Kategorie: Behinderung

Immerhin eine Antwort

Als paranoid wurde ich bezeichnet – von jemanden, den ich nicht kenne und der oder die (ich weiß ja noch nicht einmal, ob es ein Mann, eine Frau oder jemand Diverses ist) mich nicht kennt, oder vielleicht doch?
Was mir heute durch den Kopf geht, ist in keiner Weise mehr stubenrein. Mit Sicherheit spielen die verschiedensten Faktoren eine Rolle warum ich so und nicht anders auf Menschen reagiere. In der Werkstatt der Junioren ist ein Mitarbeiter, der unmittelbar mit meinen beiden zusammenarbeitet positiv getestet worden, unser Freund stirbt, oder ist schon gestorben, eine liebste Freundin von Carsten liegt mit multiplen Organversagen (Déjà-vu) auf der Intensivstation. Meine Junioren sind durch den Wind, sie meutern, sind überempfindlich und diskutieren um alles und jedes. Carsten hält minutenlange Monologe und Wiebke quengelt schon, wenn ich ihr Vitamin D geben will.

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⭐ Mein erster Gedanke dazu und zu allem ist: Lasst mich doch in Ruh oder versucht wenigstens, mich mal ein bisschen zu verstehen!

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Ich wünsch mir was und sage Dankeschön

Erst einmal möchte ich der unermüdlichen S. wieder einmal ganz herzlich Dankeschön sagen. Diese Frau ist es, die den Bücherstapel der Junioren wachsen lässt. „Aber bitte“, so sagt Wiebke „kauf nicht nur Männerbücher für Carsten, sondern auch ein Frauenbuch für mich!“ Was auch immer Männer- oder Frauenbücher sind, ich werde schon die richtige Lektüre für beide finden.

Heute fahre ich noch mal ins Hospiz. Ich werde jetzt regelmäßig fahren und unserem Freund vorlesen – auch Gedichte von mir. In dem Städtchen gibt es hoffentlich die kuschelige Buchhandlung noch, in der es sich so herrlich stöbern lässt.  Danke S. dein Buchgeld wird schnellstmöglich im Buchladen landen.

Und was ich mir wünsche? Ich wünsche mir, dass mich jemand mal einen Tag begleitet. Vom Aufstehen bis ins zu Bett gehen. Auf diese Idee hat mich meine Psychologin gebracht. „Damit auch andere sehen, was Sie so tagtäglich machen!“ Einen Tag habe ich ihr mal geschildert und sie war völlig von den Socken. „Wäre schön, wenn das gefilmt würde, denn diese Arbeit, die Sie machen, ist keinesfalls selbstverständlich!“ Nur kenne ich keine Filmleute. Doch reizen täte mich dieses Projekt schon.

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So, nun bin ich on the road again – aber vorher muss ich den Trockner noch ausräumen. Minna wäscht alleine …

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Dem Kerle zuliebe

Eine begnadete Bäckerin werde ich nicht mehr in diesem Leben. Bei mir muss es schnell gehen und gut schmecken – das tun sie, unsere Plätzchen. Ob ich die Brödle* noch verzieren werde, hängt davon ab, ob ich nicht im Stehen einschlafe …

*Das Wort „Brödle“ bezeichnet im Schwäbischen, Badischen oder Alemannischen nicht Brötchen, sondern steht für Plätzchen.

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