, die blauen passen nicht zum Pullover und überhaupt kratzen die. In der Hektik kleckere ich auch noch Erdbeertee auf den Fußboden und Wiebke fährt durch – mit Dreckklumpen an den Rädern. Diese sind jetzt nicht mehr, dafür gibt es erdverschmierte Erdbeerteestraßen flächendeckig in der Wohnung verteilt. Der Kerle frühstückt, wie die Römer – so sagt er, tun sie es oder hätten es wenigstens in früherer Zeit so getan – im Badewasser. „Ich trink doch sowieso nur was. Essen tu ich dann in der Werkstatt!“

Leberwurst ist alle! Gibt es eben Camembert aufs Vesperbrot. „Aber ich will auch Tomaten dazu und so ne Clementine kannst du auch alleine essen!“

XXX – sie sind weg und ich überlege, ob ich, nach dem ich die Waschmaschine gefüllt habe, noch mal in Morpheus Arme schlüpfe!

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