Kategorie: Behinderung

Warum

Vorerst habe ich die Kurzfassung im Reader eingestellt. Wer lesen möchte, muss also auf das Blog kommen.

Warumfragen sind müßig, hab ich mal gelernt. Es ist so, wie es ist und dennoch habe ich gerade eine Schranke im Kopf.
Passwortgeschütze Beiträge zu schreiben nützt auch nichts, denn ich habe jemanden das Passwort gegeben, dem ich nicht umfänglich vertraue. Ein neues Passwort wäre eine Lösung. Nur will ich, dass auch nur Menschen die passwortgeschützten Beiträge lesen, die es auch gerne und freiwillig tun. Aufdrängen mag ich mich nicht. Aber dann lesen auch Menschen nicht – können es nicht – die Beiträge, deren Meinung mir sehr wichtig ist. Ich bin total durcheinander und das nicht nur wegen dieser Bea! Es gibt noch ein paar andere Baustellen! Unsere Wohnsituation zum Beispiel. Wir haben einen Hauswirt, der sehr sparsam ist und uns jede Reparatur aufs Auge drücken möchte. Das Haus ist fast 40 Jahre alt und dementsprechend häufen sich jetzt die Reparaturen. In letzter Zeit sind es die Rollläden. Es klang durch, dass der Vermieter mir unterstellte, dass ich mutwillig die Gurtbänder verschließen hätte: „Bei mir ist das Haus noch älter und es ist noch nie etwas passiert!“ Jetzt ist wieder einmal mit lautem Getöse ein Rollladen herunter gekracht. Ich, die sowieso Angst habe irgendwo anzurufen, muss nun den Vermieter informieren… Rein verstandesmäßig weiß ich, dass es mein gutes Recht ist – zahle ich doch Miete und diese ist nicht knapp. Gefühlsmäßig bringt es mich an den Rand des Nervenzusammenbruchs. Mit Logik ist dem nicht beizukommen.

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Ich muss dieses Weblog überdenken – mal wieder – eventuell mache ich neuerliches Tabula rasa. Es wäre nicht das erste Mal!

Wenn ihr wollt, könnt ihr uns gerne etwas in den imaginären Hut werfen! Wir fahren am Wochenende zu einem Treffen kleinwüchsiger Menschen ins schöne Altmühltal. Wer diesen Hinweis als Bettelei aufnimmt, dem ist sehr nahe gelegt, hier wegzubleiben und sein Unwesen woanders zu treiben.

 

Die Mutter von Harti

Harti war »Der Behinderte« in meiner Kinderzeit. Er wohnte uns auf dem Luisenhof genau gegenüber, war schon groß und wollte immer fliegen lernen!

Wir Kinder haben mit ihm gespielt, ihn aber auch gefoppt und lächerlich gemacht. Er hat es hingenommen, gelacht und ist weitergeflogen. Hat mit den Armen gerudert, Motorengeräusche gemacht und lief, mehr stolpernd, als geradeaus, meist genau durch die Pfützen über den ungeteerten Hof. Ob Harti zur Schule gegangen ist oder schon in eine Behindertenwerkstatt, das weiß ich nicht mehr. Von Frau Schrader weiß ich nur, dass sie eine Frau mittleren Alters war und sehr kaputt aussah.

Hat sie gearbeitet? Ich weiß es nicht! Sie hatte nur Jungs. Waren es 4 oder 5? Ich weiß es nicht mehr! Horst, Hartmut, Michael, Detlef,?. Die Brüder waren untereinander nicht die besten Freunde. Aber einen von ihnen wurde der behinderte Bruder immer aufs Auge gedrückt. Damit Frau Schrader das Haus richten konnte. Harti war nämlich nicht sauber. Überhaupt nicht sauber – in jeder Hinsicht nicht sauber. Das zu einer Zeit, als es Waschmaschinen noch nicht in jedem Haushalt gab. Die Frau hatte sehr raue Hände vom ewig im Wasser sein. Auch gab es keine Wegwerfwindeln und manchmal stank Harti schon sehr.

Als kleines Mädchen war ich nicht zimperlich. Als kleines Mädchen habe ich oft versucht Harti anzufassen. Er war meistens schneller. „Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann?“ So nassforsch wie ich tat, war ich nicht. Ich habe mich einerseits schon sehr gefürchtet und andererseits wollte ich diese Mutprobe!

Was muss Frau Schrader – die oft hinter der Gardine des Wohnzimmerfensters stand – gedacht haben, ob des bösen Spiels, das wir Nachbarkinder mit ihrem Sohn veranstalteten? Hat sie die Zähne zusammengebissen? Hat sie geweint? Manchmal, wenn wir es gar zu arg trieben, kam sie mit wehenden Schürzenbändeln raus, schnappte sich ihren ältesten Sohn, zog ihn hinter sich her und schmiss die Haustür mit einem lauten Knall hinter sich beiden zu. Danach wurde es laut im Haus gegenüber. Harti weinte, Frau Schrader mit ihm mit, sie schrie, er schrie. Sie schrie nach draußen nach ihren anderen Jungs, diese schrien zurück und wollten natürlich nicht ins Haus. Meine Oma schrie nach uns und holte uns, mich manchmal an den Zöpfen ziehend in unser Haus.

Was ist aus Harti geworden? Was ist aus Frau Schrader geworden? Fast zeitgleich sind wir umgezogen. In den gleichen Vorort. Nur wir auf den Hügel und sie mit ihrer Familie ins Tal.

Seit längerer Zeit denke ich wieder öfter an Harti und seine Mutter. Ich weiß nichts von ihr! Ich wusste nichts von ihr! Und ich möchte nicht so sein. Darüber definiert werden, die Mutter eines oder mehrerer behinderter Kinder zu sein und sonst nichts!

kotzen

Mir rutscht jedesmal mein Herz in die Hose, wenn Carsten zu schnell seine Aufbaunahrung trinkt und prompt anfängt zu husten.

Es ist ein Trauma – definitiv! Der Kerle muss doch was essen! Warum lässt man mich so alleine? Den Spruch, dass man so schnell nicht verhungert, diesen Spruch kann ich nicht mehr hören, ohne zu schreien. Ja, ernsthaft – schreien! Denn diese Menschen kennen Carsten nicht. Und glaubt mir, man kann! Carsten hat kein Hungergefühl und sein Magen fasst keinen Eierbecher voll Essen – alles, was darüber hinausgeht, ist zu viel!

Und meine Angst – wenigstens diese Angst – ist sehr real und keinesfalls diffus.

Schonungslos
  • Weil es so ist
  • weil ich nichts beschönigen will
  • weil mich diese Angst auffrisst
  • weil ich so alleine damit bin
  • … und wer damit nicht klarkommt, der soll wegbleiben
  • ich komme auch nicht damit klar – muss aber bleiben
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